Gottesdienst in der Großen Kirche
„Höhepunkt des Reformationsfestes“

burgSteinfurt -

Der Strom der Gläubigen in die Große Kirche wollte am Dienstag nicht enden. Evangelische Christen der Kirchengemeinden Burgsteinfurt sowie Borghorst-Horstmar-Laer besuchten den Festgottesdienst zum „Reformationstag 2017“ und sorgten für ein volles Gotteshaus. Am 31. Oktober vor genau 500 Jahren begann mit dem Thesenanschlag Martin Luthers an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg eine neue Ära. Von diesem Tag an nahm die Reformation ihren Lauf.

Donnerstag, 02.11.2017, 15:11 Uhr

Die Evangelischen Kirchengemeinden Burgsteinfurt und Borghorst-Horstmar-Laer schlossen das Luther-Jahr am Reformationstag mit einem Festgottesdienst in der Großen Kirche. Die inhaltlich dichte Festpredigt hielt Wulf Schmiese (kl. Foto).
Die Evangelischen Kirchengemeinden Burgsteinfurt und Borghorst-Horstmar-Laer schlossen das Luther-Jahr am Reformationstag mit einem Festgottesdienst in der Großen Kirche. Die inhaltlich dichte Festpredigt hielt Wulf Schmiese (kl. Foto). Foto: nix

„Schaut man auf die große Resonanz, so ist dieser Gottesdienst zweifellos der Höhepunkt unseres Reformationsfestes in Steinfurt“, betonte Pfarrer Hans-Peter Marker. Gemeinsam mit seinem Amtskollegen Guido Meyer-Wirsching begrüßte er zum Festgottesdienst, in den sich der Evangelische Kirchenchor unter Leitung von Simone Schnaars und der CVJM-Posaunenchor mit Stefan Blaak am Dirigentenpult einbrachten.

Festredner war Dr. Wulf Schmiese. Als Journalist ist er stets am Puls der Zeit und leitet die Redaktion des ZDF-Heute-Journals. Der gebürtige Münsteraner wuchs in Steinfurt auf und ist der Sohn des ehemaligen Kreisdirektors Dr. Norbert Schmiese.

„Auf gewisse Weise sind wir Journalisten alle Lutheraner“, begann er seine Ansprache. Der Reformator prägte die deutsche Sprache in nachhaltiger Weise. Ausdrücke wie „Lockvogel“, „Lästermaul“, „Schandfleck“ oder „Buch mit sieben Siegeln“ gehen auf Luther zurück. Er befasste sich mit Bibelübersetzungen und betrachtete manch althergebrachte theologische Position kritisch. Luther schaute sich beispielsweise das griechische Wort für „Buße“ genauer an und stellte fest, dass es sich auch mit „Sinneswandel“ übersetzen ließ. Soll der Mensch anstelle ständig zu büßen nicht vielmehr sein Leben entsprechend ändern? Luther übersetzte die Bibel ins Deutsche, damit sie jeder verstehen konnte. „Auch wir Journalisten wollen Menschen teils schwierige Zusammenhänge transparent machen“, so Schmiese.

Ein interessanter und häufig weniger beachteter Aspekt ist der Einfluss lutherischer Thesen auf die Finanzpolitik. „Er ahnte nicht, dass er das Weltfinanzsystem mit seiner Ablasskritik angriff“, erläuterte Schmiese. Um dem Fegefeuer zu entkommen, zahlten die Menschen gern und viel Geld. Obschon der Ablasshandel eigentlich „Mummenschanz“ war, konnte mit dem auf diese Weise erwirtschafteten Geld das moderne Bankwesen begründet werden. Nicht nur die Kirchenoberen, auch weltliche Herrscher bekamen ihren Teil der Summen ab. Somit sorgte Luthers Neuorientierung nicht nur für theologische, sondern auch für finanzpolitische Auseinandersetzungen.

Als Lieblings-Bibelstelle des Reformators stellte der Journalist den „Psalm 118“ heraus: „Alle Heiden umgeben mich, aber im Namen des Herrn will ich sie zerhauen“. Obschon eine ganze Menschheit gegen ihn war, hielt er den Konflikt auf Grund seines Glaubens aus. Luther akzeptierte keine Instanz zwischen sich und Gott wie etwa Geistliche, die die Beichte abnahmen.

Der Festgottesdienst endete mit einem Kirchcafé und der Gelegenheit, mit dem Historiker und Fernsehjournalisten ins Gespräch zu kommen.

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