Kontrollen am BWS-Kreisel
„Dann zieh‘ ich Ihnen die Ohren lang“

Borghorst -

Katrin Weber und Kollege Bernhard Lefert können gar nicht so schnell freundlich verwarnen, wie die Geisterradler an ihnen vorbeirauschen. Kommissarin und Oberkommissar haben sich gerade je einen Pedalritter für ein Aufklärungsgespräch herangewunken, da zuckelt schon wieder eine ältere Dame mit ihrem Fahrrad, auf dem Gepäckträger den Einkauf aus dem BWS-Zentrum, vom Katharinenplatz über den Zebrastreifen Meerstraße in die Fußgängerzone. „Hallo, Sie da, bleiben Sie bitte mal stehen“, ruft die Polizistin der forschen Rentnerin noch hinterher. Die hat aber die Ohren auf Durchzug gestellt. Und entfleucht unermahnt in die Münsterstraße. Die Beamtin muss nach der ersten halben Stunde Kontrolle erkennen: „Die meisten Radfahrer sind sich gar nicht bewusst, dass sie hier etwas falsch machen.“

Dienstag, 26.09.2017, 23:09 Uhr

Katrin Weber muss am Kreisverkehr Meerstraße zahlreiche Radfahrer belehren. Heinz Lichter ist dankbar für den freundlichen Hinweis der Beamtin. Die Schilder „Geisterradler“ werden oft übersehen.
Katrin Weber muss am Kreisverkehr Meerstraße zahlreiche Radfahrer belehren. Heinz Lichter ist dankbar für den freundlichen Hinweis der Beamtin. Die Schilder „Geisterradler“ werden oft übersehen. Foto: Axel Roll

Genau darum steht die Ordnungshüterin mit ihrem Kollegen am Zebrastreifen. „Mir ist in zahlreichen Gesprächen aufgefallen, dass gerade die Radfahrer hier am Kreisverkehr nicht wissen, wie sie sich richtig verhalten müssen“, berichtet die Polizistin. Die Folge: „Im Jahr haben wir hier zwischen 15 und 20 Unfälle.“ Und wie Kollege Norbert Heeke von der Verkehrsdirektion weiß, war der Kreisel vor zwei Jahren schon einmal Unfallhäufungspunkt. Das heißt, dass dort innerhalb von zwölf Monaten wenigstens drei gleich geartete Unfälle passiert sind. „Darum haben wir damals die Schilder aufgestellt“, deutet Heeke auf die gefährdenden Geisterradler, die über den Köpfen der realen Pedaleure bildhaft ihr Unwesen treiben – und deswegen weitgehend unbeachtet bleiben. Und unverstanden. Der Polizeihauptkommissar weiß das. Darum hilft nur Aufklärung. Katrin Weber : „Wir werden die nächsten vier Wochen häufiger hier stehen und die Verkehrsteilnehmer ansprechen.“

Was die Radler, die vom BWS-Zentrum kommen und über den Zebrastreifen Richtung City rauschen, falsch machen, müssen Katrin Weber und Bernhard Lefert an diesem Morgen gefühlte 50 Mal erklären. Sie beradeln den Kreisverkehr gegen die Fahrtrichtung, sind also faktisch die auf den beiden nahezu unsichtbaren Schildern dargestellten Geisterradler. „Damit sind sie gerade für die Autofahrer oft erst im letzten Augenblick zu erkennen“, weiß Bernhard Lefert. Mit den bekannten und oftmals schmerzhaften (Unfall-)Folgen.

Der Aufklärungsbedarf ist offensichtlich groß. Mehrere Pedalritter zügeln von sich aus ihr Stahlross und fragen die Uniformierten, wie sie korrekt über die Meerstraße kommen. Bernhard Lefert: „Entweder schiebend über den Zebrastreifen oder rechts herum fahrend durch den Kreisverkehr.“ Wie groß die Verunsicherung ist, zeigt sich auch aus der anderen Richtung. Viele Vertreter der Zweirad-Fraktion, die aus der City Richtung Einkaufszentrum juckeln, sehen die Beamten mit ihrem Streifenwagen und springen vor dem Übergang hektisch vom Rad – obwohl sie weiterradeln dürften.

Rentner Heinz Lichter hat sich die Belehrung von Katrin Weber in Ruhe angehört. Zum Schluss will er wissen: „Und was passiert, wenn ich jetzt trotzdem falsch herum fahre?“ Die Beamtin lacht: „Dann ziehe ich Ihnen die Ohren lang.“

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