Claudia Bögel-Hoyer ist Sonntag drei Jahre im Amt
„Ich kandidiere wieder“

Steinfurt -

Am Sonntag werden es genau drei Jahre, dass Claudia Bögel-Hoyer als Nachfolgerin von Andreas Hoge als neue Bürgermeisterin im Bürgersaal die Vereidigungsformel sprach. Zeit für ein Interview, in dem die Bürgermeisterin Bilanz zu ihrer dreijährigen Arbeit zieht und einen Blick in die Zukunft wagt – die nächste Kommunalwahl ist nicht mehr weit.

Freitag, 19.10.2018, 16:48 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 19.10.2018, 16:48 Uhr
Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer ist am Sonntag drei Jahre im Amt. Sie zieht ein positives Fazit zur bisherigen Amtszeit.
Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer ist am Sonntag drei Jahre im Amt. Sie zieht ein positives Fazit zur bisherigen Amtszeit. Foto: Axel Roll

Sie sind jetzt drei Jahre im Amt. Macht‘s denn immer noch Spaß?

Bögel-Hoyer: Ja. Nach wie vor. Ich fahre immer noch jeden Morgen froh gelaunt über den Buchenberg ins Rathaus und freue mich, mit meinem guten Team in einem wirklich guten Betriebsklima zusammenarbeiten zu können.

Kommunalpolitisch hat sich ja eine Menge getan. Was war Ihr größter Erfolg, was Ihre schwerste Niederlage?

Bögel-Hoyer: Der größte Erfolg war der Erhalt des Krankenhauses. Wir konnten das Universitätsklinikum als Betreiber gewinnen und damit 600 Arbeitsplätze erhalten. Ein weiterer Erfolg war die Sanierung des Freibades. Größte Niederlage für mich war, dass die Entwicklung des Weberquartiers in Borghorst politisch so abrupt gestoppt wurde. Da sind wir aber jetzt wieder auf einem guten Weg.

Sie sind ja angetreten, ohne den Background einer Verwaltungslaufbahn. Ist das ein Hemmnis oder hat es Sie diese Tatsache vielleicht sogar beflügelt?

Bögel-Hoyer: Eindeutig letzteres. Man schaut ganz anderes auf die Dinge und bringt den sprichwörtlichen frischen Wind in die Verwaltung, weil man nicht diese eingefahrenen Gangarten hat. Es gibt nie schwarz und weiß, sondern auch grau. Selbst wenn es um die Auslegung von Gesetzen geht. Darum ist es wichtig, dass jemand von außen aus der freien Wirtschaft kommt und ganz anders auf die Arbeitsweisen einer Verwaltung schaut. Diese Umstellung funktioniert hier im Rathaus wirklich ganz toll, die Mitarbeiter gehen da hervorragend mit.

Wie muss sich der Bürger überhaupt die Arbeit einer Bürgermeisterin vorstellen? Es gibt so viele unterschiedliche Aufgaben, die eine Verwaltung zu erledigen hat. Wo kommt da die Bürgermeisterin ins Spiel?

Bögel-Hoyer: Eigentlich überall. Die letzte Entscheidung in der laufenden Verwaltung treffe ich. Wenn die Politik beteiligt ist, selbstverständlich der Rat. Mit unseren Außenstellen und der Freiwilligen Feuerwehr haben wir über 300 Mitarbeiter. Und für diese 300 Menschen trage ich Verantwortung. Ich sage bewusst Menschen. Denn sie wollen individuell behandelt werden.

Bei Ihrer Haushaltsrede vor knapp zwei Wochen haben Sie ein Bild von der Stadt gezeichnet, in der es aufwärts geht. Gerade unter dem finanziellen Aspekt. Aber wo gibt es Problemfelder, um die Sie sich noch dringend kümmern müssen?

