Gebürtige Burgsteinfurterin kämpft gegen Doping
Kein Platz in einer Schublade

Burgsteinfurt -

Lehrerin, Ärztin oder Journalistin? Diese Frage konnte Dr. Astrid Offer für sich lange nicht beantworten. Deshalb war und ist sie einfach auf allen Gebieten unterwegs - als  DFB-Mannschaftsärztin, Anti-Doping-Aktivistin, Journalistin und Sportlehrerin.

Mittwoch, 16.08.2017, 20:08 Uhr

Notärztin Dr. Astrid Offer im Kölner Rheinenergiestadion vor dem DFB-Pokalfinale der Frauen 2017.
Notärztin Dr. Astrid Offer im Kölner Rheinenergiestadion vor dem DFB-Pokalfinale der Frauen 2017. Foto: privat

Als „multiprofessionell“ bezeichnet sie sich selbst – und tatsächlich passt Dr. Astrid Offer als Diplom-Sportlehrerin, Fachärztin für Allgemeinmedizin, Sport- und Notfallmedizinerin, als ärztliche Psychotherapeutin und Journalistin in keine der üblichen Schubladen. Doch eines verbindet alle Tätigkeiten: die Liebe zum Sport. Einige „Transfers“ zu verschiedenen Arbeitgebern ließen es der Wahlkölnerin nie langweilig werden.

Für die gebürtige Burgsteinfurterin kamen nach dem Abitur gleich drei Optionen in Frage – Lehrerin, Ärztin oder Journalistin werden. Zunächst entschied sie sich für ein Lehramtsstudium der Fächer Mathematik und Sport in Bochum, doch schon bald sollte der erste „Transfer“ folgen: „Der gute Ruf der Deutschen Sporthochschule in Köln und die ganze Stadt zogen mich in ihren Bann. Also setze ich alles daran, nach den Zwischenprüfungen in die Domstadt zu wechseln“, erinnert sich Offer. Dort hängte sie also ihre schulische Karriere in Mathematik an den Nagel und machte ihren ersten Abschluss zur Diplomsportlehrerin.

Journalistische Erfahrungen

Transfer Nummer zwei lag da allerdings bereits in der Luft: „Schon während des Studiums an der Sporthochschule dachte ich wieder über Medizin nach. Ich wollte Sport und Medizin verbinden“, erzählt Offer. Sie ergatterte – unter anderem durch ein Empfehlungsschreiben des Sportmedizin-„Papstes“ Prof. Wildor Hollmann – tatsächlich einen der raren Zweitstudienplätze in ihrer Wahlheimat Köln.

Dafür musste noch ein guter Nebenjob her. „Diplom-Sportlehrer waren in den 1990er Jahren beliebt in den Sportredaktionen. So bekam ich die Chance, beim Printmagazin ,Fit for Fun‘ in Hamburg und in der ZDF-Sportredaktion in Mainz zu hospitieren“, berichtet die Burgsteinfurterin.

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Beim WDR-Fernsehen arbeitete sie schließlich bis zum Ende des Studiums als freie Mitarbeiterin und stand abseits des Hörsaals regelmäßig am Feldrand bei Fußballspielen, führte Interviews und produzierte Beiträge für das ARD-Morgenmagazin, „Sport im Westen“ oder die ARD-Sportschau.

Aktiv im Bereich Dopingprävention

Während der folgenden Facharztausbildung „Innere und Allgemeinmedizin“ entdeckte Offer eine Stellenausschreibung des Sportkrankenhauses Lüdenscheid-Hellersen – und der nächste Arbeitgeberwechsel stand bevor: „Diese Stelle in der internistischen Sportmedizin wollte ich unbedingt und bekam sie dann auch. Ich betreute auch eine Anti-Dopingkampagne mit und fühlte mich wie ein Fisch im Wasser“, lacht die heutige Sportmedizinerin.

Durch die Mitarbeit im Antidopingprojekt „Falscher Einwurf!“ kam der Ärztin die Idee, auf diesem Gebiet zu promovieren. In dem in Fachkreisen geschätzten münsterischen Sportmediziner Prof. Klaus Völker fand Offer den richtigen Doktorvater: „Mein Thema war der Gebrauch von Dopingmitteln, Drogen, Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln bei 10- bis 19-Jährigen und deren Kenntnisstand dazu.“

Seither ist Offer immer wieder in Sachen Dopingprävention unterwegs – etwa in der Arbeitsgemeinschaft Prävention der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA), in den Anti-Doping-Kommissionen des Deutschen Fußballbunds ( DFB ) oder der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP).

„Der Leistungssport verführt dazu, seine Fähigkeiten noch mit unerlaubten Mitteln aufzupeppen. Eine stabile, innere Anti-Doping-Haltung des Sportlers in einem dopingfreien Umfeld ist daher das Ziel.“

Verschiedene berufliche Stationen

Neben dieser Arbeit steht die heute 51-Jährige auch noch immer regelmäßig am Feldrand: Bis 2016 als Mannschaftsärztin der U16-Frauen-Nationalmannschaft des DFB und seit 2008 zusätzlich als „Medical Officer“ des Weltfußballverbands FIFA war sie bisher bei insgesamt sieben Fußballweltmeisterschaften der Frauen unter anderem in Chile, Japan und Papua Neuguinea dabei.

Inzwischen hat Offer Weiterbildungen in der Verhaltenstherapie und der Sucht-, Notfall- und Sozialmedizin absolviert. Auch einige berufliche Stationen, beispielsweise als Betriebsärztin oder ärztliche Leitung einer Tagesklinik für illegal Drogenabhängige, kamen hinzu.

Derzeit arbeitet sie hauptberuflich als festangestellte Notärztin der Stadt Düsseldorf. Ihren vorerst letzten beruflichen Transfer leitet die Medizinerin aktuell ein: „Ich möchte in Zukunft nebenberuflich in einer eigenen psychotherapeutischen Praxis tätig sein und unter anderem präventiv mit Sportlern arbeiten – beispielsweise Coaching und Mentaltraining anbieten. Meine Haltung war immer, keine Angst davor zu haben, etwas zu ändern oder neu anzufangen und mich so weiterzuentwickeln.“

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