Neuer Kämmerer Andreas Meyer
„Für mich war es ein logischer Schritt“

Steinfurt -

Seit dem 1. Dezember vergangenen Jahres leitet Andreas Meyer die städtische Kämmerei. Welche Herausforderungen sieht der 50-Jährige für die kommenden Jahre auf die Stadtfinanzen zukommen, welche Prioritäten will er setzen? Antworten gibt er im Interview.

Freitag, 18.01.2019, 15:36 Uhr
Neu im Amt als Kämmerer, aber innerhalb der Stadtverwaltung schon ein „alter Hase“: Andreas Meyer arbeitet bereits seit 1990 im Rathaus, viele Jahre davon als stellvertretender Fachdienstleiter.
Neu im Amt als Kämmerer, aber innerhalb der Stadtverwaltung schon ein „alter Hase“: Andreas Meyer arbeitet bereits seit 1990 im Rathaus, viele Jahre davon als stellvertretender Fachdienstleiter. Foto: rs

Geräumiges Büro, Schreibtisch mit viel Ablagefläche, dazu eine kleine Sitzgruppe für Gesprächsrunden – Andreas Meyer hat sich an seinem neuen Arbeitsplatz im Rathaus eingerichtet. Seit dem 1. Dezember vergangenen Jahres leitet der 50-Jährige, der Wert darauf legt, Steinfurter genannt zu werden, obwohl er aus dem Ortsteil Borghorst stammt, die städtische Kämmerei. Redaktionsmitglied Ralph Schippers sprach mit dem Nachfolger von Heike Melchers , der in seiner Freizeit gerne Mountainbike fährt und im Chor singt, über die Herausforderungen im neuen Job als oberster Wächter der Stadtfinanzen.

Herr Meyer, Sie haben die Nachfolge von Heike Melchers angetreten. Was hat Sie an der neuen Aufgabe gereizt?

Andreas Meyer: Da ich das städtische Finanzwesen ja bereits seit Jahren als stellvertretender Kämmereileiter kenne, war es für mich ein logischer Schritt, nun den Leitungsposten zu übernehmen. Die Bürgermeisterin hat mir die Frage gestellt, ob ich es mir vorstellen könnte, den Job zu machen. Das konnte ich, weil ich mich in dem Metier sicher fühle und weil ich bereit war, zusätzliche Verantwortung zu übernehmen.

Warum gab es bei der Neubesetzung kein öffentliches Ausschreibungsverfahren wie zum Beispiel beim Technischen Beigeordneten?

Meyer: Der Fachdienstleiter Finanzen ist zwar Mitglied des Verwaltungsvorstands, es handelt sich aber nicht um eine Wahlbeamtenstelle. Es gab jedoch eine interne Ausschreibung. Auf die habe ich mich beworben – als einziger Kandidat übrigens. Offizieller Amtsantritt war der 1. Dezember, zuvor war ich allerdings schon zwei Monate kommissarischer Fachdienstleiter.

Was sehen Sie als die größten Herausforderungen als Kämmerer in den nächsten Jahren, wo wollen Sie Prioritäten setzen?

Meyer: An erster Stelle stehen für mich die Ordnung und Sicherung der städtischen Finanzen. Dazu können wir vor Ort selbst viel beitragen, vieles ist aber auch fremdbestimmt. Nach Jahren in der Haushaltssicherung konnte in diesem Jahr erstmals ein ausgeglichener Etat vorgelegt werden. Das wollen wir in den nun folgenden Jahren fortsetzen. Keine leichte Aufgabe, denn trotz der guten Entwicklung darf man nicht vergessen: Wir haben Altlasten aus früheren Zeiten. Das gilt für den relativ hohen Bestand an Kassenkrediten, aber auch – trotz kontinuierlichem Abbau – für die langfristigen Schulden. Der eingeschlagene Konsolidierungskurs muss in beiden Bereichen fortgesetzt werden. Vorrangiges Ziel ist es, die kurzfristigen Schulden auf null zu drücken. Bei den langfristigen Verbindlichkeiten stehen wir derzeit bei 46 Millionen Euro, es waren schon mal über 60. Es gilt, den mitunter schwierigen Spagat zwischen Schuldenabbau und moderater Belastung des Bürgers auf der einen Seite und erforderlichen Investitionen in die kommunale Infrastruktur auf der anderen Seite auch zukünftig hinzubekommen. Was Investitionstätigkeit über das Maß der Pflichtaufgaben hinaus anbelangt, wird es sicher auch in Zukunft schwierig sein, Mittel zur Verfügung zu stellen.

Sie treten ihr Amt in einer vergleichsweise günstigen Haushaltskonstellation an. Gibt ihnen das Rückenwind?

