Christof B. kämpft seit 30 Jahren gegen seine Sucht
Mit 13 die erste Pulle Korn geleert

Steinfurt -

Seit über 30 Jahren kommt Christof B. regelmäßig unregelmäßig in die Suchtberatungsstelle des Caritasverbands Steinfurt nach Borghorst. Dort hat er eine wichtige Anbindung auf seinem Lebensweg gefunden. Der begann mit vielen Aufs und Abs. „Die Geschichte meiner Sucht hat bereits in der Kindheit begonnen, in der ich zu wenig Wertschätzung und Anerkennung erfahren habe.“

Dienstag, 27.11.2018, 15:04 Uhr aktualisiert: 27.11.2018, 16:16 Uhr
Schon als Jugendlicher griff Christof B., hier ein Symbolfoto, regelmäßig zur Flasche. Seit zehn Jahren ist er jetzt trocken. Er hat an die 20 Entgiftungen hinter sich.
Schon als Jugendlicher griff Christof B., hier ein Symbolfoto, regelmäßig zur Flasche. Seit zehn Jahren ist er jetzt trocken. Er hat an die 20 Entgiftungen hinter sich. Foto: Caritas

Er entwickelte eine Essstörung, war dick und pummelig. Mit zehn begann er Bier zu trinken, mit 13 leerte er seine erste Pulle Korn, später soff er zusammen mit anderen Alkoholikern im Park.

Dennoch begann sein Erwachsenenleben zumindest von außen betrachtet erfolgreich und unauffällig: Christof absolvierte eine Maurerlehre und eine kaufmännische Ausbildung, ließ sich danach noch zum Betonbaumeister ausbilden und eiferte so seinem Vater beruflich nach. Bereits mit 18 Jahren heiratete er und bekam mit seiner damaligen Frau zwei Söhne. Doch die Ehe geriet in die Krise, bereits mit 25 Jahren ließ er sich wieder scheiden.

Auch seine zweite Partnerschaft, aus der seine Tochter stammt, scheiterte nach wenigen Jahren. „Die ganze Woche durchgesoffen“ habe er da. Und es ging ihm danach so schlecht, dass er sich bei der Suchtberatungsstelle des Caritasverbands meldete. Mit der damaligen Beraterin Irmtraud Heckmann stand er seitdem im engen Kontakt. Sie habe ihm immer und immer wieder geholfen, wenn er abgestürzt war, erinnert sich Christof B.

Zu dieser Zeit war er noch in der Baufirma seines Vaters beschäftigt. Später gründete er dann seine eigene Firma. „Wir haben eine Hütte nach der anderen gebaut“, berichtet Christoph B. nicht ohne Stolz auf seine damalige Leistungsfähigkeit. Seine Firma hatte einen eigenen Fuhrpark mit Kränen und Lieferwagen, privat legte er sich einen Sportwagen und eine Harley Davidson zu.

Manchmal habe er 16 Stunden am Tag gearbeitet – um entspannen zu können, habe er nach Feierabend wieder getrunken. Zudem war Kokain „angesagt“, damit habe er wochenlang quasi durchgearbeitet, „bis absolut nichts mehr ging“. „Ich dachte, ich könnte meine Leere mit Arbeit und Geld stopfen. Aber es hat sich nie wirklich gut angefühlt.“

Das erste Mal war Christof B. mit 31 Jahren zum Entzug in der Suchtklinik in Hörstel. Eineinhalb Jahre blieb er „trocken“, danach ging es wieder los. Ein nachhaltigerer Wendepunkt waren dann die vier Monate in einer Suchtklinik im Sauerland. „In Bad Fredeburg habe ich das erste Mal durchgeblickt, woher die Sucht eigentlich stammt, was für mich sehr schmerzhaft war.“

Fünf Jahre später verließ ihn dann das Glück vollends. Seine Baufirma wurde wegen einer Fehlkalkulation insolvent, zurück blieben 120 000 Euro Schulden. „Barvermögen, das Haus und die Harley – alles weg. Die Insolvenz hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Das war die schlimmste Zeit und die extremste Phase meiner Sucht.“ Kein Wohnsitz mehr, keine Krankenversicherung. „Ich habe bei fünf Grad im Stadtpark gepennt und ansonsten den ganzen Tag gesoffen“, erinnert er sich noch einmal.

Bis vor zehn Jahren war er geschätzte 20 Mal zur Entgiftung in Lengerich, seitdem ist er trocken geblieben – „endlich!“ Obschon es ihm zeitweise psychisch schlecht ging, hat er aber keine Drogen mehr genommen.

„Der Alkohol war der Glücklichmacher in meinem Leben. Aber der ‚gute Freund’ ist nicht mehr da“, gesteht der heute 56-jährige seine Trauer über das vergangene Leben. Er habe lange den Verzicht auf die Drogen bedauert. „Aber heute ist das abgeschlossen. Ich weiß, dass sie langfristig nicht helfen und mich wieder ins Chaos führen.“

In diesem Jahr gibt es Anlass zu feiern: „Seit zehn Jahren bin ich clean.“ Er bekommt eine Rente, arbeitet aber nebenher auf 450 Euro-Basis auf Baustellen. Der Kopf und der Körper funktionieren noch und seine Kompetenz als Maurermeister hat er konservieren können. Hobbys sind seine Brieftauben und das Laufen. Irgendwann möchte er mal einen Triathlon schaffen.

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