Kulturfrauenfrühstück
Für Frauenrechte einsetzen

Steinfurt -

Braucht es 117 Jahre nach Gründung des Internationalen Frauentags noch ein Frauenkulturfrühstück? Anni Lütke Brinkhaus beantwortet die Frage mit „Ja“. Die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises fordert, dass sich alle Männer und Frauen für die Rechte von Frauen einsetzen.

Montag, 19.02.2018, 12:02 Uhr

Lediglich zwei Quotenmänner waren beim 22. Frauenkulturfrühstück anwesend.
Lediglich zwei Quotenmänner waren beim 22. Frauenkulturfrühstück anwesend. Foto: Claudia Mertins

Weiblich, 22 Jahre jung, bodenständig, humorvoll, politisch und kulturell versiert, bietet grandioses Frühstücksbuffet. So könnte eine Kurzbeschreibung des 22. Frauenkulturfrühstücks lauten, zu dem am Sonntag der „Arbeitskreis Frauen in Steinfurt“ eingeladen hatte und das aus den oben genannten guten Gründen ruckzuck ausverkauft war.

Anni Lütke Brinkhaus, die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises, begrüßte die anwesenden Frauen und zwei Quotenmänner. Sie erläuterte, warum das Frauenkulturfrühstück, das sich an den Internationalen Frauentag am 8. März anlehnt, auch 2018, also 117 Jahre nach Gründung des Frauentags, noch notwendig ist. Durch die „Metoo“-Debatte ist die Diskriminierung und Belästigung von Frauen wieder in den öffentlichen Fokus gerückt. Die Zahlen von Übergriffen auf Frauen sind immer noch erschreckend hoch: Jede dritte Frau wird im Laufe ihres Lebens Opfer einer Gewalttat, jede vierte Frau erfährt diese Gewalt in der Partnerschaft.

Rechte der Frauen auf faktische Gleichstellung und die Wahrung ihrer Würde durch einen respektvollen Umgang seien Werte, für die sich alle Frauen und Männer einsetzen sollten. Gerade in Zeiten antidemokratischer Strömungen, so Lütke Brinkhaus‘ dringlicher Appell. „Die Notwendigkeit von Gleichstellungspolitik wird heute immer wieder hinterfragt“, sagte die Gleichstellungsbeauftragte. „Vielen jungen Menschen ist nicht bewusst, wie die Situation der Frauen noch Mitte des 20. Jahrhunderts war.“

Der anschließende Fachvortrag von Frau Fischediek, Leiterin des Frauenhauses Rheine, ermöglichte einen Einblick in die Notsituationen vieler Frauen auch im Kreis Steinfurt. Das Frauenhaus, das dieses Jahr sein 30-jähriges Bestehen gefeiert hat, ist ein „Sicherheitshaus“. Panzerglas, Fenstergitter, Stahltüren und ein GPS-Blocker sind nötig.

Das Haus bietet auf 360 Quadratmetern Platz für acht Frauen, die sich ein Zimmer mit ihren Kindern teilen. Die Auslastung ist unterschiedlich, der Aufenthaltszeitraum liegt zwischen einem Tag und einem Jahr. In den 30 Jahren des Bestehens haben etwa 3500 Frauen mit 5000 Kindern Zuflucht in dem Haus gefunden. Die Hälfte der Frauen kehrt wieder in ihre alte Familiensituation zurück, viele kommen später erneut in die Notunterkunft.

Auch wenn diese Zahlen und Schicksale für die Anwesenden schwer verdaulich waren, die Stärkung an dem exzellenten Frühstücksbuffet tat gut. Die Pause wurde für das weibliche Netzwerken genutzt.

Powerfrau Sabine Hollefeld nahm dann weibliche Rollenbilder aufs kabarettistische Korn: Für die Frauen-Generation 50 plus war die alle Konventionen über Bord werfende „Pippi Langstrumpf“ von Astrid Lindgren ein unschätzbarer Segen als Identifikationsmodell. Aber auch Clementine, die ihre Wäsche nicht nur sauber, sondern rein wäscht, setzte der bieder-adretten Hausfrauchen-Rolle einiges entgegen, war sie doch berufstätige Klempnerin in Latzhosen. Dann nahm Sabine Hollefeld die amüsierten Gäste mit in den Partykeller ihrer frühen Jugend, wo die Jungs in gute Küsser, Beißer oder Lüller eingeteilt wurden. Da konnten die Mädels beim Flaschendrehen mit der Kellergeister-Pulle nur hoffen, den richtigen zu erwischen.

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