Bagno-Konzert mit Werken aus dem 18. Jahrhundert
Spieltechnische Extraklasse

Burgsteinfurt -

Da wurde man an diese legendären Rechtsaußen im Fußball erinnert, die ihre Gegner auf einer Briefmarke schwindelig spielten. Just diesen Eindruck hatten nicht wenige Zuhörer am Freitag in der Bagno-Konzertgalerie, als sie dem Mandoline-Spiel von Daniel Ahlert lauschten.

Montag, 16.04.2018, 11:04 Uhr

Ein überzeugendes Programm mit Mandolinen-, Lauten- und Cembalomusik gestalteten die Musiker in der Bagno-Konzertgalerie.
Ein überzeugendes Programm mit Mandolinen-, Lauten- und Cembalomusik gestalteten die Musiker in der Bagno-Konzertgalerie. Foto: Martin Fahlbusch

Auf seinem Griffbrett stand ihm eigentlich nicht viel mehr Platz zur Verfügung als auf der erwähnten Briefmarke.

Der Rest des Instruments besteht halt aus Klangkorpus, Wirbelmechanik und wohlgemerkt sechs Saiten in doppelter Ausführung. Und die ließ er mit Werken von Komponisten aus dem 18. Jahrhundert erstrahlen. Seiner Fingertechnik und vor allen Dingen seiner Spielfreude standen Birgit Schwab (Erzlaute, Barock-laute) und Léon Berben am feinen doppelchörigen Cembalo in nichts nach. Diese Instrumentenkombination und die außerordentlichen Fähigkeiten der Saiten-Künstler passten ungemein stimmig in diesen besonderen Steinfurter Konzertsaal.

Nun sind John Stanley, Pietro Morandi oder Carlo Arrigoni nicht unbedingt barocke Komponisten, die in aller Munde sind, die aber im Original oder in Einrichtungen genau das Notenmaterial schufen, mit dem die Drei bestens zu überzeugen wussten. Durch die Spielkunst und die Gestaltung der Ausführenden wurden die vorgestellten Werke zu besonderen Hörerlebnissen.

Klug gewählt war im ersten Programmteil als unbedingtes musikalisches Schwergewicht die „Fantasia Chromatica und Fuge d-moll (BWV 933)“ von Johann Sebastian Bach, die Léon Berben nicht nur mit Leichtigkeit beherrschte, sondern vor allem in der Fuge nicht nur Struktur herausarbeitete, sondern auch tiefes Verständnis demonstrierte. Wie ähnlich und doch eigenständig in gewissen Klangpassagen Mandoline und Cembalo sich wunderbar ergänzen können, entdeckte man in der davor erklingenden Sonate von Pietro Morandi.

Nach der Pause tauschte Birgit Schwab die Erzlaute mit den langen Bass-Saiten am ausgestellten Lautenhals mit einer 23-saitigen Barocklaute, die auch vier fest zu stimmende Bass-Saiten besitzt. Die Lautistin präsentierte eine technisch versierte und gestalterisch interessante Darstellung einer Suite in g-moll von Sylvius Leopold Weiss für Laute solo, um dann samt Barocklaute als ebenbürtige Partnerin mit der von Daniel Ahlert gespielten Mandoline in ein musikalisches Zwiegespräch zu treten. Bei Michel Corettes Sonate für Mandoline überraschte Daniel Ahlert mit einer historischen, viersaitigen und ebenfalls doppelchörigen Mandoline.

Die drei Künstler hatten nicht nur ein vielschichtiges Programm empfindsam zusammengestellt, sondern trugen die ganz unterschiedlichen „Perlen“ in unterschiedlichen Besetzungen phänomenal vor. Und all das nie mit übertriebenem Gestus, sondern kenntnisreich, spieltechnisch atemraubend und überzeugend mit dem Spielort synchronisiert.

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