Bufdi- und FSJ-Stellen
Nachfrage meist nur mäßig

Steinfurt -

Nordrhein-Westfalen ist das Bufdi-Land schlechthin: In keinem anderen Bundesland werden mehr Bundesfreiwilligendienste geleistet, das zeigen Zahlen des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben. In Steinfurt sieht es etwas anders aus.

Montag, 21.08.2017, 19:08 Uhr

Laut Bundesamt hält der Wachstumstrend zwar weiter an: Während im Juli 2016 8050 Leute einen Bundesfreiwilligendienst ableisteten, waren es vergangenen Monat schon 8233. Im Juli 2015 waren 7328 Bufdis am Start. Doch trotz der steigenden Zahlen haben manche Einrichtungen Schwierigkeiten, ihre Bufdi-Stellen zu besetzen. Zuletzt hatte die Stadtbücherei Steinfurt gemeldet, dass ihre Stelle noch frei sei und dringend besetzt werden müsse – aber danach sieht es aktuell nicht aus. „Leider suchen wir immer noch“, bedauert Stadtbücherei-Mitarbeiterin Cornelia Eissing . „Dieses Jahr haben wir sehr wenig Nachfragen, irgendwie hat es bis jetzt nicht gepasst. Vielen Interessenten ist der Zeitaufwand nicht bewusst, der Dienst ist immerhin ein Vollzeitjob.“

Ähnlich sieht es auf dem Denkmalpflege-Werkhof in Hollich aus. Von den Bufdi-Stellen sind aktuell nur zwei belegt, 15 weitere offen. „Wir haben uns auf Bufdi-Stellen mit Flüchtlingsbezug spezialisiert und deswegen extra einen Mitarbeiter aus dem Iran eingestellt, der mehrere arabische Sprachen und Dialekte spricht“, erzählt David Hildebrand vom Denkmalpflege-Werkhof. „Wir hatten auch schon acht Interessenten, aber alle haben abgesagt. Vielleicht, weil wir ein bisschen außerhalb liegen. Schon schade, aber wir freuen uns natürlich über alle Bewerbungen, auch von Interessierten ohne Flüchtlingsbezug.“

Andersherum geht es aber auch: das Interesse besteht, aber die Einrichtung hat keine zeitlichen Kapazitäten oder Arbeitsplätze frei. So ist das zum Beispiel beim HeinrichNeuyBauhaus-Museum, erklärt Verwalterin Hedwig Seegers. „Zeitlich ist das einfach nicht machbar, leider“, sagt sie. „Wir haben hier gerade sehr viel zu tun und bräuchten erst einmal ein Rundum-Konzept für unseren Bufdi, bevor wir jemanden einstellen könnten. Obwohl erst letztens wieder jemand nachgefragt hat.“ Etwas besser sieht die Situation in Steinfurt bei den FSJlern aus. Genau wie die Bufdis auch leisten sie einen Freiwilligendienst, die Rahmenbedingungen sind jedoch etwas anders.

„Generell ist die Nachfrage nicht so hoch, jetzt haben wir aber seit dem ersten August mal wieder zwei Stellen besetzt“, berichtet Marie-Luise Eifler vom Heinrich-Roleff-Haus. „Für viele Bewerber ist es nicht so einfach, weil sie mit dem Alter konfrontiert werden. Aber es ist schön, wenn wir FSJler da haben, weil sie richtig viel bei uns machen können. Vor allem bei der Freizeitgestaltung der Senioren.“

Einen neuen FSJler hat auch der Kindertreff „Die Kiste“, berichtet Leiterin Antonietta Kern. „Wir haben jedes Jahr eine Stelle, und die ist auch immer besetzt, seit es die Einrichtung gibt“, sagt sie. „Wir bekommen immer so um die drei Bewerbungen, auch gerne mal kurz vor knapp. Aber besetzt ist die FSJ-Stelle dann relativ schnell.“

Im Dietrich-Bonhoeffer-Haus ist die Nachfrage laut Einrichtungsleiter Felix Staffehl kontinuierlich. „Wir haben momentan drei Stellen besetzt. Die Freiwilligendienstler sind im sozialen Dienst und in der Pflege aktiv, und unsere angebotenen Stellen sind eigentlich auch regelmäßig vergeben.“ Gut läuft es bei Camphill in Sellen. In den Werkstätten absolvieren gerade vier junge Menschen ein FSJ, im Wohnheim sind zwei im Einsatz.

Außerdem zusätzlich drei, die ein Anerkennungspraktikum machen. „Sicherlich sind die Stellen auch so beliebt, weil viele junge Leute den Bereich der Anthroposophie sehr spannend finden und wir auch das FÖJ anbieten“, sagt Mitarbeiterin Britta Ulms. „Die hohe Nachfrage kommt zusätzlich durch Waldorfschulen zustande.“

Außerdem ziehe es Freiwillige aus der ganzen Welt her. „Bis jetzt haben unter anderem junge Menschen aus Japan, Sri Lanka, Mauritius, Kolumbien und Russland in Sellen gearbeitet“, so Ulms.

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