Überragend
Sichere Landung im Bagno

Burgsteinfurt -

Mitglieder des American String Quartets begeisterten am Samstagabend mit ihrem Auftritt in der Bagno-Konzertgalerie.

Sonntag, 12.11.2017, 17:11 Uhr

Das American String Quartets überzeugte in der Bagno-Konzertgalerie mit einer grandiosen Vorstellung
Das American String Quartets überzeugte in der Bagno-Konzertgalerie mit einer grandiosen Vorstellung Foto: Martin Fahlbusch

Beim ersten Satz aus Joseph Haydns Streichquartett G-Dur, op. 76 I waren die Mitglieder des American String Quartets am Samstagabend in der Bagno-Konzertgalerie sozusagen noch im Landeanflug. Kaum 24 Stunden vorher hatte Dr. Mattias Schröder , der Künstlerische Leiter des Bagno-Konzertprogramms, die Musiker zum Beginn ihrer aktuellen Europatournee vom Frankfurter Flughafen abgeholt und in dem malerischen Konzertsaal im Steinfurter Wald abgesetzt. So geriet das „Allegro spirito“ auch noch recht forsch und ein wenig zackig.

Aber schon bei dem anschließenden „Adagio sostenuto“ waren Peter Winograd (1. Violine), Laurie Carney (2. Violine), Wolfram Koessel (Violoncello) und Daniel Avshalomov (Viola) endgültig und sicher gelandet. Derart klangschön, nein besser klangschwelgerisch und trotzdem präzise sowie bewegend hat man diesen Haydn-Satz sicher kaum gehört.

Auch die Sitzordnung, in der der deutschstämmige Cellist, die Violinen von der Viola separiert, kommt der Durchsichtigkeit und Durchhörbarkeit dieses exzellenten Zusammenspiels der vier Musiker bestechend zugute. Wiewohl gerade in diesem Adagio der Dialog zwischen der 1. Violine und dem Cello ein bestimmendes Strukturelement ist, auf das die anderen Instrumente nach und nach eingehen. Und nachgerade überwältigend, wie das „Quartet“ diesen Satz ausklingen ließ. Da verschwanden die letzten Töne fast unmerklich und die Akustik der Bagnogalerie machte sie dennoch noch erlebbar.

Als deutsche Erstaufführung hatten die Künstler dann die Noten von George Tsontakis zweisätzigem Streichquartett „Maverick“ mitgebracht. Die Musiker des 1974 gegründeten Quartetts haben mit dem griechischen Komponisten an der Juilliard School in New York studiert und sind ihm künstlerisch stets verbunden geblieben und erarbeiten mit ihm gemeinsam auch seine Kompositionen. Das ließ die Musiker sicher eher als die Zuhörer näher an den flächigen und schwirrenden Klangkonstrukten sein. Beachtlich, wie das hoch konzentrierte Quartett die teilweise widersprüchlich daherkommende Satzbezeichnung „Fließend, aber innerlich rhythmisch (Flowing but inwardly rhythmic)“ feinnervig entfaltete. Um diese zeitgenössische Komposition mit ihren auch technisch vielfältigen Anforderungen besser erfassen zu können, hätte man sich so etwas wie eine „Wiederholungstaste“ am Samstagabend gewünscht.

So wie drei amerikanischen Musiker mit ihrem in der Nähe von Freiburg geborenen Cellisten dann Antonin Dvořáks Streichquartett in F-Dur atemraubend zelebrierten, war eigentlich keine Nachfrage nötig. Das routiniertes Spiel genau das Gegenteil von eingefahren oder gar langweilig sein kann, dafür servierte das American String Quartet auch noch einmal in den Zugaben mit der Cavatina aus Beethoven Streichquartett op. 130 und einer jetzt total losgelösten Wiederholung des „Allegro spirito“ aus dem Haydn Streichquartett vom Beginn des Programms den überzeugenden Beweis.

Ein phänomenaler Konzertabend wurde vom Publikum im ausverkauften Saal mit ebensolchem Applaus gewürdigt.

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