Meyer: Das macht manches einfacher, ja. Aber die Entwicklung war bereits seit längerem absehbar. Wir hatten schon in den Jahren 2015 und 2016 ein positives Ergebnis im Jahresabschluss – obwohl wir im Entwurf mit einem Defizit geplant hatten. Darin spiegelt sich die gute Konjunktur wider, die wir auch im Moment noch haben. In die Zukunft schauen kann ich aber nicht. Ob die Gewerbesteuereinnahmen weiter steigen oder doch sinken werden, das ist wie in die Glaskugel schauen. In der Vergangenheit gab es da immer wieder Überraschungen. Wir planen daher eher vorsichtig.

Im Verwaltungsvorstand sind Sie der „Neue“ im Quartett. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit im Führungsteam aus Ihrer Sicht?

Meyer: So ganz „neu“, wie es von außen scheinen mag, bin ich in dem Gremium nicht. Ich hatte wegen der lange offenen Personalsituation schon seit geraumer Zeit an Sitzungen teilgenommen. Jedes Mitglied vertritt seinen Bereich, wobei ich als Kämmerer eigentlich immer gefragt bin. Es geht halt stets auch ums Geld. Das bedeutet, dass ich in allen Bereichen angefangen von der Feuerwehr bis hin zur Kindergartenbedarfsplanung Bescheid wissen muss.

Seit 2015 gab es im städtischen Führungsteam eine große Fluktuation. Sollte Maria Lindemann in diesem Jahr als Bürgermeisterin von Spelle in Amt und Würden gelangen, wovon nach Stand der Dinge auszugehen ist, wäre das Team komplett ausgetauscht. Sehen die diese Entwicklung eher als Vor- oder als Nachteil?

Meyer: Ich will das gar nicht näher bewerten. Es ist halt so, wie es ist – und es ist größtenteils auch gar nicht zu steuern gewesen. Mein Vorteil ist es, wie bereits gesagt, dass ich auch den Jahren zuvor immer mal wieder in den Sitzungen des Verwaltungsvorstands gewesen bin. Es ist zwar formell ein festes Gremium. Aber die Zusammensetzung variiert temporär – je nach Themen, die es zu besprechen gilt. Der Sachverstand von weiteren Fachgebietsleitern und darüber hinaus ist immer gefragt. Es gibt also eine gute Mischung von „Alteingesessenen“ und Novizen. Ich sage es mal so: Wenn in einem Rutsch ein Komplettaustausch erfolgt wäre, dann wäre es sicher von Nachteil gewesen.

Während der jüngsten Etatberatungen wurde seitens der Politik auch die Frage diskutiert, ob es angesichts der positiven Entwicklung im Haushalt Zeit ist, den Bürger nach Jahren der zusätzlichen Belastung auch einmal zu entlasten – zum Beispiel über die Senkung der Grundsteuer. Ein Ansatz, den Sie nachvollziehen können?

Meyer: Natürlich kann ich das nachvollziehen. Wir sind in der Tat im Vergleich mit den Kommunen in der Umgebung vergleichsweise hoch mit unseren Ansätzen der Grundsteuern. Es ging während der Beratungen indes nicht um eine Senkung, sondern um den Verzicht einer erneuten Anhebung, die ja schon in den Vorjahren beschlossen worden ist. Meine Meinung – und im Übrigen auch die weiter Teile der Politik – war die, dass wir darauf nicht verzichten sollten – zumindest in diesem Jahr noch nicht. Dies auch vor dem Hintergrund, dass wir den Haushalt noch genehmigen lassen müssen. Im Haushalt 2020, so der Verwaltungsvorschlag, kann über eine Entlastung dann intensiver nachgedacht werden.

Zum Abschluss bitte ich Sie, einen kleinen Ausblick zu wagen. Wo sehen Sie die Finanzen der Stadt in fünf Jahren?

Meyer: Ich würde mir wünschen, dass wir auch in fünf Jahren einen ausgeglichenen Haushalt aufstellen können und die finanziellen Rahmenbedingungen ungefähr auf dem Niveau von heute verbleiben. Was die Zinsen betrifft, gehen die meisten Analysten davon aus, dass diese noch für einen mindestens mittelfristigen Zeitraum auf dem aktuellen Stand verharren. Ich glaube auch nicht an einen Anstieg. Denn auf europäischer Ebene ist die EZB an einer Änderung ihrer aktuellen Zinspolitik nicht interessiert. Sie wird angesichts der Verschuldung von Staaten wie Portugal, Griechenland oder Italien alles tun, um eine Zinssteigerung zu verhindern. Ansonsten würde dies in kürzester Zeit für die genannten Staaten in ein finanzielles Fiasko münden. Was unsere Situation als Kommune betrifft, können wir selbst viel tun, aber ich hoffe natürlich auch darauf, dass die Rahmenbedingungen weiter stimmen werden. Beispiel Schlüsselzuweisungen: Eigentlich hätten diese in diesem Jahr sinken müssen, weil unsere Steuerkraft zuletzt gestiegen ist. Sind sie aber nicht, weil der Gesamttopf, aus dem das Land die Zuweisungen gewährt, größer geworden ist.

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