Steinfurter Gespräche: Jens Spahn trifft Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki
„Das Ding ist noch nicht gelaufen“

Steinfurt -

Diesen Wortwitz musste Wolfgang Kubicki gleich zu Beginn des „Steinfurter Gespräches“ einfach loswerden: „Ich habe mich so auf diesen spahnenden Abend gefreut!“. Er löste damit nicht nur den ersten allgemeinen Lacher aus, sondern gab auch den freundlich-frotzelnden Ton vor, der das Gespräch zwischen den beiden politischen Hochkarätern Kubicki und Spahn prägen sollte.

Mittwoch, 14.11.2018, 15:22 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 13.11.2018, 18:28 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 14.11.2018, 15:22 Uhr
Viel Freundlichkeit, aber auch eine Prise Frotzelei prägten das Gespräch zwischen Jens Spahn und Wolfgang Kubicki.
Viel Freundlichkeit, aber auch eine Prise Frotzelei prägten das Gespräch zwischen Jens Spahn und Wolfgang Kubicki. Foto: Claudia Mertins

Wobei der Bundesgesundheitsminister und aktuelle Kandidat für den CDU-Parteivorsitz Spahn sich zunächst ganz in die Gastgeber- und Moderatorenrolle begab und die politische Vita seines Gastes vorstellte. Geboren in Braunschweig, zog es den „geschwätzigen Schüler“ direkt nach dem Abitur zum Jurastudium nach Kiel, wo er sich „sofort zu Hause gefühlt hat“. Schwärmend berichtet der FDP-Vizevorsitzende von seinen Segeltouren über die Förde, für ihn „ die beste Art abzuschalten“.

1970 trat Kubicki in die FDP ein, wurde Mitglied des Landtages von Schleswig-Holstein und prägte über 25 Jahre die norddeutsche Politik, zuletzt durch die Realisierung einer Jamaika-Koalition. Diese Stichwort griff Jens Spahn auf und wollte ganz genau wissen, woran die schwarz-gelb-grünen Koalitionsverhandlungen auf Bundesebene gescheitert sind, und ob es nicht doch ein Bedauern über den damaligen FDP-Ausstieg gibt. Kubicki antwortete sehr differenziert: „Ich halte Jamaika grundsätzlich für ein gutes Modell, aber die Biochemie hat nicht gepasst. Außerdem gab es am Ende noch über 80 „Big Points“, über die keine Einigung zu erzielen war“. Jedenfalls nicht mit den damaligen Akteuren, so erfuhr das gespannte Steinfurter Publikum exklusiv: In einer hypothetischen Konstellation Kubicki – Habeck – Spahn sähe das vielleicht ganz anders aus.

Interessant war auch der Vergleich, den Wolfgang Kubicki über das Verhältnis zwischen Landespolitik zu Bundespolitik anstellte: „Das ist wie Kreisklasse zu Champions-League, allein schon durch die Größe des Apparates und die Bedeutung der Entscheidungen“.

Der Druck in Berlin ist enorm und selbst abends in der Kneipe muss man aufpassen, was man sagt, „weil überall Journalisten lauern.“ Seinem eigenen Zitat „In Berlin werde man entweder zum Säufer oder zum Hurenbock“ wollte der FDP-Politiker nicht mehr zustimmen. Er sei inzwischen sittlich und moralisch gefestigt und außerdem ist seine Frau mit in die Bundeshauptstadt gezogen.

Als Vizepräsident des Bundestages freut sich Kubicki über eine lebhafter gewordene Debattenkultur und lobt seinen Gastgeber: „Ihre Reden sind immer besonders beeindruckend, auch weil Sie frei sprechen können.“

Was er nicht versteht, ist die Tatsache, dass die Parlamentarier immer wieder in die Provokationsfallen der AfD tappen. Im Umgang mit dieser Partei rät er zu „normalem, stilvollem Umgang, aber harter Diskussion in der Sache, wovor sich Demokraten nicht drücken sollten.“

Zum Ende des sowohl persönlich als auch politisch sehr unterhaltsamen Gespräches ging es dann – heiß erwartet – auch um Jens Spahns Kandidatur für den CDU-Parteivorsitz. Auf die Frage, welche Chancen er sich ausrechne, gab Spahn sich zuversichtlich und bewertete allein das Antreten dreier Kandidaten als positive Entwicklung für seine Partei. Den vielen Anwesenden seines Wahlkreises versprach er: „Ich bleibe mir treu, ich werde weder meine Positionen noch meine Art ändern. Das Ding ist noch nicht gelaufen und nun machen wir erstmal die vier Wochen!“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6189566?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F186%2F
Autokorso fürs Eheglück
Die Kultur türkischer Hochzeiten: Autokorso fürs Eheglück
Nachrichten-Ticker