Steinway-Konzertflügel im Bagno bekommt neue Besaitung
Frische Drähte für die Tonschönheit

steinfurt -

Er ist der Rolls Royce unter den Pianos und der ganze Stolz des Bagno-Kulturkreises: Der Steinway- &-Sons-Konzertflügel Ausführung D aus dem Baujahr 1991, der zum Inventar der Konzertgalerie gehört. An dem edlen Instrument haben schon eine ganze Reihe der bekanntesten Klavier-Größen dieser Welt gespielt – wie beispielsweise der Österreicher Paul Badura-Skoda im vergangenen Jahr. Regelmäßig wird es gewartet – von Mitarbeitern des Pianohauses Micke aus Münster, jener Firma, von der es der Kulturkreis seinerzeit auch erworben hat. Indes: Wartung allein ist nicht alles, derzeit erfährt der Steinway eine Art Generalüberholung: Es wird neu besaitet – erstmals überhaupt nach der Auslieferung Anfang der 1990er-Jahre.

Montag, 18.06.2018, 13:42 Uhr

Volle Konzentration: Klavierbaumeister Volker Grote klopft eine neue Saite am Steg des Steinway-D-Flügels der Bagno-Konzertgalerie an. Im Bassbereich sind diese für ein noch klareres Klangbild mit Kupfer umsponnen.
Volle Konzentration: Klavierbaumeister Volker Grote klopft eine neue Saite am Steg des Steinway-D-Flügels der Bagno-Konzertgalerie an. Im Bassbereich sind diese für ein noch klareres Klangbild mit Kupfer umsponnen. Foto: Schippers

Noch bis Mitte kommender Woche ist Volker Grote mit dieser Aufgabe beschäftigt. Der Klavierbaumeister und Konzerttechniker kennt das Instrument wie seine Westentasche. „Bestimmt schon 50 Mal“ war er zu Wartungs- und Servicearbeiten in der Konzertgalerie. „Da baut man schon ein besonderes Verhältnis zu so einem Gegenstand auf“, lacht der 42-jährige Flügel-Fachmann. An dem 2,74 Meter langen Flaggschiff des Marktführers zu arbeiten, dazu noch in einem Ambiente, wie es nur der Barock-Konzertsaal im Bagno bieten kann – es wundert nicht, dass Grote immer wieder gerne nach Steinfurt kommt, um sich dem Instrument zu widmen.

Der D-Flügel, der Wiederbeschaffungswert liegt im sechsstelligen Bereich, ist im Münsterland rar gesät: Die Musikhochschule Münster besitzt ihn – und die Landesmusikakademie NRW im Heeker Ortsteil Nienborg. Aber ansonsten? Im Alten Rathaus in Schöppingen steht ein Steinway, aber es ist das etwas kleinere Modell, so Grote.

So ein Steinway-Flügel ist ein Produkt höchster Handwerkskunst. Bei regelmäßiger Wartung kann es hundert Jahre und mehr in Gebrauch sein. Beispiele dafür gebe es viele, weiß der Klavierbaumeister. Das Steinfurter Exemplar ist mit seinen 27 Jahren also noch recht jung. „Vor zehn Jahren sind als größerer Eingriff schon einmal die Hämmer ersetzt worden“, berichtet der Fachmann. Jetzt also die Saiten. 220 Stück hat der D-Flügel – Saitenlänge 20 Zentimeter bis zwei Meter. Es handelt sich um handelsüblichen Musikdrahtstahl, die Basssaiten sind zusätzlich mit Kupferdraht ummantelt, was sie im Vergleich recht teuer macht.

Neben der Besaitung wird Grote auch die Stimmnägel erneuern. Danach wird er das Instrument neu abstimmen und dabei insbesondere auch darauf achten, dass die vorhandene Mechanik optimal an die neue Saiten angepasst wird. Eine Arbeit, die neben höchster Konzentration jede Menge Erfahrung erfordert. Erfahrung, über die Grote verfügt. Seit rund 20 Jahren ist er als Konzerttechniker tätig, hat im Hamburg bei der Deutschland-Niederlassung des Klavierbauers alle Lehrgänge besucht.

Wenn der Micke-Mitarbeiter am Mittwoch seine Arbeit in der Konzertgalerie beendet hat, wird der Steinway über einen neuen, frischen Klang verfügen. „Die Tonschönheit wird deutlich gewonnen haben“, wie es Grote fachsprachlich formuliert. Bis dahin gibt es noch viel zu tun. „Die relativ große Anzahl der Saiten macht die Aufgabe anspruchsvoll. Es kommt dabei auf handwerklich präzises Arbeiten an“, berichtet der Klavierbaumeister.

Profitieren werden von seiner Arbeit die Weltklasse-Pianisten, die regelmäßig nach Steinfurt kommen – wie als nächstes nach der Sommerpause im September David Kadouch. Der französische Pianist gilt als einer der talentiertesten Vertreter der jungen Pianistengeneration. Er wird als einer der ersten in den Genuss kommen, dem frisch überholten Flügel seine ganze Tonschönheit zu entlocken.

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