Yannick Lux feiert Weihnachten in Nigeria
„Die Menschen leben im Jetzt“

Steinfurt -

Weihnachtsstimmung kommt Yannick Lux bei 37 Grad im Schatten bislang noch nicht auf. Nicht nur die Temperatur in Nigeria unterschied sich zu der in Steinfurt, auch Weihnachtsbäume oder das Christkind gibt es dort nicht. Auf Heiligabend freut sich Lux trotzdem.

Montag, 24.12.2018, 09:00 Uhr
Yannick Lux vor dem Waisenhaus-Neubau und mit seinen Schützlingen, denen er regelmäßig Nachhilfeunterricht gibt.
Yannick Lux vor dem Waisenhaus-Neubau und mit seinen Schützlingen, denen er regelmäßig Nachhilfeunterricht gibt.

Yannick Lux ist bislang „null komma null“ in Weihnachtsstimmung. Bei 37 Grad im Schatten kein Wunder. Weihnachtsbäume, Santa Claus oder „das ganze andere Gedöns findet in Nigeria auch nicht statt“. Der Steinfurter freut sich trotzdem auf den heutigen Heiligabend . „Es wird ein Riesen-Fest“, weiß der 27-jährige Student, der für zwei Monate in dem kleinen Dörfchen Awo Ommama das Waisenhaus-Projekt der Borghorsterin Felicia Odum betreut (diese Zeitung berichtet ausführlich).

Yannick Lux hat gerade eine „mega Shoppingtour“ hinter sich. Kleinigkeiten wie Uhren, Brillen, Hefte für die Schule, Stifte, Saft oder Orangen hat der Burgsteinfurter – im vorangegangenen Artikel war er irrtümlich Borghorst zugeordnet worden, sorry dafür – für 50 Kinder im Dorf gekauft. „Da fahren die total drauf ab“, weiß Lux schon vor der Bescherung. Als Weihnachtsdeko müssen Ballons und Luftschlangen herhalten.

An die 100 Bewohner des Dorfes werden zusammen Heiligabend feiern. Das Essen durfte sich der Gast aus Deutschland aussuchen. „Es gibt gebratenen Reis mit viel Gemüse.“ Zwei Hühner müssen heute Morgen für die Fleischbeilage ihr Leben lassen. „Die schlachten wir frisch.“ Zusätzlich gibt es Ziege.

Yannick Lux denkt schon so langsam an den Abschied. Am 2. Januar geht es zurück nach Lagos, von wo er zu einer längeren Afrikarundreise startet. Er ist sich jetzt schon sicher: „Die Zeit hier in Nigeria möchte ich nicht missen.“ Obwohl sie alles andere als einfach war, ihm häufig seine persönlichen Grenzen aufgezeigt hat und der Student auch gelernt hat, dass manche Dinge einfach nicht zu ändern sind. „Ich will aber auf jeden Fall wiederkommen.“ Seine Hoffnung: „Dass ich dann sehe, dass nicht alles umsonst war.“

Der Lehramtsanwärter legt einen Schwerpunkt seiner Arbeit auf Bildung. So gibt er den Dorfkindern nach der Schule Nachhilfe. Was ihn immer wieder wundert: „Die haben da richtig Bock drauf. Die freuen sich, wenn ich ihnen Mathe beibringe.“

Daneben kümmert sich Yannick Lux natürlich um die große Baustelle im Dorf, das Waisenhaus, das mit den Steinfurter Spendengeldern gebaut wird. Da kann der 27-Jährige Vollzug melden: „Das Erdgeschoss ist dicht. Fenster und Türen sind drin.“ Außerdem hat der Klempner zwei Badezimmer mit fließend Wasser versorgt. „Bislang mussten sich die Bewohner hinterm Haus in einem Eimer waschen.“

Der Fortschritt am Bau kommt im richtigen Moment. Yannick Lux: „In der Regenzeit fegt ein für hiesige Verhältnisse kalter Wind über das Land. Da ist es gut, wenn die Menschen ein Dach über dem Kopf haben.“

Der Gast aus Deutschland schläft übrigens nicht im Dorf, sondern bei einem guten Freund von Felicia Odum in der nächst größeren Stadt Owerri. Die ist zwar nur 20 Kilometer entfernt, trotzdem dauert die Fahrt hin oder zurück oft eine Stunde. Grund sind der dichte Verkehr und die vielen Kontrollen, die die Autofahrer über sich ergehen lassen müssen und nur mit Schmiergeldzahlungen abkürzen können. Zuvor spielt Yannick Lux mit seinem Betreuer das Banken-Spiel, wie der Burgsteinfurter die Rundreise zu allen Geldautomaten der Stadt nennt. „Die meisten sind leer“, erzählt er. Das Geld wird im Dorf für Essen und Baumaterialien benötigt.

Vor ein paar Tagen bezahlte Yannick Lux einen Krankenhausbesuch für den kleinen Jungen Lucky. „Auf seinem Kopf hatte sich eine ziemlich üble Infektion ausgebreitet“, erzählt der 27-Jährige in seinem Internet-Blog. Als er mit seinem Schützling das Hospital erreicht hatte, stockte ihm der Atem: „Dass sich so etwas in der heutigen Zeit irgendwo auf diesem Planeten noch Krankenhaus nennen darf, konnte ich nicht glauben.“ Es war eine „komplett heruntergekommene Hütte mit völlig überfüllten Krankenzimmern“. Dem kleinen Lucky konnte trotzdem geholfen werden. Solche Erlebnisse sind es, die dem Steinfurter vor Augen führen, warum die Menschen in dem fremden Land sind wie sie sind: „An die Zukunft denkt hier niemand. Das Leben lehrt die Leute, nur ans Jetzt zu denken.“

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Das Projekt benötigt noch dringend Spenden. Näheres auf https://www.chiemela-ev.de. Yannick Lux‘ Blog: amclust.de/nib

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