Gut im Griff
„Alles im grünen Bereich“

Burgsteinfurt -

Klärmeister Martin Garmann steuert vom Kommandostand in der Burgsteinfurter Kläranlage per Mausklick die Geschwindigkeit, mit der das Rolinck- dem Burgsteinfurter Abwasser beigemischt wird. Beim Blick aus dem Fenster sieht er den 1000-Kubikmeter-Auffangbehälter. Davor steht ein Zwillingsbruder. Klinkerfassade, innen ein nachträglich eingegossenes Betonbecken, obendrauf jeweils eine grüne Kappe, unter der bei Bedarf der Mief abgesaugt werden kann.

Montag, 20.08.2018, 16:38 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 19.08.2018, 15:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 20.08.2018, 16:38 Uhr
Das hintere der beiden 1000-Kubikmeter-Becken nimmt seit wenigen Wochen die Rolinck-Abwässer auf, um sie dann langsam und kontrolliert in den Klärkreislauf zu geben.
Das hintere der beiden 1000-Kubikmeter-Becken nimmt seit wenigen Wochen die Rolinck-Abwässer auf, um sie dann langsam und kontrolliert in den Klärkreislauf zu geben. Foto: Axel Roll

Blaue Zacken, einer neben dem anderen, füllen den Bildschirm von oben bis unten. Eine rote Linie mäandert im unteren Viertel der Computergrafik gemächlich von links nach rechts. Blau, das zeigt die Abwassermenge, die die Brauerei Rolinck täglich Richtung Kläranlage schickt, rot, das ist der Füllstand des Misch- und Ausgleichsbeckens, das seit drei Wochen die flüssige Fracht aufnimmt. Klärmeister Martin Garmann deutet zufrieden auf das blau-rote Linienspiel auf seinem Rechner: „Alles im grünen Bereich.“

Der Abwasserexperte steuert vom Kommandostand in der Burgsteinfurter Kläranlage per Mausklick die Geschwindigkeit, mit der das Rolinck- dem Burgsteinfurter Abwasser beigemischt wird. Beim Blick aus dem Fenster sieht er den 1000-Kubikmeter-Auffangbehälter. Davor steht ein Zwillingsbruder. Klinkerfassade, innen ein nachträglich eingegossenes Betonbecken, obendrauf jeweils eine grüne Kappe, unter der bei Bedarf der Mief abgesaugt werden kann.

Mief, das ist das Stichwort. Weil die Anwohner des Neubaugebietes Rolinck seit dem Einzug in ihre schmucken Eigenheime unter dem unerträglichen Faule-Eier-Gestank litten, nach langem Hin und Her das Misch- und Ausgleichsbecken auf dem Brauereigelände als Übeltäter, oder besser gesagt als Übelriecher ausgemacht worden war, findet seit wenigen Wochen die „Zwischenlagerung“ des Abwassers hier auf dem Kläranlagengelände statt. „Technisch völlig unproblematisch und für die Gebührenzahler ohne zusätzliche finanzielle Belastungen“, wie Technischer Beigeordneter Hans Schröder verspricht.

Heiner Lindenbaum, im Rathaus der zuständige Sachbearbeiter für das Abwasser, erklärt, warum das so ist: „Es fallen keine zusätzlichen Abwässer für uns an. Wir haben das von Rolinck schon immer hier gereinigt.“ Es werde jetzt nur ein anderes Misch- und Ausgleichsbecken genutzt. Statt des brauereieigenen das städtische an der Kläranlage. Dafür musste auch keine zusätzliche Leitung verlegt werden. Heiner Lindenbaum: „Die gibt es schon und wurde damals von der Brauerei bezahlt.“

Zwischen 200 und 700 Kubikmeter Abwasser kommen täglich von Rolinck. „Wasser, das aus der Produktion und der Flaschenspülung stammt“, wie Martin Garmann weiß. Die Art der Verunreinigung stellt die Kläranlage vor keine großen Herausforderungen, betont Heiner Lindenbaum. „Da waren die Abwässer, die damals in den Textilbetrieben anfielen, schon eine ganz andere Hausnummer.“

Von der Auslastung her ist der Brauereibetrieb auch weit davon entfernt, die Burgsteinfurter Kläranlage an ihre Grenzen zu bringen. Martin Garmann nennt Zahlen: „An trockenen Tagen wie diesen kommen hier täglich 4000 Kubikmeter an. Das kann sich bei Starkregen auf bis zu 20 000 steigern. Da fallen die 500 von Rolinck kaum ins Gewicht.“

Mit Hilfe des Misch- und Ausgleichsbeckens sowieso nicht. Es fungiert, wie erklärt, als Puffer. Ein Puffer, der das Wasser von fünf Brautagen auf sieben Wochentage verteilt langsam in den Klärkreislauf einspeisen kann. Dass dabei das 1000-Kubik-Becken einmal an seine Grenzen stößt, hält Heiner Lindenbaum „für ausgeschlossen“. Bislang sei das Reservoir nie mehr als zwei Meter hoch gefüllt gewesen. Da sei noch reichlich Luft nach oben.

Gebaut wurden die beiden 1000-Kubikmeter-Bottiche in den 70er-Jahren. Das eine für den mittlerweile insolventen Textilfärber Walterscheid, das andere für das Gewerbegebiet Sonnenschein. Danach dienten sie als stille Reserve. Und selbst mit der Umnutzung für die Rolinck-Abwässer bleibt damit für den Notfall, wenn einmal schnell 1 000 000 Liter aufgefangen werden müssen, immer noch eines als sogenanntes Havariebecken in Reserve. Martin Garmann schmunzelt: „Wir pfeifen also kapazitätsmäßig auch jetzt noch lange nicht aus dem letzten Loch.“

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