Hollicher Mühle
Ein Trautisch „aus dem Vollen“

Burgsteinfurt -

Sie hat die Kaiserzeit gesehen, Wirtschaftskrisen überdauert und auch zwei Weltkriege überstanden: die Burgsteinfurter Friedenseiche. Gepflanzt an der Burgstraße kurz nach Ende des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71, rückte die Säge dem knorrigen Baum vor drei Jahren zu Leibe. Die Eiche fiel, doch ihr Holz lebt weiter. Aus einer Kernbohle haben Heimatverein und Förderkreis Hollicher Mühle als Ergebnis eines Ideenwettbewerbs einen Trautisch anfertigen lassen. Das fast drei Zentner schwere Möbel „aus dem Vollen“ ziert seit Donnerstag den Oberboden der Windmühle – und steht bereit für Brautpaare, die sich dort das Ja-Wort geben wollen.

Donnerstag, 13.09.2018, 17:04 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 13.09.2018, 17:04 Uhr
Schmuckstück im Obergeschoss der Windmühle: Mitglieder der Windmüllergruppe und der Blaudruckwerkstatt des Heimatvereins präsentieren zusammen mit Tischler Lars Wilmer (knieend) den neuen Trautisch, der aus dem Holz der Burgsteinfurter Friedenseiche von 1870 besteht.
Schmuckstück im Obergeschoss der Windmühle: Mitglieder der Windmüllergruppe und der Blaudruckwerkstatt des Heimatvereins präsentieren zusammen mit Tischler Lars Wilmer (knieend) den neuen Trautisch, der aus dem Holz der Burgsteinfurter Friedenseiche von 1870 besteht. Foto: rs

Sie hat die Kaiserzeit gesehen, Wirtschaftskrisen überdauert und zwei Weltkriege überstanden: die Burgsteinfurter Friedenseiche. Gepflanzt an der Burgstraße kurz nach Ende des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71, rückte die Säge dem knorrigen Baum vor drei Jahren zu Leibe. Die Eiche fiel, doch ihr Holz lebt weiter. Aus einer Kernbohle haben Heimatverein und Förderkreis Hollicher Mühle als Ergebnis eines Ideenwettbewerbs einen Trautisch anfertigen lassen. Das fast drei Zentner schwere Möbel „aus dem Vollen“ ziert seit Donnerstag den Oberboden der Windmühle – und steht bereit für Brautpaare, die sich dort das Ja-Wort geben wollen.

„Wir freuen uns als Förderkreis, dass unsere Mühle jetzt auch für diesen Zweck zur Verfügung steht“, sagt Hans Knöpker . Der Vorsitzende des rund 170 Mitglieder starken Vereins, der sich seit nunmehr 30 Jahren dem Erhalt des denkmalgeschützten Bauwerks widmet, hat im Hintergrund die Fäden gezogen, um das Projekt zu einem Erfolg werden zu lasssen. Und er konnte wie stets auf viele Unterstützer bauen. Neben der Müllergruppe haben unter anderem auch die Mitglieder der Blaudruckwerkstatt des Heimatvereins um Annette Rehaag an der Gestaltung des neuen Trauzimmers im ersten Geschoss der Mühle mitgewirkt. Ihre mit westfälisch-heimatlichen Motiven bedruckten Gardinen sind ein echter Hingucker.

Für die Bearbeitung des Trautisches selbst zeichnet Lars Wilmer verantwortlich. Der Diplom-Ingenieur mit eigener Tischlerei in Hollich hat die im Werk Nolte in Veltrup gesägte Bohle zu einem echten Schmuckstück veredelt. „Die Oberfläche ist lediglich geseift, ansonsten aber naturbelassen“, berichtet der Fachmann. Der Tisch als ganzes wirkt fast schon archaisch. So wurden Astansätze bewusst nicht weggeschnitten.

Bis zum Frühjahr will die Müllergruppe das neue Trauzimmer weiter komplettieren. So sollen Sitzbänke aus alten Mühlenflügeln integriert werden, kündigte Knöpker an. Die bereits vorhandene Bestuhlung, die einst in einem Sitzungssaal in Münster stand, soll aufgearbeitet werden. Dann müssen sie nur noch kommen, die Brautpaare – und den Eheleuten Loddo folgen, die in dem Steinfurter Wahrzeichen kürzlich ihr Ehegelöbnis erneuert haben.

Doch auch wenn das Projekt Trauzimmer alsbald abgeschlossen ist, langweilig wird den Windmüllern auch dann wohl nicht werden. Denn abgesehen vom „Alltagsgeschäft“ mit Unterhaltungsmaßnahmen bis hin zu Führungen steht auch 2019 wieder eine größere Sanierung an. „Die Neuverschindelung der Kappe und der Außenwände ist eine große Herausforderung“, berichtet Hans Knöpker. Dazu muss die Mühle vollständig mit einem Gerüst umgeben werden. Die Bauarbeiten sollen im Frühjahr beginnen und werden voraussichtlich sechs Wochen dauern. Als Ausführende hat Knöpker dieses Mal keine niederländischen Mühlenbauer, sondern eine Fachfirma aus dem bayrischen Wald im Auge. Als Zuschussgeber setzt der „Obermüller“ auch dieses Mal wieder auf die NRW-Stiftung. Nach Abschluss dieser Maßnahme wird die Hollicher Mühle dann ein Mal komplett durchsaniert sein, kündigte Knöpker an.

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