Geschwindigkeitsüberwachung des Kreises
Blitzer lösen 44 000 Mal im Jahr aus

Steinfurt -

44 000 Mal löst eine der mobilen bzw. stationären Geschwindigkeitsmessanlagen des Kreises Steinfurt pro Jahr aus. Die Messstellen sind überall im Kreisgebiet verteilt – auch in Steinfurt. Unsere Zeitung fragte bei der Leitung des Straßenverkehrsamts nach, was die Hintergründe der umfangreichen Kontrollen ist. Positive Nachricht: Die wirklich gravierenden Verstöße haben in den vergangenen Jahren abgenommen.

Freitag, 17.08.2018, 14:48 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 17.08.2018, 14:48 Uhr
Martin Glasmeyer sitzt im Messwagen des Kreises Steinfurt: Der Ibbenbürener ist einer von sechs Mitarbeitern, die in der mobilen Geschwindigkeitsüberwachung eingesetzt sind – auch im Steinfurter Stadtgebiet wird an vielen Stellen kontrolliert.
Martin Glasmeyer sitzt im Messwagen des Kreises Steinfurt: Der Ibbenbürener ist einer von sechs Mitarbeitern, die in der mobilen Geschwindigkeitsüberwachung eingesetzt sind – auch im Steinfurter Stadtgebiet wird an vielen Stellen kontrolliert. Foto: rs

Die Autofahrer, die an diesem Freitagvormittag auf der Landstraße durch das Bagno fahren, verhalten sich sehr diszipliniert. Meist sogar unterhalb der vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometern passieren sie den Messwagen des Kreises Steinfurt, der unweit der Einfahrt zum Parkplatz am Straßenrand steht. Ob es am Landregen liegt, der an diesem Tag erstmals seit langem für nasse Straßen sorgt? Oder an der doch sehr exponierten Stelle, an der der graue Caddy steht?

„Ich finde es gut, dass der Wagen so gut sichtbar ist“, sagt Martin Glasmeyer. Der Ibbenbürener ist einer von sechs Mitarbeitern des Kreises Steinfurt, die in der mobilen Geschwindigkeitsüberwachung eingesetzt sind. Für Glasmeyer ist dies ein schlagendes Argument für den Fall, dass einer der geblitzten Autofahrer an die Seitenscheibe des Caddys klopft und ihn zur Rede stellen will. Und das, so der Kreis-Mitarbeiter, komme gar nicht so selten vor.

„Die meisten wollen nur wissen, wie schnell sie denn gefahren sind“, berichtet Glasmeyer. Ziemlich oft werden auch Fotos von ihm geschossen. Dass er aber verbal angegangen oder ihm gar mit Gewalt gedroht wird, sei äußerst selten. Nur einmal sei es vorgekommen, dass der den Ort des Geschehens verlassen musste, um sich vor einem besonders rabiaten Pkw-Lenker, der ihn mit dem Vorwurf der Abzocke konfrontierte, in Sicherheit zu bringen. Und Glasmeyer ist bereits 17 Jahre im Geschäft.

„So ein Vorwurf ist natürlich Quatsch“, sagt Bernd Buskamp, Leiter des Straßenverkehrsamts des Kreises Steinfurt – und zitiert dabei eine Aussage von Kreisdirektor Dr. Martin Sommer: „Ich hätte kein Problem damit, wenn die Einnahmen aus den Tempokontrollen gegen Null tendieren würden und dafür die Verkehrssicherheit gegeben ist.“ Diese, so betont Buskamp, stehe für den Kreis an oberster Stelle. Appelle und Aufklärung seien wichtig, aber ohne Kontrolle gehe es eben auch nicht.

Exakt 15 434 Mal haben die mobilen Anlagen an den 320 kreisweiten Messstellen 2017 ausgelöst. Und noch einmal 28 791 Fotos haben die 13 stationären Anlagen, im Volksmund auch Starenkästen genannt, kreisweit geschossen. In Steinfurt sind es elf Stellen, an denen die Geschwindigkeit durch den Kreis mobil überprüft wird, hinzu kommen drei stationäre Anlagen.

Dass diese doch recht umfangreiche Überwachung notwendig ist, zeige die Anzahl der Bußgeldverfahren, die in der Vergangenheit nicht weniger geworden sei, sagt Günter Springer, Sachgebietsleiter Verkehrssicherung beim Kreis. Zu hohe Geschwindigkeit sei nach wie vor Unfallursache Nummer eins. Erfreulich aus seiner Sicht: „Die Zahl der wirklich gravierenden Geschwindigkeitsverstöße ist gegenüber früher deutlich zurückgegangen.“

Die Auswahl der Messpunkte erfolgt nicht willkürlich. Neue Kontrollstellen werden meist nach einem Hinweis aus der Bevölkerung oder der Kommune aufgenommen. Es werde dann gemessen, und wenn 15 Prozent oder mehr der Autofahrer im besagten Bereich zu schnell sind, werde gehandelt, so Günter Springer.

In den vergangenen Jahren ist die Anzahl der Kontrollstellen stetig gestiegen. „Dass eine Messstelle wieder aus dem Katalog herausgekommen wird, kommt nur sehr selten vor“, weiß Bernd Buskamp. Dies sei beispielsweise der Fall, wenn verkehrstechnische Veränderungen vorgenommen worden sind, die die Verkehrssicherheit erhöhen – so unter anderem der Bau eines Kreisverkehrs.

Und wie ist die Resonanz in der Bevölkerung auf die Tempomessungen? „Diejenigen, die sich drüber aufregen, sind in der Überzahl“, schätzt Buskamp. Und manchmal komme es sogar vor, dass genau die geblitzt werden, die eine Kontrolle gefordert hatten.

Für Kreis-Mitarbeiter Martin Glasmeyer ist derweil an der Messstelle Bagno Schluss. Feierabend hat er deshalb noch lange nicht. Es geht zur nächsten Station – immer im Dienst der Verkehrssicherheit und hoffentlich auch dort ohne rabiate Autofahrer.

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Der Haushalt 2017 des Kreises hat mit einem Betrag in Höhe von 3,9 Millionen Euro aus Einnahmen im Bereich Verwarnungs- und Bußgelder abgeschlossen. Die Zahl bezieht sich allerdings nicht nur auf Geschwindigkeitsverstöße. Zudem sind auch die Einnahmen aus der polizeilichen Überwachung, die in den Kreishaushalt fließen, eingerechnet.

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Eine Übersicht aller Messstellen des Kreises gibt es im Internet unter der Adresse http://kreis-steinfurt.maps.arcgis.com/apps/OnePane/basicviewer/index.html?appid=28a8720a20144d3d8e05028a6644875c

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