Alphabetisierungskurse für Migranten
Mit Erfahrung, Geduld und Humor

Burgsteinfurt -

A wie Apfel, E wie Ente, N wie Nase – dies sind die ersten Buchstaben und Worte, die die Teilnehmer des Alpha-Kurses im Bildungsinstitut Münster im Gebäude der ehemaligen Rotmanschen Fabrik an der Ochtruper Straße lernen. Was bei einem routinierten Zeitungsleser nostalgische Erinnerungen an die einstige Fibel auslösen mag, ist für Menschen aus dem arabischen Raum eine riesige Herausforderung.

Freitag, 14.12.2018, 15:30 Uhr aktualisiert: 17.12.2018, 16:30 Uhr
Enge Bindung zwischen Schüler und Lehrer: Die Integrationsklasse am Bildungsinstitut Münster bereitet sich auf den Einbürgerungstest vor. Das lateinische Alphabet in einer fremden Sprache zu lernen, bedeutet eine große Herausforderung (kl Bild).
Enge Bindung zwischen Schüler und Lehrer: Die Integrationsklasse am Bildungsinstitut Münster bereitet sich auf den Einbürgerungstest vor. Das lateinische Alphabet in einer fremden Sprache zu lernen, bedeutet eine große Herausforderung (kl Bild). Foto: cm

A wie Apfel, E wie Ente, N wie Nase – dies sind die ersten Buchstaben und Worte, die die Teilnehmer des Alpha-Kurses im Bildungsinstitut Münster im Gebäude der ehemaligen Rotmanschen Fabrik an der Ochtruper Straße lernen. Was bei einem routinierten Zeitungsleser nostalgische Erinnerungen an die einstige Fibel auslösen mag, ist für Menschen aus dem arabischen Raum eine riesige Herausforderung: Sie müssen das lateinische Alphabet in einer fremden Sprache lernen, sich die Groß- und Kleinschreibung der Buchstaben und ihren Klang einprägen – das alles im Erwachsenenalter. Weil viele von ihnen auch im Heimatland nicht zur Schule gegangen, also „primäre Analphabeten“ sind, begegnet ihnen im Integrationskurs noch eine Menge mehr an Unbekanntem: Zum ersten Mal im Leben sitzen sie in einem Klassenraum mit anderen Mitschülerinnen und Mitschülern, müssen dort den Umgang mit Stift, Papier und Büchern lernen und sich vier lange Stunden konzentrieren.

Welche enorm wichtige Rolle einer Lehrkraft in diesem Sprach-Labyrinth zukommt, umschreibt die Fachleiterin Natalia Minderlen so: „Die Lehrerin ist wie eine Mutter! Sie braucht viel Erfahrung, Geduld und Humor und sollte eine Bindung zu den Schülern aufbauen.“ In diesem Fall heißt die Lehrerin Tamara und hat selber Deutsch studiert und unterrichte erlernt, was für das Verstehen von Schwierigkeiten sehr hilfreich ist.

Für sie besteht die Herausforderung in der Heterogenität jeder Klasse, denn die Migranten aus Syrien, dem Irak, Somalia oder Kurdistan bringen ganz unterschiedliche Bildungslevel mit. Wenn sie als Asylbewerber anerkannt werden, sind sie verpflichtet, an einem Integrationskurs teilzunehmen. Dieser beinhaltet 900 Stunden Alphabetisierung plus 300 Stunden Wiederholung plus 100 Stunden „Leben in Deutschland“. Am Ende stehen B1-Prüfung und Einbürgerungstest, die Kosten dafür übernimmt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Weeam zum Beispiel hat schon sehnsüchtig darauf gewartet, endlich gründlich lesen, schreiben und Deutsch zu lernen. Sie ist mit ihrer Familie aus dem Irak geflohen und lebt seit 2015 in Steinfurt. Die aufgeweckte junge Frau ist in den Deutschkurs der katholischen Kirchengemeinde gegangen, wohin sie ihren kleinen Sohn mitnehmen konnte. Da er nun in den Kindergarten geht, kann sie am Alpha-Kurs teilnehmen und spricht flüssig die ersten deutschen Sätze: „Guten Tag, meine Name ist Weeam. Wie heißen Sie?“ Mit diesen mündlichen Übungen lockert Tamara ihren Unterricht auf, denn Sprache wird auf vielen Ebenen zugleich gelernt und soll natürlich alltagstauglich sein.

Dass ihr Unterricht Wirkung hat, bestätigt Hassan: Lachend und heftig gestikulierend drückt er aus, dass er vom Unterricht geträumt hat und alles konnte – ein schöneres Kompliment kann eine Lehrerin wohl kaum bekommen!

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