Anwohner der Münsterstraße auf den Barrikaden
Im Rückwärtsgang zur Baustelle

Borghorst -

Die an diesem Konflikt Beteiligten sind sich in einem Punkt sogar einig: Der Bau des Zehn-Parteien-Wohnhauses samt Tiefgarage an der Münsterstraße kann, soll oder muss kommen. Gegen den Block selbst hat also niemand etwas. Weder die Bewohner der benachbarten Stadtvilla, noch Einzelhändler Martin Linke oder Norbert Kerkhoff als CDU-Fraktionsvorsitzender.

Freitag, 12.10.2018, 23:00 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 12.10.2018, 23:00 Uhr
Lange ist der Bauplatz schon gerodet. Auf dem Gelände soll ein Zehn-Familienhaus entstehen.
Lange ist der Bauplatz schon gerodet. Auf dem Gelände soll ein Zehn-Familienhaus entstehen. Foto: Axel Roll

Und Bauunternehmer Marc Arning sowieso nicht. Der ist seit fünf Jahren, wie er sagt, mit dem Projekt beschäftigt, hatte unlängst schon den Kran aufstellen lassen, baute ihn inzwischen aber entnervt wieder ab. Gestritten wird um den Weg zur Baustelle. „Lkw können leider nicht fliegen“, sagt Arning. Darum bleibt ihnen – Stand jetzt – nur der schmale Weg, den sonst nur die Bewohner der Stadtvilla und die Mieter der dortigen Tiefgarage befahren. Gegen diese geplante Baustellenerschließung regt sich so heftiger Widerstand, dass ein in der vergangenen Woche im Rathaus mit allen Beteiligten geschlossener Kompromiss schon wieder zu bröckeln droht. . .

Die Lastwagen, die den Bodenaushub für die Tiefgarage wegkarren sollen, müssen genau wie die Betonmischer in die Fußgängerzone fahren, vor das Geschäft Flügemann ziehen, um sich dann rückwärts den Drei-Meter-Weg entlang der Stadtvillen zur Baustelle zu ertasten.

Bedenken gibt es viele gegen diese Art der Andienung. Fußgänger und radelnde Schulkinder werden in der Fußgängerzone gefährdet, der Untergrund von den schweren Lastern kaputt gefahren, die Stadtvillen-Zufahrt für Rettungskräfte verstopft und den Geschäften unter anderem durch die wegfallenden Parkplätze vor der Tür die Existenzgrundlage entzogen. Martin Linke als Betreiber des Sportartikelgeschäfts in direkter Nachbarschaft zur künftigen Baustelle ist massiv auf die Parkplätze vor seinem Ge schäft angewiesen. „Fallen die weg, kann ich dichtmachen“, sagt Linke. Und hat bereits reagiert: Er hat die Option, seinen Mietvertrag zu verlängern, bewusst nicht gezogen. „So läuft der Vertrag im August aus. „Wir würden dann schließen“, so Linke. Von der Situation hinter seinem Geschäft extrem beunruhigt, hängt er damit komplett in der Luft: „Eigentlich muss ich im Frühjahr schon die Ware für das Wintergeschäft bestellen.“

Um dem Einzelhändler entgegenzukommen, sieht der im Rathaus vereinbarte Kompromiss vor, dass die Laster nur von morgens sechs bis zehn fahren sollen. Staus in der Münsterstraße sollen dadurch vermieden werden, dass die Lkw am Schoppenkamp auf dem Gelände von Unternehmer Hans Günter Hahn zwischenparken und sich von dort per Handy abstimmen.

„Wenn das alles so klappen würde, wäre das gut. Aber bei einem Baubetrieb von diesen Ausmaßen bin ich äußerst skeptisch, dass das auch so funktioniert“, meint Martin Linke. Auch die Bewohner der Stadtvillen sind alles andere als begeistert von dem Vorhaben. Maria Cichow hat im Namen aller Mitbewohner schon im Juli einen Brief an die Bürgermeisterin geschrieben, um die Bedenken der Hausgemeinschaft zu formulieren.

„Der Transfer in die Tiefgarage, die Versorgung der Kranken in der Tagespflege und unsere Sicherheit in Notfällen werden massiv gestört und dadurch die Sicherheit in unseren Häusern gefährdet“, schreibt Maria Cichow.

Auf die Seite der Kritiker hat sich inzwischen die CDU-Fraktion gestellt. Nach zahlreichen Gesprächen mit den Beteiligten hat Vorsitzender Norbert Kerkhoff bereits einen Antrag an die Bürgermeisterin gestellt und eine Stellungnahme von der Wirtschaftsförderung gefordert. „Es kann nicht sein, dass der Bestand eines Geschäftes auf diese Art aufs Spiel gesetzt wird“, erläutert Kerkhoff den Standpunkt seiner Fraktion. Außerdem sei der Weg der Lastwagen durch die Fußgängerzone viel zu gefährlich.

Die Stadtverwaltung ist im Geschäft, weil sie eine sogenannte verkehrsrechtliche Anordnung erteilen muss, damit die Baustellenfahrzeuge den vorgezeichneten Weg nehmen dürfen. Johannes Schencking als zuständiger Fachdienstleiter sieht „keine Gefährdungen“ und darum auch keine Hemmnisse, die einer Erteilung der Anordnung im Wege stehen könnten. „Wir haben zuvor natürlich die Situation vor Ort mit Feuerwehr und Polizei in Augenschein genommen“, betont Schencking. Wenn gebaut wird, dann werde seine Behörde „genau hingucken“, ob die getroffenen Vereinbarungen auch penibel genau eingehalten werden.

Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer, die sich bei der Gesprächsrunde in der vergangenen Woche „moderierend eingebracht hat“, wie sie auf Anfrage sagt, sieht in dem gegenseitigen Entgegenkommen – Anfahrt der Lkw nur bis zehn Uhr, Abstimmung per Handy und Freihalten der Parkbuchten in der Münsterstraße – „das Maximum, das wir herausholen konnten. Schließlich will ja jeder gern, dass da gebaut wird“. Sollte das rote Pflaster durch den Schwerlastverkehr in Mitleidenschaft gezogen werden, zahle natürlich der Verursacher die Reparatur.

Das wäre Marc Arning. Der könnte nach dem Gespräch im Rathaus im Januar loslegen. Nicht eher, da das Weihnachtsgeschäft der Kaufmannschaft am oberen Ende der Münsterstraße nicht beeinflusst werden soll. Der Bauunternehmer weiß aber noch gar nicht, ob er das auch will. Nach den Baukran-Erfahrungen sagt er: „Ich warte erstmal ab.“

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