Schwimmmeister-Beruf ist nicht mehr sehr beliebt
Stress, wenn andere (sonnen)baden

Steinfurt -

Die einen räkeln sich auf dem Badehandtuch, trinken kalte Cola und kühlen sich mit einem Sprung ins Becken ab. Die anderen schieben 60-Stunden-Wochen, müssen ihren Urlaub im Winter nehmen und beten derzeit, dass bloß kein Kollege krank wird.

Sonntag, 08.07.2018, 13:16 Uhr

Wenn andere das gute Wetter feiern, müssen Markus Heerdt (kl. Foto) und seine Kollegen für Sicherheit und Sauberkeit in den Steinfurter Bädern sorgen.
Wenn andere das gute Wetter feiern, müssen Markus Heerdt (kl. Foto) und seine Kollegen für Sicherheit und Sauberkeit in den Steinfurter Bädern sorgen. Foto: ar

Markus Heerdt gehört zu den anderen. Er ist Leitender Schwimmmeister in Steinfurt. Der 49-Jährige steht seit 33 Jahren am Beckenrand – und kann sich immer noch nicht vorstellen, einen anderen Job zu machen und den ganzen Tag über am Schreibtisch zu sitzen. „Du hast jeden Tag mit anderen Menschen und Charakteren zu tun, musst dich nebenbei um komplizierte Technik kümmern, von der ein Außenstehender gar nichts sieht, gibst Schwimmkurse, organisierst Events. Diese Vielseitigkeit macht mir immer noch Spaß“, beschreibt der Borghorster die Vorteile seines Berufes. Dass es aber immer schwieriger wird, Nachwuchs zu gewinnen, kann er nur zu gut verstehen. . .

„Undankbare Arbeitszeiten und ein Salär, das alles andere als üppig ist“, das sind nach Einschätzung von Rolf Echelmeyer, als Geschäftsführer der StEIn GmbH Vorgesetzter von Markus Heerdt, die Hauptgründe für das geringe Interesse von Jugendlichen, den Dienst am Becken als Beruf anzupeilen. „Derzeit haben wir zweieinhalb Auszubildende“, freut sich Echelmeyer. Einer startet in sechs Wochen seine Lehre. Das ist auch dringend notwendig. Bei dem Dauer-Badewetter ist die Personaldecke nämlich so was von dünn. Rolf Echelmeyer: „Es darf wirklich keiner krank werden.“ Zehn Festangestellte und sieben Aushilfen sorgen derzeit in Borghorst wie Burgsteinfurt für einen geregelten Badebetrieb. Hinzu kommen zahlreiche freiwillige Leistungen wie Müllpick- und Kassendienste. „Passieren darf da nichts“, so der StEIn-Geschäftsführer. Einmal in dieser Saison war es so weit: Wegen Personalknappheit musste an einem Tag das Außenbecken des Kombibades geschlossen bleiben.

Natürlich ist der Badebetrieb ein Saisongeschäft. In der kalten Jahreszeit haben das Freibad in Burgsteinfurt und das Kombibad-Außenbecken geschlossen – und dementsprechend sinkt auch der Personalbedarf auf vier Köpfe, wie Rolf Echelmeyer erläutert. „Dann ist auch Zeit für Urlaub.“

Markus Heerdt hat sich an den Zyklus gewöhnt: Wenn andere die Sonne zu Hause genießen, muss er Überstunden schieben. Und das auch am Wochenende. Hereingerutscht in den Beruf ist er durch sein Hobby, das Wasserballspielen. „Mein Trainer war damals auch Schwimmmeister, so habe ich Interesse für den Job entwickelt.“

Dass Schwimmmeister irgendwann einmal überflüssig werden, weil das Baden nicht mehr populär ist, darüber machen sich weder Rolf Echelmeyer noch Markus Heerdt Gedanken. „Die Besucherzahlen für die beiden Steinfurter Bäder sind bombig“, freut sich der Geschäftsführer. In der kommenden Woche liegt die Statistik für den Sonnenmonat Juni vor. „Die wird gut“, weiß Echelmeyer schon heute.

Die gute Resonanz in der Bevölkerung – auch auf das wiedereröffnete Freibad – ist in Kombination mit dem sparsamen Wirtschaften Grund dafür, dass in der StEIn-Kasse noch ein wenn auch kleiner Betrag für die Stadt übrig bleibt. Das konnte die Gesellschafterversammlung jetzt bei ihrer jüngsten Sitzung feststellen. Eine Gehaltserhöhung gibt es deswegen für das Bäderteam aber nicht. . .

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