Wilde Müllkippen
Die Allgemeinheit zahlt drauf

Steinfurt -

Harald Flintermann ist ein besonnener Mensch. Aber was er am vergangenen Sonntag an der Radbahn gesehen hat, brachte ihn dann doch auf die Palme. So sehr, dass er seinen „Fund“ in Facebook gepostet hat, um seinem Ärger Luft zu machen. Es handelt sich um eine ganze Ansammlung von leeren Flaschen und Glasgefäßen zur Lebensmittelaufbewahrung, die dort achtlos am Wegesrand abgelagert worden waren

Sonntag, 07.10.2018, 14:14 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 05.10.2018, 13:20 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 07.10.2018, 14:14 Uhr
Statt im Altglascontainer landeten diese entleerten Glasgefäße und Flaschen an der Radbahn. Viele Bürger ärgern sich über Müll im Stadtbild von Steinfurt.
Statt im Altglascontainer landeten diese entleerten Glasgefäße und Flaschen an der Radbahn. Viele Bürger ärgern sich über Müll im Stadtbild von Steinfurt. Foto: H. Flintermann

Harald Flintermann ist ein besonnener Mensch. Aber was er am vergangenen Sonntag an der Radbahn gesehen hat, brachte ihn dann doch auf die Palme. So sehr, dass er seinen „Fund“ in Facebook gepostet hat, um seinem Ärger Luft zu machen. Es handelt sich um eine ganze Ansammlung von leeren Flaschen und Glasgefäßen zur Lebensmittelaufbewahrung, die dort achtlos am Wegesrand abgelagert worden sind. „Wieso kann man Altglas nicht im Container entsorgen?“, ist im sozialen Netzwerk als Kommentar von dem Veltruper zu lesen. Und weiter: „Da fährt man dafür lieber vier Kilometer aus Burgsteinfurt auf der Radbahn heraus, um es in der Hecke zu entsorgen!“ Die Reaktionen in Facebook ließen nicht lange auf sich warten: Von „So dämlich“ über „Mich wundert nix mehr“ bis „Da fehlen einem echt die Worte“ reicht der Reigen der Kommentare.

Kerstin Timmers kennt solche „wilden Müllkippen“ nur zu gut. Die Leiterin des städtischen Baubetriebshofes respektive ihre Mitarbeiter müssen regelmäßig ausrücken, um derlei Umweltsünden zu beseitigen. Die Kosten dafür trägt der Steuerzahler. Es sei denn, der Verursacher wird ermittelt. „Das ist aber selten und geschieht meist nur durch Zufall“, weiß die Verwaltungsmitarbeiterin.

Kerstin Timmers kann über das Entsorgungsverhalten mancher Zeitgenossen nur den Kopf schütteln. „Wir haben ein funktionierendes Abfallsystem und Müll abzugeben, kostet nicht die Welt“, betont die Bauhofleiterin mit Hinweis auf den Wertstoffhof im Gewerbegebiet Sonnenschein. Und der Argumentation, dass es am Müllwiegesystem liegt, kann sie nicht folgen. „Das ist doch Schnee von gestern.“ Warum also treten die wilden Müllkippen, die nach ihrem Eindruck in jüngster Vergangenheit nicht weniger geworden sind, dann immer wieder auf? Kerstin Timmers kann nur spekulieren: „Gedankenlosigkeit, Bequemlichkeit, ich kann es nicht sagen. Mich macht dieses Verhalten sprachlos und auch wütend.“ Besonders in Fällen wie jetzt im Laufe des Sommers: Gleich drei Mal musste der Bauhof nach Hollich ausrücken, um dort Ablagerungen von Eternitplatten zu entsorgen. „Wenn man das sowieso schon auf dem Anhänger hat, kann man es doch gleich zum Wertstoffhof bringen“, entrüstet sich Timmers.

Wie die Bauhofleiterin hat auch Wolfgang Spille den Eindruck, dass das Problem der illegalen Müllentsorgung in den vergangenen Jahren größer geworden ist. Dies sei indes kein spezifisch Steinfurter Phänomen. Andere Orte seien sogar noch stärker betroffen, gibt der Fachbereichsleiter Tiefbau im Rathaus als Essenz der regelmäßigen Treffen der Abfallberater der Kreis-Kommunen wieder.

Den Abbau zahlreicher Müllgefäße im Außenbereich, der 2015 nach einem Beschluss der Politik vollzogen wurde, hält Spille für richtig. „Das war okay, weil dort vor allem große Sachen hineingestopft wurden.“ Und der Grünschnitt, der nicht mehr in die Biotonne passt und am Wegesrand abgelagert wird? Laut Spille unverständlich, weil die Entsorgung sehr kostengünstig am Wertstoffhof möglich sei. Die Offerte, eine Kofferraumladung gar kostenlos abzugeben, wie dies zum Beispiel in der Nachbarstadt Ochtrup angeboten wird, ist in der Kreisstadt nicht geplant. Allerdings wird in der Töpferstadt der Biomüll auch nicht alle 14 Tage wie in Steinfurt, sondern nur einmal im Monat abgefahren. Für das beliebte 120-Liter-Gefäß zum fast gleichen Preis übrigens.

Spille und Timmers appellieren an alle Bürger: „Jeder ist für seinen Müll verantwortlich. Für die ordnungsgemäße Entsorgung Sorge zu tragen, sollte eine Selbstverständlichkeit sein.“ Wer es trotzdem illegal macht und erwischt wird, dem drohen nicht nur saftige Ordnungsgelder, sondern auch eine Sanktion nach Spille-Manier: „Wir haben auf denjenigen künftig immer auch ein besonderes Auge.“

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