Keine Bordelle mehr in Steinfurt
Freier müssen fahren

Steinfurt -

„Ambassador“, „Daddy Cool“, „Club Herz Dame“ und natürlich die „B 54“. Es ist ja nicht so, als wenn Steinfurt schon immer ein weißer Fleck auf der Landkarte für das Rotlicht-Milieu gewesen wäre. Mittlerweile ist die weiße Schrift auf dem Dach von Steinfurts bekanntestem Nachtclub in Sellen verblasst, nachdem das Etablissement kurzzeitig Karriere als vermeintliche Hühnerfarm der „Bandidos“-Rocker gemacht hatte – die sich später als überdachte Cannabis-Plantage entpuppte.

Montag, 14.01.2019, 23:00 Uhr
Lang, lang ist es her, dass in Steinfurt offiziell dem Rotlicht-Gewerbe nachgegangen wurde. Die „B 54“ ist lange geschlossen und inzwischen in städtischem Besitz.
Lang, lang ist es her, dass in Steinfurt offiziell dem Rotlicht-Gewerbe nachgegangen wurde. Die „B 54“ ist lange geschlossen und inzwischen in städtischem Besitz. Foto: unbekannt

Nein, das älteste Gewerbe der Welt hat Steinfurt den Rücken gekehrt. Zumindest offiziell. Nach Auskunft des Kreises Steinfurt, der Buch über „Betriebe zur Ausübung des Prostitutionsgewerbes“ zwischen Hopsten und Altenberge führt, müssen sich Freier außerhalb des Stadtgebiets verlustieren. Offiziell gibt es weder in Borghorst noch in Burgsteinfurt Personen oder Clubs, die der gewerblichen Prostitution nachgehen. Und auch Johannes Schencking als Chef des örtlichen Ordnungsamtes hat keinerlei Erkenntnisse über das Anschaffen in Steinfurt. Nachtclubs gebe es schon lange nicht mehr. Prostitution in normalen Wohnungen? Der Fachdienstleiter verweist auf das Baurecht: „In normalen Wohngebieten ist das verboten.“                                              

Auch kreisweit ist das Angebot sehr überschaubar, wie ein Blick in die Statistik offenbart. Zwölf Clubs gibt es, die eine Erlaubnis des Kreises zur Ausübung des Horizontal-Gewerbes haben. Und es hat seit dem 1. Juli 2017 genau 65 Anmelde- und Beratungsgespräche mit Prostituierten bei der Kreisordnungsbehörde gegeben. An diesem Tag trat das neue Prostituiertenschutzgesetz in Kraft, das solche Unterredungen vor der Registrierung zur Pflicht macht.

Zwölf Bordelle, die körperliche Liebe gegen Geld anbieten, im gesamten Kreisgebiet, darüber können die Hamburger nur schmunzeln. Dort sind nach Recherchen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ derzeit 179 Betriebe registriert, fast 1000 Huren angemeldet. Geschätzt gibt es in der Hansestadt sechsmal so viele. In der Nachbarstadt Bremen sollen es 1000 sein. Hamburg hat ein eigenes Amt gegründet, das sich ausschließlich mit dieser Materie befasst. In ganz Nordrhein-Westfalen soll es um die 42 000 Sex-Arbeiterinnen geben. Bis März 2018 waren davon 3900 registriert.

Aufgrund dieser geringen Meldezahlen wird derzeit intensiv darüber diskutiert, ob das neue Gesetz tatsächlich seinen Zweck erfüllt und die Prostituierten schützt. Gründe für die Zurückhaltung bei der Registrierung gibt es einige: Zum einen haben die Verwaltungen wenig Erfahrungen in diesem Metier. Zum anderen wollen sich viele Betroffene nicht auf diesem Wege outen, vermuten die Experten.

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