Filmkritik
Wenn der Tod zum Lachen ist

Der mexikanische Feiertag „Dia de los Muertos“ (Tag der Toten) ist mittlerweile auch in Deutschland nicht mehr unbekannt. Die Familie trifft sich und gedenkt der Toten. Trotzdem ist der „Dia de los Muertos“ kein trauriges Fest: Für mehrere Tage wird das Haus bunt geschmückt und die Erinnerungen an die Verstorbenen gefeiert. Diese Tradition bildet das Setting für den neuen Disney/Pixar-Film „Coco – Lebendiger als das Leben“, der am 30. November in den deutschen Kinos angelaufen ist.

Donnerstag, 21.12.2017, 14:12 Uhr

„Coco“ thematisiert zwar den Tod, aber das auf eine respektvolle und doch lustige Weise.
„Coco“ thematisiert zwar den Tod, aber das auf eine respektvolle und doch lustige Weise. Foto: dpa

„Coco“ erzählt die Geschichte des jungen Miguel Rivera , der fest an seinen Traum glaubt, ein großer Musiker zu werden. Sein größtes Vorbild: Ernesto de la Cruz, der „größte Musiker aller Zeiten“, der auch noch Jahre nach seinem Tod von allen Mexikanern geliebt wird. Oder zumindest von fast allen, denn Miguels Familie hasst Musik, seitdem Miguels Ur-Ur-Großmutter von einem Musiker verlassen wurde. Für seine Familie kommt es gar nicht in Frage, dass Miguel eine Gitarre in die Hand nehmen könnte. Also bricht Miguel am Tag der Toten in das Grab des berühmten Musikers ein, um dessen Gitarre zu klauen und findet sich auf einmal in der Welt der Toten wieder.

Sieben Jahre hat es gedauert, bis „Coco“ fertiggestellt war, einer der längsten Produktionszeiträume eines Pixar-Films. Doch das Warten hat sich gelohnt: „Coco“ ist ein wahrer Bilderrausch geworden. Das beginnt schon im Dorf der Riveras: Der Talentwettbewerb auf dem Dorfplatz, die Hütte der Riveras, alles ist bunt, fröhlich, laut. Richtig ausgetobt haben sich Pixars Animatoren aber erst in der Welt der Toten: Diese ist natürlich nicht düster und traurig, sondern genauso bunt wie die Dekorationen zum Tag der Toten. Bunte „Alebrijes“ (mexikanische Fabelwesen) fliegen durch die Lüfte, und die Detailverliebtheit übertrumpft sogar Disneys „Zoomania“. Auch der Soundtrack von Michael Giaccino überzeugt. Ohrwürmer gibt es zuhauf.

Natürlich muss es in einem Pixar-Film emotionale Momente geben. Regisseur Lee Unkrich (Toy Story 3) hat es zwar geschafft, einen fröhlichen Film über den Tod zu machen, aber auch nach dem Übergang in die andere Welt gibt es noch große Sorgen: Hector hat Angst, von den Lebenden vergessen zu werden. Schon seit Jahren steht kein Foto von ihm auf der Ofrenda (Tisch, auf dem Bilder der Verstorbenen zum Tag der Toten aufgestellt werden). Und wer vergessen wird, der löst sich auf. Spätestens am Schluss werden die Taschentücher gebraucht.

Leider ist das Drehbuch insgesamt wenig innovativ und setzt auf viele erprobte Handlungsmuster, die bei Disney- und Pixarfilmen Standard geworden sind. Trotzdem ist „Coco“ ein Film für die ganze Familie: Wunderschön anzusehen, vor tollen Charakteren strotzend und mit großem Respekt vor der mexikanischen Kultur wunderbar inszeniert.

Jonas Timmerhues

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