Abbruch der Websäle beginnt Montag
Bagger arbeiten Tag und Nacht

Borghorst -

Puuh, die Anwohner der Websäle sind ganz schön geladen. Die seit Jahren andauernde Sperrung der Arnold-Kock-Straße, Ratten, der Vandalismus auf dem alten Fabrikgelände, Dreck, Staub und die täglichen Sirenenalarme, wenn sich wieder Jugendliche in den einsturzgefährdeten Ruinen herumtreiben, haben die Toleranzgrenze der Nachbarn dramatisch sinken lassen. Und jetzt das noch: Ab kommenden Montag wird abgebrochen.

Montag, 19.03.2018, 18:03 Uhr

Ein Großteil der Websäle wird ab Montag abgerissen. Die Arbeiten sollen in fünf Wochen vollendet sein.
Ein Großteil der Websäle wird ab Montag abgerissen. Die Arbeiten sollen in fünf Wochen vollendet sein. Foto: Linda Braunschweig

Nicht alles, aber zum Großteil, wie Wolfgang Spille als zuständiger Fachdienstleiter Tiefbau am Montagabend bei einer Bürgerinformation im Rathaus erläuterte. Fünf Wochen lang, so die Planungen, müssen die Betroffenen dann Baggerlärm und Staub ertragen. Tag und Nacht.

Denn die alten Websäle hat sich die äußerst seltene Mopsfledermaus als Schlafzimmer ausgesucht. Die geschickten Flieger machen bekanntermaßen die Nacht zum Tage. Im Schutz der Dunkelheit jagen sie nach kleinen Schmetterlingen, ihre Leibspeise, und anderem fliegenden Getier. Eine Stunde nach Sonnenuntergang machen sich die Mopsfledermäuse startklar, wie Experte Axel Donning, den Anliegern erläuterte. Dann ist Zeit für die Abbruchbagger.

Diese per Bundesnaturschutzgesetz verordnete Schutzmaßnahme stieß bei den Anliegern nur bedingt auf Verständnis. „Wer ist wichtiger? Die Fledermaus oder ich?“, fragte ein Nachbar, der um seine Nachtruhe bangt. Schließlich müsse er tagsüber arbeiten. Fachmann Axel Donning warb für Verständnis. Die Mopsfledermaus zähle zu den bedrohtesten Arten überhaupt. Nur rund 200 Tiere leben rund um Steinfurt. Das sei so ziemlich die einzige Population in ganz NRW. Donning wörtlich: „Für Sie als Anlieger ist die Störung temporär, für die Fledermäuse tödlich.“ Außerdem, so Wolfgang Spille, habe die Stadt keine Alternative. Sie müsse sich an die gesetzlichen Vorgaben halten.

Damit der Einschränkungen aber nicht genug, wie Spille erläuterte: Die Arnold Kock-Straße, die jetzt schon seit vielen Monaten um das baufällige Verwaltungsgebäude herum gesperrt ist, wird an bestimmten Tagen auch direkt ab Rubensstraße abgebunden. Grund: Auch die bis zu sieben Meter hohen Websaal-Wände müssen fallen. „Die Gefahr, dass dann was auf die Straße fällt, ist viel zu groß“, so der Fachdienstleiter. Für diese Tage wird nach einer Umgehung durch das Websaal-III-Quartier gesucht.

Da die Stadt kein Eigentümer des Geländes ist, darf sie auch nur die Gebäude abreißen, die akut einsturzgefährdet sind. Drei kleine bleiben deshalb stehen. Frage eines Anwohners: „Und dann geht irgendwann das Theater von vorne los?“ Wolfgang Spille konnte nur zustimmend nicken. Der Bauschutt bleibt zum Großteil auf dem Areal liegen. Allerdings sauber sortiert. Belastetes Baumaterial werde natürlich sofort abgefahren.

Von der erwarteten Staubfahne wird das Krankenhaus eine Menge abbekommen. Es liegt genau in Windrichtung. Um diese Belastung in Grenzen zu halten, waren die Stadtwerke schon vor Ort und haben alle Hydranten geprüft. Wenn die Bagger ihr zerstörerisches Werk verrichten, soll Wasser aus Schläuchen den Staub binden.

Mehrfach musste der Fachdienstleiter die Frage beantworten, ob der Abbruch tatsächlich Ende April über die Bühne gegangen ist. Lakonische Antwort eines Anliegers: „Sie haben die Jahreszahl wohl bewusst nicht genannt.“

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