Wohnung und Arbeitsplatz in einem
Einfach mal runterfahren

Burgsteinfurt -

André Just ist Camper durch und durch. Deshalb verbringt er sogar die Weihnachtstage in seinem Wohnmobil – auf dem Stellplatz an der Liedekerker Straße.

Freitag, 22.12.2017, 15:12 Uhr

Weihnachten auf dem Wohnmobilstellplatz: Was andere eher bedauern würden, ist für André Just eine gar nicht mal so schlechte Alternative zum üblichen Familienfest.
Weihnachten auf dem Wohnmobilstellplatz: Was andere eher bedauern würden, ist für André Just eine gar nicht mal so schlechte Alternative zum üblichen Familienfest. Foto: nix

Weihnachtsabend, Bratenduft zieht durch das ganze Haus, unter dem Weihnachtsbaum türmen sich die Geschenke und die ganze Familie ist munter beisammen. Ein Klischee, das im 21. Jahrhundert nicht mehr passt? Wer weiß – doch es gibt auf jeden Fall Alternativen, dieses Fest zu feiern.

André Just aus Ratingen steht jetzt mit seinem Wohnmobil auf dem Stellplatz an der Liedekerker Straße, direkt neben der Polizeistation. Hier finden Campingfreunde eine Möglichkeit, ihre vierrädrigen „Appartements“ zu parken. Just verbringt an dieser Stelle die Weihnachtsfeiertage – in seinem Wohnmobil. „Sweet Garage“ steht auf der Fahrertür. Eine der Gründe, die ihn gerade jetzt nach Burgsteinfurt führen ist, dass keine Stellplatz-Gebühren zu zahlen sind. „Das ist in Deutschland keineswegs mehr selbstverständlich“, sagt er. Und da ist natürlich auch noch die schöne Stadt.

Der Ratinger ist nicht zum ersten Mal hier, denn das Mobil ist auch sein Arbeitsplatz. „Ich bin angestellter Techniker, der vom Laptop aus Telefonanlagen einrichtet, wartet oder repariert“, erklärt er. „Da brauche ich außer dem Rechner nur einen WLAN-Zugang.“ Weil er gern reist, ist er oft unterwegs. . .

Ob es einen Weihnachtsbaum gibt? Nein, den brauche er nicht. Die Eltern werden vorher noch besucht, den Heiligen Abend verbringt er wieder in seinem komfortabel eingerichteten Fahrzeug. Besuch von Freunden gibt’s natürlich auch. „Hier habe ich alles was ich brauche“, betont Just, „Wasser, Dusche, Herdplatten, Sat-Anlage, im Sommer stelle ich draußen meinen Grill auf.“ Seit vier Jahren besitzt der Techniker das Mobil, doch ein Faible fürs Campen hatte er schon immer. Früher zeltete er gerne.

Das mobile Eigenheim ist energietechnisch autark. Eine 240-Watt-Solaranlage auf dem Dach sorgt zumindest im Sommer für ausreichend Strom.

Begleiter ist sein Jack Russel-Terrier, den er aus dem Tierheim holte. Fremde sollten sich von dem mobilen Domizil allerdings fernhalten, denn der Vierbeiner ist temperamentvoll und zeigt deutlich, wenn ihm etwas nicht passt. Auch wenn Herrchen mit Fremden plaudert, gefällt ihm das nicht wirklich.

Wie sich der Reisende die Zeit des Weihnachtsfestes vertreibt, wenn der Anhang zu Hause geblieben ist? Just sieht das ganz entspannt. „Ich bastle hier und da mal am Wohnmobil, schaue fern und gehe mit dem Hund spazieren“, sagt er. Wichtig ist ihm, einfach mal runterzufahren, der eigene Herr zu sein. Bei Bedarf sei es auch einfach, Kontakte zu knüpfen. Wer als Wohnmobilist unterwegs ist, gehöre eben zur Familie.

Sobald ein neues Fahrzeug auf den Platz fährt, werden die Insassen begrüßt, man plaudert und hilft sich. „Neulich habe ich mich versehentlich ausgesperrt, sofort waren einige Helfer da und wir fanden gemeinsam eine Lösung“, beschreibt der Camper die besondere Hilfsbereitschaft. „Freiheit und Abenteuer“ bedeute das Reisen eigentlich nicht. „Abenteuerlich wird es höchstens, wenn während der Fahrt mal ein Reifen platzt“, sagt der Ratinger. Ähnliches ist schon passiert, und seither misst ein Sensor ständig den Luftdruck. Für Just bedeutet Freiheit, „Einfach mal weg“ zu sein.

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