Die ersten für den Bau der K 76n benötigten Flächen werden am Montag enteignet
„Kreis reitet auf der Rasierklinge“

Burgsteinfurt -

Wenn die Kreisverwaltung die Enteignung von Landwirten für den Bau der K 76n fortsetzt, wollen diese sich wehren: Indem sie der FH Flächen für die beabsichtigte Erweiterung verweigern.

Freitag, 30.11.2018, 19:00 Uhr
Gerrit (l.) und Hermann Bieker vor der Wiese, die bald durch die neue Kreisstraße zerschnitten werden soll.
Gerrit (l.) und Hermann Bieker vor der Wiese, die bald durch die neue Kreisstraße zerschnitten werden soll. Foto: Bernd Schäfer

Hermann und Gerrit Bieker wirken niedergeschlagen, während sie von dem Feldweg, der zu ihrem seit Generationen bewirtschafteten Hof führt, in Richtung der Gebäude der Fachhochschule blicken, die in der Ferne erkennbar sind.

Wo jetzt noch Wiesen, auf denen im Sommer ihre eigenen Rinder grasen, und Jahrhunderte alte Eichen eine ländliche Idylle vermitteln, sollen demnächst Autos und Lastwagen über eine Kreisstraße brettern: Die K 76n. Ohne die Zustimmung der Landwirte.

Am Mittwoch hat die Kreispolitik dem kompromisslosen Kurs der Kreisverwaltung zugestimmt, die für den Bau der Straße benötigten Flächen zu enteignen. Einen ersten Vorgeschmack darauf gibt ein Schreiben der Bezirksregierung, das drei der insgesamt fünf betroffenen Landwirte ebenfalls am vergangenen Mittwoch zugestellt worden ist. Darin wird ihnen mitgeteilt, dass Teile ihrer Grundstücke ab dem kommenden Montag (3. Dezember), 0.00 Uhr, nicht mehr ihnen, sondern dem Kreis gehören.

Auch Hermann und Gerrit Bieker sind davon betroffen: Das kleine Wäldchen direkt neben ihrem Wohnhaus gehört in zwei Tagen nicht mehr ihnen. Etwa 3600 Quadratmeter groß ist die Fläche, die vom Kreis für Ausgleichsmaßnahmen benötigt wird.

Dass das so knallhart durchgezogen wird, ist schon deprimierend.

Hermann Bieker

Wenn es mit dem Bau richtig losgeht, werden die Biekers weitere rund 14 500 Quadratmeter verlieren. „Das ist heftig“, sagt Hermann Bieker mit einem Stück Verzweiflung in der Stimme. „Dass das so knallhart durchgezogen wird, ist schon deprimierend.“

Was ihn besonders erschreckt ist, dass nicht einmal ein Ergebnis des eingeleiteten Eilverfahrens vor dem Verwaltungsgericht Münster abgewartet wird, sondern gleich Fakten geschaffen werden.

Immerhin bleiben die Flächen in seinem Besitz, auf denen die Fachhochschule erweitern will. Und zu denen stellt Bieker klar: „Die werde ich nicht verkaufen.“

Wenn ihr die Straße baut, gibt es keine FH-Erweiterung.

Henning Stoyke

Damit ist er nicht allein. „Wenn ihr die Straße baut, gibt es keine FH-Erweiterung“, fasst Ortslandwirt Henning Stoyke die Stimmungslage der Landwirte gegenüber dem Kreis zusammen. „Dann hat die FH keine Chance, sich über ihre jetzigen Grenzen hinaus zu erweitern.“

Dies sei keine Haltung gegen die Fachhochschule, normalerweise würden die Landwirte ihr durchaus Flächen überlassen. Aber eben nicht im Paket mit der Kreisstraße. „Das ist ein Ritt auf der Rasierklinge für den Kreis“, macht Stoyke das Dilemma deutlich: Ohne K 76n will die FH nicht erweitern, mit der Straße kann sie dann nicht mehr – falls die Landwirte nicht doch noch einlenken.

Eine Mischung aus Empörung und Frust empfinden die Burgsteinfurter Landwirte momentan gegenüber der CDU: Bis Anfang September habe die Kreisunion den Landwirten signalisiert, dass sie auf keinen Fall enteignet würden. „Danach ist die Partei plötzlich umgekippt“, sagt Stoyke enttäuscht.

Das hat auch Hermann Bieker erlebt – zum Beispiel in Gesprächen mit dem Vorsitzenden der CDU-Kreistagsfraktion Wilfried Grunendahl und der Unsions-Kreisvorsitzende Christina Schulze Föcking.

Auch die beiden hätten immer wieder versprochen, dass es für den Bau der Straße keine Enteignungen geben werde.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6225184?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F186%2F
„Feine Sahne Fischfilet“ spielen auf dem Vainstream 2019
Die umstrittene Band „Feine Sahne Fischfilet“ wird im kommenden Jahr beim Vainstream Festival auftreten.
Nachrichten-Ticker