Der trockene Sommer macht sich auch bei Weihnachtsbäumen bemerkbar
Wie nach vier Wochen im Ständer

Steinfurt -

Normalerweise sind seine Tannen recht genügsame Wesen: Still und leise wachsen sie vor sich hin, bis sie groß genug sind, um in einem Wohnzimmer weihnachtliche Stimmung zu verbreiten.

Donnerstag, 08.11.2018, 19:00 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 08.11.2018, 19:00 Uhr
Hermann Josef Stegemann mit einer der Fichten, die nicht mehr zu retten sind. Von den Nordmanntannen haben zumindest die Größeren keinen Schaden genommen – allerdings ist etwa die Hälfte der Jungpflanzen aus Wassermangel eingegangen.
Hermann Josef Stegemann mit einer der Fichten, die nicht mehr zu retten sind. Von den Nordmanntannen haben zumindest die Größeren keinen Schaden genommen – allerdings ist etwa die Hälfte der Jungpflanzen aus Wassermangel eingegangen. Foto: Bernd Schäfer

In diesem Jahr haben sich aber zumindest die Fichten als Sorgenkinder erwiesen. „Jetzt sind die Auswirkungen zu sehen, die im Sommer entstanden sind“, sagt Hermann Josef Stegemann und zeigt dabei auf einige gelbbraune, fast nadellose Gerippe die aussehen, als hätten sie schon vier Wochen im Ständer neben der Zentralheizung verbracht.

„Eine Tanne braucht eine ganze Zeit, bis sie austrocknet – das sieht man ja beim Weihnachtsbaum. Aber in diesem Jahr war es sogar für sie zu trocken.“ Vor sechs Wochen hat er in der Schonung neben dem Hof in Ostendorf schon einmal aufgeräumt und alle vertrockneten Bäume entfernt.

Mittlerweile hat es weitere erwischt, deren Karriere als festlich geschmückter Weihnachtsbaum damit vorzeitig beendet ist. „Wenn ein Baum anfängt, seine Nadeln zu verlieren, dann ist er nicht mehr zu retten“, bedauert Stegemann, während er ein bislang nur leicht angegilbtes Exemplar schüttelt – und dabei zusehen muss, wie ein Schauer von Nadeln zu Boden rieselt.

Zwischen dem Hof und dem Buchenberg liegt eine Senke, durch die ein Graben führt. „Ich bin jetzt 54 Jahre alt, kann mich also gut 40 Jahre zurückerinnern. In diesen ganzen Jahren war der Graben immer mal im Sommer für eine bis zwei Wochen trocken. Diesmal waren es über drei Monate“, macht der Landwirt die dramatische Trockenheit anschaulich.

Für Weihnachtsbaum-Käufer habe die Situation, die bei den meisten anderen Tannenbaumzüchtern ähnlich sei, in diesem Jahr jedoch noch keine größere Auswirkung. Zum einen, weil die Schäden vor allem die flachwurzelnden Fichten betreffen, während die tief wurzelnden und weitaus beliebteren Nordmanntannen noch einmal mit einer grünen Nadel davon gekommen sind. Zum anderen, weil es derzeit sowieso ein großes Angebot auf dem Markt gebe: Die Anpflanzungen nach dem Sturm Kyrill vor elf Jahren sind reif für die Ernte.

Die Schäden dieses Sommers würden sich bei den Käufern so richtig erst in acht, neun Jahren bemerkbar machen, schätzt Stegemann. Denn auch die jungen Nordmanntannen hat die Dürre hinweggerafft. „Die Hälfte von dem, was in den letzten zwei Jahren angepflanzt worden ist, wird dann fehlen.“

Für die Weihnachtszeit hat der Tannenexperte einen Tipp: Die Bäume sollten erst möglichst kurz vor dem Fest ins Haus geholt werden. „Sie haben diesmal nicht viel Wasser speichern können.“ Deshalb sei es ratsam, sie noch möglichst lange in einem mit Wasser gefüllten Eimer draußen stehen zu lassen.

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