Münsterland-Gruppe der US-amerikanischen Autofans startet ihre Saison in Borghorst
Hinten Kisten Bier, vorne 14 Halbe

Borghorst/Ochtrup/Dorsten -

Klack. Nach einem kurzen Schlüsseldreh springt die Esstisch-große Kofferraumklappe nach oben. Darunter – für deutsche Kleinwagenverhältnisse – unendliche Weiten, ausgeschlagen mit grauem Nadelfilz. „Ja, da passen wohl einige Kisten Bier rein“, grinst Marcel Färber. Wie viel genau, das hat er noch nicht ausprobiert. Heute verliert sich in der Riesenwanne auch nur ein Poliertuch – um das zweifarbig lackierte Schmuckstück in den Pausen noch ein bisschen nachzuwienern.

Montag, 30.04.2018, 14:04 Uhr

Marcel Färber und sein 65er Oldsmobile 98. Der Straßenkreuzer ist bedeutend älter als sein Besitzer. Läuft aber. Der Technische Berater liebt das Cruisen durchs Münsterland mit seinem 5,80-Meter-Langschiff.
Marcel Färber und sein 65er Oldsmobile 98. Der Straßenkreuzer ist bedeutend älter als sein Besitzer. Läuft aber. Der Technische Berater liebt das Cruisen durchs Münsterland mit seinem 5,80-Meter-Langschiff. Foto: Axel Roll

Obwohl glänzen kann der 38-jährige Technische Berater mit blitzendem Lack in dieser illustren Runde nicht. Da ist einer wie der andere. Aber bei diesem Saisonauftakt der US-Cars Münsterland ist der Münsteraner einer der wenigen, die einen richtigen Oldtimer an den Start auf dem Borghorster BWS-Parkplatz gerollt haben.

Natascha Meinel hat für die blechernen Strahlemänner, meist auf Reifen der Marke Extrabreit, im Augenblick kein Auge. Die Ochtruperin hat die Ausfahrt bis ins 75 Kilometer entfernte Dorsten mitorganisiert und läuft aufgeregt mit einer roten Pappmappe zwischen den Autofans hin und her, um die Teilnehmer sauber auf ihrer Liste abzuhaken. „Natascha, Du siehst aus wie eine Lehrerin. Verteilst Du hier die Noten?“, frotzelt ein Kollege. Die 50-jährige Büroangestellte schiebt die Sonnenbrille lässig nach oben und kneift ihm lachend ein Auge zu.

Saisoneröffnung US-Cars Münsterland

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9 Uhr. „Gentlemen, please start your engines.“ Ein kurzer Donnerhall, die Luft vibriert. Acht Zylinder unter der Motorhaube sind hier die Regel. Auch bei Marcel Färber . Sein Oldsmobile 98 aus dem Jahr 1965 hat, um bei der Einheit Bier zu bleiben, einen 14 Halbe fassenden V-Motor im Frontabteil eingebaut. Trotzdem ist dort bei einer Gesamtlänge von 5,80 Meter noch Platz. „Da passt ja noch einer rein“, staunt einer der vielen Schaulustigen über den verschwenderischen Umgang mit Raum.

Der neue Ford Mustang und der Muscle-Car-Kollege von Dodge, Modellname Charger, stellen an diesem Morgen die Mehrzahl der Dicke-Backen-Karossen. Marcel Färber ist auch über die Mustangwelle in die Szene gespült worden. „Dann habe ich mir im November aber den 98 gekauft. Mit so einem Oldtimer kannst Du noch lässiger cruisen. Außerdem fährt den nicht jeder“, hat der Münsteraner den Schwenk von Neu auf Alt nicht bereut. Obwohl sein Modell aus Texas weder Heizung noch Klimaanlage hat. Und wie viel das 360-PS-Langschiff auf der Uhr hat, kann er nicht mal erahnen. „Auf dem Tacho stehen 86 000 Meilen. Keiner weiß aber, das wievielte Mal.“

Die Gruppe US-Cars Münsterland gibt es jetzt vier Jahre. „Wir sind nur ein lockerer Zusammenschluss und kein fester Verein“, betont Natascha Meinel. Am letzten Sonntag im Monat findet ein Treffen am TÜV in Münster statt, pro Saison zwei, drei Ausfahrten, reger Austausch über die Facebook-Seite. Das war‘s. Natascha Meinel: „Wer kommt, der kommt.“ 300 Fans haben sich in der Online-Gruppe registriert. Und beileibe nicht alle aus dem Münsterland. So blubbern an diesem Morgen Freunde aus Köln und Bad Bentheim mit.

Die Ochtruperin mag am liebsten die PS-Ungetüme aus den 60er und 70er Jahren. Ursprünglich fuhr Natascha Meinel mal Motorrad. Der Film „American Graffiti“ vor „gefühlten 1000 Jahren“ markierte dann den Wechsel von zwei auf vier Rädern. Die 50-Jährige fährt im Augenblick wie Marcel Färber einen Oldsmobile, allerdings bedeutend jünger. Ihr Traum: eine Chevrolet Corvette.

Für Natascha Meinel und ihre Mitstreiter machen nicht nur die unterschiedlichen Autogeschmäcker den Reiz der Gruppe aus. „Genauso verschieden sind die Fahrer“, weiß die Ochtruperin. „Wir haben hier alles. Von der Bäckereifachverkäuferin über den Schönheitschirurgen bis zum Professor Dr.“

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