Anti-Rost Steinfurt
Ein Gewinn für beide Seiten

Steinfurt -

Ihr Einsatz ist gefragt, sie kommen oft in größter Not – und erfahren entsprechend tiefe Dankbarkeit: Die Steinfurter Anti-Rost-Helfer, derzeit rund 20 an der Zahl, sind seit mehr als acht Jahren im Dienste älterer Mitmenschen unterwegs.

Donnerstag, 11.10.2018, 17:04 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 10.10.2018, 19:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 11.10.2018, 17:04 Uhr
Kleinstreparaturen durchführen, wie hier der Anschluss einer Lampe, haben sich die Anti-Rost-Helfer auf die Fahnen geschrieben. Größere Aufträge werden an das professionelle Handwerk verwiesen.
Kleinstreparaturen durchführen, wie hier der Anschluss einer Lampe, haben sich die Anti-Rost-Helfer auf die Fahnen geschrieben. Größere Aufträge werden an das professionelle Handwerk verwiesen.

Ihr Einsatz ist gefragt, sie kommen oft in größter Not – und erfahren entsprechend tiefe Dankbarkeit: Die Steinfurter Anti-Rost-Helfer, derzeit rund 20 an der Zahl, sind seit mehr als acht Jahren im Dienste älterer Mitmenschen unterwegs. Ob Austausch von defekten Glühbirnen, Reparatur eines tropfenden Wasserhahns oder das Verrücken von Möbeln – um nur einige, aber ganz typische Aufgabengebiete zu nennen: Ihr Engagement ist gefragter denn je. Denn wo früher die Nachbarn oder die eigenen Kinder geholfen haben, stehen Senioren heutzutage oftmals alleine vor Alltagsproblemen. Sind doch Erstere zumindest in den älteren Wohnquartieren ebenfalls alt und Zweitere längst aus dem Haus und weit weg vom Elternhaus beheimatet. Zur Klientel der Anti-Rost-Helfer gehören aber auch Alleinstehende und Menschen mit Behinderungen.

„Bei uns steht der soziale Helfergedanke im Vordergrund“, sagt Dr. Volkhard Riedel . Der 78-Jährige ist Gründungsmitglied und Vorsitzender der Steinfurter Initiative, die seinerzeit nach dem münsterischen Vorbild aus der Taufe gehoben worden war. Frei nach dem Motto „Senioren helfen Senioren“ werden die ehrenamtlich agierenden Handwerker rund 350 Mal im Jahr gerufen. Über eine Mobilfunknummer, die tagsüber geschaltet ist, kann der Kontakt hergestellt und das Problem geschildert werden. „Wir fragen dann immer erst, ob nicht anderweitig Hilfe besorgt werden kann“, berichtet Heinz Homölle , der regelmäßig den Telefondienst mit übernimmt. Ist das nicht der Fall, geht alles ganz schnell. „Ich rufe dann einen Mitarbeiter an, der mit geeignetem Werkzeug zum Ort des Geschehens fährt“, berichtet der 75-Jährige.

Für den Einsatz der Anti-Rost-Helfer wird lediglich eine Aufwandsentschädigung von fünf Euro fällig. Damit sind dann zum Beispiel auch die Anfahrtskosten abgegolten. „Und natürlich müssen Ersatzteile bezahlt werden“, wie Günter Frye betont. Auch er ist über 70 und engagiert sich gerne bei den Anti-Rost-Helfern. „Einen Teil seiner Zeit damit zu verbringen, kann sehr erfüllend sein“, sagt Frye über seine Motivation. Die Dankbarkeit, die ihnen entgegen gebracht wird, sei groß, betont auch Homölle. Auch die soziale Komponente sei nicht zu unterschätzen. „Die Erfahrung, da kommt jemand, der Zeit für mich hat, ist gerade für Alleinstehende sehr wichtig“, weiß er.

Mit der Flüchtlingswelle, die 2015 auch Steinfurt erreichte, erweiterte sich das Aufgabenfeld der Helfer. Im Bahnhof Borghorst wurde unter der Leitung des früheren Zweiradmechanikermeisters Erich Minnebusch eine Fahrradwerkstatt eingerichtet. Auch wenn viele Migranten inzwischen mit einem – meistens aus der Bevölkerung zur Verfügung gestellten oder aus dem Fundus des Fundbüros der Stadt stammenden – Rad ausgerüstet sind: Das Angebot besteht weiterhin. Nur der Standort hat sich verändert. Seit kurzem ist die Werkstatt in der Nikomedesschule zu finden. „Wir nehmen gerne weiterhin ausrangierte Räder an“, betont Riedel.

Der Vorsitzende der Initiative, die sich als lockerer Zusammenschluss ohne Vereinscharakter im Sinne eines „e.V.“ versteht, könnte sich durchaus vorstellen, dass demnächst auch noch ein weiteres Angebot hinzukommt: ein Reparatur-Café, wie es in vielen anderen vergleichbaren Städten schon existiert. Dort könnten dann Dinge wie Elektrokleingeräte wieder in Schuss gebracht werden und ihre Besitzer sich bei einer Tasse Kaffee mit anderen Besuchern austauschen. „Einen geeigneten Standort hätten wir schon, nur fehlen uns noch die geeigneten Leute“, so Riedel.

Er und die weiteren Verantwortlichen der Anti-Rost-Initiative hoffen, weitere Mitstreiter für das Team gewinnen zu können. Zum Beispiel junge Rentner oder Menschen, die kurz vor der Pensionierung stehen. Die könnten sich bestens mit ihrem Wissen aus dem Beruf in die ehrenamtliche Arbeit einbringen und hätten zugleich ein sinnstiftendes Betätigungsfeld. Interessierte müssen keine Bedenken vor zu großer Arbeitsbelastung haben. „Die Arbeit ufert nicht gerade aus, es wird nur ganz selten enger“, weiß Riedel aus Erfahrung. So kommen für die aktuell 20 Anti-Rost-Helfer pro Jahr rund 1200 bis 1400 Ehrenamtsstunden zusammen.

Zum Thema

Interessierte können sich gerne unter E-Mail anti-rost-steinfurt@gmx.de oder Mobiltelefon 0160/2344507 (Mo bis Fr 10 bis 18 Uhr) melden. Unter der gleichen Nummer werden auch Anfragen von Kleinstaufträgen angenommen.

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