Massenhafter Vandalismus
Jugendliche für Schäden an 74 Autos verurteilt

Steinfurt/Horstmar/Altenberge -

Unerträgliches Mobbing in den Schulen soll der Auslöser für eine Serie von gravierenden Straftaten gewesen sein, bei denen 74 Fahrzeuge in Borghorst, Burgsteinfurt, Horstmar und Altenberge zwischen Anfang Februar und Mitte März 2017 erheblich durch Einschlagen der Scheiben, massiven Kratzern am Blech und Tritten gegen Seitenspiegel beschädigt wurden.

Montag, 10.09.2018, 18:40 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 10.09.2018, 16:20 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 10.09.2018, 18:40 Uhr
 
  Foto: dpa

Hinzu kamen schwere Beschädigungen von vier Bushaltestellen in Altenberge und Borghorst, bei denen die Glasscheiben mit einem Hammer eingeschlagen wurden.

Zwei junge Männer aus Borghorst und Ochtrup im Alter von 20 und inzwischen 21 Jahren standen deswegen in Rheine vor dem Jugendschöffengericht. Der Ochtruper schätzte den Sachschaden, für den beide Angeklagte aufkommen müssen, auf 250.000 Euro. Nach ihrem umfassenden Geständnissen und der Beschreibung der Mobbingtaten ihrer Mitschüler beantragte der Staatsanwalt ein Jahr mit Bewährung. Er ging von schädlichen Neigungen und der Schwere der Schuld aus und sagte: „Das Motivbündel für eine solche Serie über fünf Wochen ist schwer nachvollziehbar.“

Verurteilte werden Bewährungshelfer unterstellt

Das Gericht indes sah die schädlichen Neigungen als nicht sicher bestätigt an. Es verhängte noch keine Jugendstrafe, sondern stellte beide wegen Sachbeschädigung an 74 Fahrzeugen und vier Bushaltestellen für zwei Jahre ohne festes Strafmaß unter Bewährung.

Diese Maßnahme gibt es nur im Jugendstrafrecht, um den Lebensweg und die berufliche Laufbahn nicht dauerhaft zu zerstören. Die Verurteilten werden einem Bewährungshelfer unterstellt und müssen Kontakt zu einer Schuldnerberatung aufnehmen, zudem 50 Sozialstunden ableisten.

„Das ist eigentlich sehr wenig“, sagte der Richter in der Urteilsbegründung, aber das Gericht ging davon aus, dass beide, die nie zuvor und danach strafrechtlich aufgefallen sind, durch die hohen Schulden und die Gerichtsverhandlung geläutert sind. „Wenn Sie sich an die Auflagen halten, erlischt der Schuldspruch nach den zwei Jahren. Werden Sie erneut straffällig, sehen wir uns wieder, und dann geht es nicht so glimpflich aus“, ermahnte der Richter beide eindringlich. In ihrem Schlusswort hatten sie geschworen, nicht mehr mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten.

Ausbildungen erfolgreich abgeschlossen

„Warum haben Sie das gemacht? Mit jedem Schlag wurde der Schuldenberg größer, das wird Ihr Hauptproblem sein,“ sagte der Richter nach der Anklageverlesung jeder einzelnen Tat. Der 20-Jährige aus Borghorst brachte kein Wort heraus, der 21-Jährige aus Ochtrup bekannte Farbe: „Ich habe mir dabei vorgestellt, dass es die Gegenstände von den Leuten sind, die mich über Jahre gemobbt haben auf jeder Schule.“

Die Eltern seien informiert gewesen. Schüler und Eltern hätten Lehrer und Schulleitung informiert, aber es sei nichts passiert. Die Taten beschrieben sie als eine Mischung aus Mutprobe, Frust und Wut. „Als ich die erste Scheibe eingeschlagen habe, fühlte sich das befreiend an, aber es war der größte Fehler meines Lebens“, sagte der Angeklagte aus Ochtrup.

Im Radio hätten sie von solchen Taten gehört und plötzlich den Plan gehabt, so etwas auch zu tun. Er fuhr den Pkw und verdeckte das Kennzeichen. Als eine Geschädigte den Knall hörte, rief sie die Polizei, so flogen sie auf. „Es waren überall Glassplitter im Auto“, sagte der Kriminalbeamte als Zeuge. Die Angeklagten hätten sofort alles zugegeben.

„Das Ganze hat sich verselbständigt“, glaubte der Jugendgerichtshelfer, weil beide in relativ normalen Verhältnissen aufgewachsen seien. Inzwischen haben sie ihre Ausbildungen erfolgreich abgeschlossen und feste Arbeitsplätze, die nicht gefährdet werden sollten – auch im Hinblick auf den Schadenersatz, wie der Richter konstatierte.

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