Nadine Ewering näht die Kostüme der „Aurifex“-Darsteller
Tausende Seiten Schnittmuster

Borghorst -

Hier wird noch eine Borte nachgezuppelt, dort ein Kragen gerichtet – im Großen und Ganzen sitzen die Kostüme, die die Darsteller des Musicals „Aurifex“ am kommenden Wochenende tragen werden, aber perfekt.

Montag, 01.10.2018, 16:52 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 01.10.2018, 16:52 Uhr
Gemeinsam mit Pröbstin Klara (Andrea Sundermann, l.) achtet Nadine Ewering (r.) darauf, dass am Kleid von Küsterin Magdalena (Elisabeth Bussmann) alles richtig sitzt.
Gemeinsam mit Pröbstin Klara (Andrea Sundermann, l.) achtet Nadine Ewering (r.) darauf, dass am Kleid von Küsterin Magdalena (Elisabeth Bussmann) alles richtig sitzt. Foto: Bernd Schäfer

Entstanden sind sie unter der Nähmaschine von Nadine Ewering, die am Heisenbergweg in ihrer „Villa knuddelbunt“ lebt und arbeitet. Dort schneidert sie normalerweise vor allem Kleidungsstücke für Babys und Kleinkinder.

Für das Musical war der Stoffverbrauch deutlich größer: „Das ist schon was anderes“, lacht die dreifache Mutter, deren Leidenschaft fürs Nähen in einem Kurs bei der Familienbildungsstätte geweckt wurde – den sie genau wie ihre erste Nähmaschine von ihrem Mann Dietmar geschenkt bekam. „Als erstes wollte ich Vorhänge fürs Kinderzimmer nähen. Aber die sind bis heute nicht fertig geworden.“

Stattdessen begann sie, ihre Kinder mit selbst gefertigten Kleidungsstücken auszustatten. Als die dafür zu groß waren, nähte sie für ihre Nichten und Neffen mit ganz individuelle Anziehsachen. Irgendwann kamen aber auch die in das Alter, in dem Klamotten von Bench, Nike oder Adidas sein müssen.

Mit dem Nähen aufhören wollte sie deswegen aber nicht und begann, die Ergebnisse ihrer kreativen Ader auf Märkten und mittlerweile auch übers Internet ans Kind, oder besser an dessen Eltern zu bringen.

Darüber hinaus gibt sie ihre Kenntnisse im Umgang mit Nadel, Faden und Schnittmustern als Leiterin des Dampfross-Nähateliers weiter. Über das Dampfross kennt sie auch Klaus Uhlenbrock , den Autor und Regisseur von „Aurifex“. Als der fragte, ob sie die 14 Darsteller in mittelalterliche Gewänder kleiden kann, sagte sie zwar ja, wusste aber auch direkt: „Das ist eine echte Herausforderung für mich.“

Zunächst einmal recherchierte sie, was um das Jahr 1049, in dem das Musical spielt, modisch en vogue war. Und welche Stoffe überhaupt dafür genutzt wurden – Ballonseide und Polyester gab‘s ja damals noch nicht. Dann überlegte sie mit Klaus Uhlenbrock, welche Kleidung zu welcher Rolle passt: Einen gräflichen Gesandten konnte man schließlich schon an seinem Outfit von einem Handwerksgesellen unterscheiden. Und eine Äbtissin von einer Küsterin.

Als nächstes besorgte sie sich die entsprechenden Schnittmuster – und das klingt einfacher, als es ist: Zwar kann man die aus dem Internet herunterladen, aber schon das Muster für ein einziges Damenkleid besteht aus 200 DIN-A-Seiten, die ausgedruckt und akribisch genau zusammengeklebt werden müssen. „Alleine dafür habe ich schon über zwei Wochen gebraucht“, denkt Nadine Ewering an die Vorbereitungen für die eigentliche Arbeit zurück. Weitere gut drei Wochen dauerte es, die Unmengen an Stoff anhand der Muster zuzuschneiden. Erst dann konnte sie endlich die Nähmaschine anwerfen und die Stoffe zu Kleidungsstücken machen.

Bevor sie die Säume endgültig vernähte und die Verzierungen wie Borten und Bänder anbrachte, ließ sie die Schauspieler anprobieren. „Als ich sie bei der Kostümprobe zum ersten Mal angezogen gesehen habe, war ich schon stolz drauf“, ist ihr Gefühl nach der monatelangen Vorbereitung nachvollziehbar.

Bis zur Generalprobe am Mittwoch soll auch die letzte Naht sitzen. „Ich bin dann auch froh, wenn ich‘s fertig habe“, gibt sie zu. Und ist gespannt: „Ich werde dann wohl plötzlich feststellen, wie viel Zeit ich eigentlich habe.“

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