Bögel-Hoyer: Wir brauchen Flächen für für den Bau von preiswertem Wohnraum. Außerdem müssen wir unsere Stadt zukunftssicher machen. Das heißt, dass wir, sofern es unsere Mittel erlauben, unter anderem Flächen, die derzeit noch durch uns gepachtet sind, in den Besitz der Stadt übernehmen. Ich halte es für grob fahrlässig, größere Projekte auf Flächen zu entwickeln, die nicht im Eigentum der Stadt sind. Das ist doch keine Investition in die Zukunft. Ich weiß, das ist schwierig. Aber wir haben dort dringenden Nachholbedarf. Bei Gewerbeflächen sind wir jetzt besser aufgestellt. So konnten wir in diesem Jahr noch eine größere Fläche hinzuerwerben. Aber es reicht noch nicht aus.

In Ihrer Aufzählung fehlen die Innenstädte. Welchen Einfluss kann die Stadt auf die Leerstände nehmen?

Bögel-Hoyer: Wir haben das integrierte städtebauliche Handlungskonzept auf den Weg gebracht. Dieses ermöglicht es uns, auf Fördertöpfe zuzugreifen. Wenn es vor meiner Amtszeit schon auf den Weg gebracht worden wäre, hätte unsere Stadt bereits davon profitieren können, so wie viele andere Nachbarstädte ebenso die Dinge bereits vor Jahren geregelt haben und auf Förderung zurückgreifen können. Unter Bezugnahme von Experten besprechen wir, wie unsere Innenstädte attraktiver werden können und wieder städtisches Leben aktiviert wird. Dabei beziehen wir die Eigentümer von innenstadtrelevanten Immobilien mit ein, passen Bebauungspläne an und diskutieren mit der Politik, denn es ist wichtig, dass die verschiedenen Protagonisten gemeinsam daran arbeiten.

Wie würden Sie die Zusammenarbeit mit dem Rat derzeit charakterisieren?

Bögel-Hoyer: Gut. Fast alle Abstimmungen haben ein einstimmiges Ergebnis. Außerdem haben wir ein gutes Miteinander. Am Anfang meiner Amtszeit gab es natürlich einige Verschnupfungen. Aber das ist normal. Jetzt läuft es.

Wenn Ihre Stellvertreterin Maria Lindemann Bürgermeisterin von Spelle wird, kommt auf Sie wahrscheinlich eine nicht ganz einfache Zeit zu ...

Claudia Bögel-Hoyer: Das stimmt. Ich kenne das aus den Zeiten, als plötzlich Reinhardt Niewerth nicht mehr zur Verfügung stand. Ihn musste ich als Nicht-Baufachfrau in Entscheidungen über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren ersetzen. Ich habe sehr gute Leute im Team. Und so werden wir, wenn es bei der Ersten Beigeordneten zu einer Vakanz kommt, die Zeit ohne Blessuren überbrücken, davon bin ich überzeugt. Wenn Maria Lindemann uns verlässt, bedaure ich das natürlich sehr. Zusammen mit Hans Schröder bilden wir im Verwaltungsvorstand nämlich ein sehr gutes Team, das auf Augenhöhe arbeitet und ein gemeinsames Ziel hat: Die Stadt Steinfurt nach vorne zu bringen.

Wenn man so in der Öffentlichkeit steht wie Sie und dabei zeitlich stark beansprucht wird, stellt sich dann nicht zumindest manchmal die Frage, ob der Preis, den man für das Amt zahlt, nicht zu hoch ist?

Bögel-Hoyer: Nein, auf keinen Fall. Ich kümmere mich zu gerne. Wenn ich beispielsweise beim Einkaufen angesprochen werde, ist das für mich völlig in Ordnung. Ich sehe mich als Anwältin der Bürgerinnen und Bürger, trage ihre Anliegen in die Verwaltung und versuche gemeinsam mit meinem Team Lösungen zu finden. Dafür bekomme ich aus der Bevölkerung ein breites positives Feedback. Nach wie vor bin ich auch über meine Handynummer für jeden erreichbar. Es macht mir Freude, mich zu kümmern. Auch wenn die Wochenenden oftmals terminlich eng belegt sind, so ist das die Aufgabe, die ein Bürgermeister zu leisten hat und völlig normal für mich.

Die nächsten Kommunalwahlen zeichnen sich so ganz langsam am Horizont ab. Werden Sie wieder kandidieren?

Bögel-Hoyer: Ich habe noch so viel zu tun. Selbstverständlich kandidiere ich wieder.

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