Beerdigung von Amts wegen
Ganz allein zur letzten Ruhe

Steinfurt -

Ein Mensch wird zu Grabe getragen, aber niemand nimmt Abschied: Bei „Bestattungen von Amts wegen“ ist es oft einsam auf dem Friedhof. Beerdigungen von Amts wegen für mittellose Verstorbene ohne Angehörige gibt es auch in Steinfurt immer mal wieder. Rund 1500 bis 2000 Euro kostet die Kommune eine solche Bestattung.

Dienstag, 22.01.2019, 15:00 Uhr aktualisiert: 22.01.2019, 21:08 Uhr
In einem hinteren Bereich des Kommunalfriedhofs gegenüber dem Gräberfeld für muslimische Verstorbene liegt eine Rasenfläche, die unter anderem auch für Sozialbestattungen reserviert ist. Eine Gedenktafel weist auf die Namen der Verstorbenen hin – bis 2013 (kl. Bild).
In einem hinteren Bereich des Kommunalfriedhofs gegenüber dem Gräberfeld für muslimische Verstorbene liegt eine Rasenfläche, die unter anderem auch für Sozialbestattungen reserviert ist. Eine Gedenktafel weist auf die Namen der Verstorbenen hin – bis 2013 (kl. Bild). Foto: rs

Ein Mensch wird zu Grabe getragen, aber niemand nimmt Abschied: Bei „Bestattungen von Amts wegen“ ist es oft einsam auf dem Friedhof. „Vielleicht ist mal ein Pfleger aus dem Altenheim dabei, der eine besondere Beziehung zu dem Verstorbenen hatte. Oder ein Nachbar oder Freund“, weiß Margot Twilfer von der Friedhofsverwaltung im Rathaus. Sie ist eingebunden in das Verfahren einer Sozialbestattung, an dem in der Regel auch ein Bestattungsunternehmen und das Ordnungsamt beteiligt sind.

Die Beerdigung von Amts wegen greift für diejenigen, die zu Lebzeiten keinerlei Vermögen besaßen, um für den letzten Weg vorzusorgen, und auch keine Angehörigen oder nur solche Verwandte haben, die als Leistungsempfänger (Hartz IV) die Kosten nicht begleichen können. In diesem Fall regelt die Stadt die letzten Angelegenheiten. „Das kommt in Steinfurt vor, aber es kommt relativ selten vor“, weiß Johannes Schencking . Im vergangenen Jahr seien es zwei Fälle gewesen, in den Jahren davor auch schon mal bis zu sieben oder acht, berichtet der Fachdienstleiter Sicherheit und Ordnung.

Wie die Behörde dabei vorgeht, ist genauestens geregelt – im Bestattungsgesetz. Grundsätzlich gilt, nicht nur in diesem besonderen Fall, dass ein Verstorbener innerhalb von zehn Tagen nach dem Tod beerdigt oder eingeäschert werden muss. Nur diese Frist hat auch die Kommune zunächst, um herauszufinden, ob der Verstorbene nicht doch noch Verwandte hat. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Kosten der Bestattung sonst zu Lasten des Stadthaushalts und damit letztlich des Steuerzahlers gehen. Verpflichtet zur Bestattung ist die Kommune nämlich nur dann, wenn keine Hinterbliebenen vorhanden bzw. diese nicht zahlungsfähig sind. Die Reihenfolge ist gesetzlich genau geregelt: Ehegatte, Lebenspartner, volljährige Kinder, Eltern, volljährige Geschwister, Großeltern und volljährige Enkelkinder.

Die Stadt Steinfurt bemüht sich, bei einer Sozialbestattung einen würdevollen Rahmen zu gewährleisten. Dabei wird auch der letzte Wille des Verstorbenen soweit als möglich berücksichtigt. Existiert der nicht, wird in aller Regel eine Urnenbestattung vorgenommen. In einem Bereich des Kommunalfriedhofs „Langen Stiege“ ist extra ein Bereich für anonyme Bestattungen eingerichtet. Auf das Setzen von Grabsteinen oder Tafeln wird in diesem Fall verzichtet.

Aber auch ohne diese Posten nimmt die Stadt rund 1500 bis 2000 Euro für eine solche Bestattung in die Hand. Existiert ein Testament oder gibt es einen amtlichen Betreuer, der über die Finanzen des Verstorbenen wacht, macht die Kommune im Nachgang der Bestattung ihre Kosten geltend. Dann haben in letzter Konsequenz Nachlassgerichte das Sagen.

Johannes Schencking ist ganz froh, dass eine Beerdigung von Amts wegen in der Kreisstadt die große Ausnahme ist. In Großstädten sei dies ganz anders, sagt der Ordnungsamtschef angesichts der zunehmenden Einrichtung von Sammelbegräbnissen, bei denen nicht selten 20 oder mehr Sozialbestattungen gleichzeitig stattfinden – ohne dass Menschen dabei sind, die um die Verstorbenen trauern.

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