Marvin Woltering wird Verkehrspilot
Fliegen ist sein Leben

Borghorst/Ochtrup -

Es ist sein Kindheitstraum, der nun Realität wird. Seit er 13 Jahre alt ist, weiß Marvin Woltering, dass er Pilot werden möchte. Die Aufnahmeprüfung an der Flugschule der Lufthansa bestand er bereits vor zwei Jahren. Dann war aufgrund eines Ausbildungsstopps warten angesagt. Seit diesem Sommer nun wird Woltering an der European Flight Academy zum Verkehrspiloten ausgebildet.

Freitag, 08.12.2017, 17:12 Uhr

Im Cockpit fühlt er sich wohl: Marvin Woltering lässt sich in Bremen zum Verkehrspiloten ausbilden.
Im Cockpit fühlt er sich wohl: Marvin Woltering lässt sich in Bremen zum Verkehrspiloten ausbilden. Foto: privat

Mit dem Fliegervirus infiziert hat er sich schon als kleines Kind. Seit Vater Karsten 2002 mit dem Segelflug bei der LSG Steinfurt begann, begleitete ihn Sohn Marvin Woltering . Mit 13 Jahren durfte der Junior dann endlich selbst das Steuer im Cockpit in der Hand halten. Neun Jahre und drei Teilnahmen an Segelkunstflug-Weltmeisterschaften später wird der gebürtige Ochtruper in der European Flight Academy in Bremen zum Verkehrspiloten ausgebildet.

Es ist der klassische Fall von „ein Hobby zum Beruf machen“. Dass Woltering nicht nur seine Freizeit, sondern auch sein Berufsleben dem Fliegen widmen will, wusste er bereits als 13-Jähriger: „Das ist mein Kindheitstraum.“ Der wird nun Realität. Seit September ist Woltering an der Flugschule der Lufthansa in Bremen.

Während er 2014 für sein Abi paukte, bereitete er sich gleichzeitig auf eine andere wichtige Prüfung vor: den ersten Aufnahmetest der Flugschule. Erst im Frühjahr 2015, nach einem zweiten Test sowie einer medizinischen Eignungsprüfung, stand schließlich fest, dass der Ochtruper einen Schulungsplatz bekommt.

Doch bis er mit der Ausbildung beginnen konnte, vergingen Jahre. Der heute 22-Jährige wurde von Ereignissen ausgebremst, auf die er keinen Einfluss hatte. Die Lufthansa hatte einen Ausbildungsstopp ausgerufen – eine Entscheidung, die auch Woltering betraf. Zwei Jahre lang blickte er mal mit größeren, mal mit kleineren Sorgenfalten auf die Nachrichten von streikenden Piloten und Kabinenpersonal, den Wirbel in der Flugbranche und die Schwankungen der Aktienkurse. Zwei bis vier Jahre hatte er angepeilt, in dieser Lauerstellung zu verharren. „Ich hätte aber auch länger gewartet“, war Woltering nicht bereit, seinen Traum so schnell aufzugeben. Immer mit dem Wissen: „Es lohnt sich.“

Die Zwischenzeit überbrückte der Ochtruper mit Nebenjobs. Die Lust aufs Fliegen stillte er mit dem Absolvieren des Motorflug- und Ultraleichtflugscheins. Und natürlich mit dem Kunstflug. Seit Oktober 2014 gehört der angehende Verkehrspilot dem Nationalmannschaftskader an, bekam dadurch auch Förderung vom Landesverband. In den vergangenen drei Jahren nahm der für die LSG Steinfurt startende 22-Jährige jeweils an der Segelkunstflug-Weltmeisterschaft teil, zuletzt Ende Juli in Polen.

Seit Beginn der Ausbildung im September ist aber erst mal Theorie statt Praxis angesagt. Woltering musste nach Bremen ziehen. Nur noch an Wochenenden und auch nicht an allen kommt er zurück nach Ochtrup – und kann Abstecher zum Flugplatz Borghorst-Füchten machen, um in der Luft seine Runden zu drehen. In Bremen hingegen stehen in der ersten Theoriephase der insgesamt 26 Monate dauernden Ausbildung die Grundlagen des Fliegens auf dem Lehrplan.

Bis 14.15 Uhr sitzen die zwölf jungen Männer und drei Frauen in Wolterings Kurs gemeinsam in der Schule. „Danach bleiben wir häufig noch und lernen bis 19 oder 20 Uhr“, sagt der Ochtruper. Auch samstags und sonntags nutzt der Flugzeugverrückte nicht selten den Morgen, um zu lernen. Dabei sei er früher gar nicht so ein fleißiger Schüler gewesen. „Aber wenn man hier ist, kommen Anspruch und Lernmotivation von ganz allein. Mein Leben spielt sich momentan in der Schule ab.“

Und weniger im Flugzeug. Das schmerzt. „Ich vermisse das Fliegen total. Ich war seit drei Monaten nicht mehr in der Luft. Das tut weh“, freut sich Woltering schon auf den nächsten Abstecher zum Flugplatz. Genauso wie auf den März. Dann geht es für fünfeinhalb Monate ins amerikanische Phoenix (Arizona) zum ersten Praxisteil der Ausbildung. Die Schüler lernen in der Zeit das Fliegen auf einmotorigen Flugzeugen. Anschließend steht in Bremen der zweite Theorieteil an, ehe es danach zum zweiten Praxisteil und dem Lernen auf mehrmotorigen Flugzeugen geht.

Einen Plan B zum Fliegen gab es für Woltering nicht wirklich – ohne scheint es bei ihm nicht zu gehen. Alternative Nummer eins wäre die Ausbildung an einer anderen Flugschule gewesen. Ansonsten tendierte er zu einem Studium der Luft- und Raumfahrtechnik oder einer Ausbildung zum Fluggerätemechaniker. „Das Fliegen ist in unserer Familie allgegenwärtig“, sagt der 22-Jährige auch mit Verweis auf seinen Vater. Und egal, was er zu dem Zeitpunkt gemacht hätte, sobald die Zusage zum Ausbildungsbeginn an der European Flight Academy gekommen wäre, wäre für Woltering klar gewesen: „Ich hätte alles andere sofort abgebrochen.“

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