Wachwechsel an der Annahmestelle an der Leerer Straße
Lotto-Papst sagt nach 45 Jahren ade

Burgsteinfurt -

Mehrere Einbrüche, Diebstähle und einen Überfall, auf der anderen Seite aber auch drei Millionengewinne, „von denen ich weiß“: Bernd Meinberg kann so Einiges erzählen, wenn man ihn nach seinem Berufsleben fragt. Nach 45 Jahren hat der 77-Jährige am Montag die Führung des Lottogeschäfts an der Leerer Straße abgegeben. Nachfolgerin ist Angelika Puhe.

Donnerstag, 03.01.2019, 15:00 Uhr aktualisiert: 03.01.2019, 15:02 Uhr
Wachwechsel nach 45 Jahren: Bernd Meinberg hat am Montag die Leitung des Lottogeschäfts an der Leerer Straße in Burgsteinfurt an seine Nachfolgerin Angelika Puhe übergeben.
Wachwechsel nach 45 Jahren: Bernd Meinberg hat am Mittwoch die Leitung des Lottogeschäfts an der Leerer Straße in Burgsteinfurt an seine Nachfolgerin Angelika Puhe übergeben. Foto: rs

Mehrere Einbrüche, Diebstähle, sogar ein Überfall, auf der anderen Seite aber auch drei Millionengewinne, „von denen ich weiß“: Bernd Meinberg kann so Einiges erzählen, wenn man ihn nach seinem Berufsleben fragt. Nach 45 Jahren hat der 77-Jährige am Mittwoch die Führung des Lottogeschäfts an der Leerer Straße abgegeben. Nachfolgerin ist Angelika Puhe.

Die 52-jährige Burgsteinfurterin ist am Tag der Übergabe sehr froh, dass ihr Vorgänger noch tatkräftig mit hinter der Verkaufstheke steht und manch guten Ratschlag gibt. „In der Praxis treten dann doch immer Schwierigkeiten auf, mit denen man zuvor nicht gerechnet hat“, sagt sie und spielt dabei auch auf den Andrang von Lottospielern an. Zwischen den Jahren hat es eine Sonderaktion von Westlotto gegeben. Entsprechend groß ist der Zulauf an diesem ersten Werktag im neuen Jahr. Ehemann Stefan muss gar zur Bank, weil das Budget in der Kasse ob der vielen Gewinne knapp wird.

Ihn und „Lotto-Papst“ Meinberg verbindet schon seit Jahrzehnten eine Freundschaft. Und so kam es, dass Letzterer seinen Freund vor einigen Monaten ansprach, ob er es sich vorstellen könnte, den Lotto-Laden zu übernehmen. Der wiederum sprach sich mit seiner Frau dahingehend ab, dass sie künftig als Inhaberin fungieren soll. Es folgten das obligatorische Lottoseminar als Theoriegrundlage und eine Einarbeitungszeit, die über mehrere Wochen ging. Und am Mittwoch schließlich die offizielle Übergabe.

Noch ist im Lottogeschäft in der Burgsteinfurter Altstadt alles so wie immer: Ladenausstattung, Auslagen, Tapete, Theke – alles strahlt nostalgischen Charme aus. Alsbald indes steht eine Renovierung an, wie die neue Betreiberin ankündigt. Behutsam soll sie werden, nicht zu radikal. Schließlich hat das Geschäft an der Leerer Straße eine Stammkundschaft, die zum großen Teil schon eine Jahrzehnte lange Treue vorweisen kann.

„Lotto war schon von Beginn an der Hauptumsatzträger des Geschäfts“, blickt Meinberg zurück. Was jedoch im Vergleich stark nachgelassen habe, ist der Verkauf von Zeitschriften. „In den Anfangsjahren gab es mit dem Kiosk Münch und mir nur zwei Geschäfte in Burgsteinfurt, in denen es die zu kaufen gab“, erinnert sich der „Lotto-Papst“. Als das Baumgarten-Einkaufszentrum entstand, sei der Einbruch groß gewesen. Heute habe jeder Supermarkt ein großes Zeitschriftenangebot. Dennoch wird es auch weiterhin Zeitschriften im Laden an der Leerer Straße geben. So exotische Dinge wie Kartenspiele oder Pfeifen indes wohl nicht mehr. Die Neu-Inhaberin passt die Angebotspalette an: „Wir planen eine Kooperation mit der Rösterei Kater mit einem To-Go-Angebot“, berichtet Angelika Puhe.

Bernd Meinberg sieht seinem nun anbrechenden Ruhestand mit etwas gemischten Gefühlen entgegen. „Der Kundenkontakt wird mir fehlen“, gibt er freimütig zu. Über die Jahre ist manch enge Verflechtung entstanden. Auch über private Dinge wurde beim Ausfüllen des Lottoscheins oder beim Aussuchen der Zeitschrift gesprochen. „Ich war oft so etwas wie ein Beichtvater“, lacht Meinberg. Gesprächsthema war regelmäßig auch der Fußball: Meinberg ist glühender BVB-Fan.

Seit 60 Jahren existiert das Lottogeschäft, Angelika Puhe ist die dritte Betreiberin. Sie freut sich auf die neue Aufgabe als Ladenbesitzerin, möchte etwas Längerfristiges aufbauen. Zuvor war sie in diversen Teilzeitjobs tätig. Im neuen beruflichen Tätigkeitsfeld kann sie zumindest aushilfsweise auf die Mithilfe des Vorgängers bauen. Meinberg: „Ich springe gerne ein, wenn einmal eine Urlaubsvertretung gesucht werden sollte.“ So würde sich die Gelegenheit ergeben, die lange bestehenden Kontakte zu pflegen – und wenn nötig, auch Beichtvater zu sein.

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