Alexander Leewe gibt Tipps, um furchtlos hinter das Lenkrad zu steigen
Keine Angst vorm Fahren

Ein halbes Jahr nach dem 16. Geburtstag kann jeder Jugendliche das erste Mal zur Fahrschule gehen und nach einigen abgeleisteten Theoriestunden auch mit Begleitung selbst fahren. Viele können es kaum abwarten, das Lenkrad in die Hand zu nehmen und dann mit erworbenem Führerschein, zuerst mit den Eltern und dann mit 18 auch alleine oder mit Freunden, das Fahrrad gegen das Auto einzutauschen. Allerdings wirkt dieser neue Lebensabschnitt nicht für jeden einladend. Der ungewohnte Umgang mit Steuer, Schaltung und Kupplung scheint einschüchternd und bei dem Gedanken an den öffentlichen Verkehr und die eigene am Ende der Fahrstunden wartende Prüfung kommt manchmal Unbehagen auf.

Donnerstag, 24.01.2019, 15:04 Uhr aktualisiert: 27.01.2019, 15:22 Uhr
Irgendwann kommt der Moment, in dem die Jugendlichen sich für den Führerschein anmelden. Wie Vorbereitung und Prüfung angstfrei gemeistert werden, erklärt Fahrlehrer Alexander Leewe im Interview.
Irgendwann kommt der Moment, in dem die Jugendlichen sich für den Führerschein anmelden. Wie Vorbereitung und Prüfung angstfrei gemeistert werden, erklärt Fahrlehrer Alexander Leewe im Interview.

Alexander Leewe , Fahrlehrer der gleichnamigen Fahrschule, kennt Fahrschüler, die der Gedanke an die ersten Fahrstunden nicht unbedingt erfreut und muss sich daher in seinem Beruf in einigen Fällen fragen: „Wie kommt es zu dieser Angst und wie kann ich meinem Fahrschüler diese nehmen?“ Die Jugendfrei-Redaktion hat sich mit ihm getroffen, um einige Tipps für Fahranfänger zu bekommen

WN : Würden Sie sagen, dass jeder Fahranfänger Angst vor dem Fahren hat? Und wissen Sie, woher diese Angst kommt?

Alexander Leewe: Grundsätzlich muss man bei dieser Frage ganz klar zwischen „gesundem Respekt“ und tatsächlicher Angst unterscheiden. Ersteres hat annähernd jeder und da spielt es keine Rolle, welches Geschlecht oder Alter. Dabei gilt, Respekt ist gut, Angst überflüssig. Grundsätzlich hat Angst immer einen bestimmten Ursprung. Die eine Gruppierung hat Angst vor der Prüfung, die andere vor einem eventuellen Unfall oder anderen Dingen, die vielleicht passieren könnten. In der Regel sind das die Angstarten, die recht schnell verschwinden (wobei ein gewisser Respekt vor einer Prüfung wohl bei 95 Prozent der Fahrschüler nie ganz verschwindet). Manche Fahrschüler haben allerdings schon schlechte Erfahrungen mit dem Straßenverkehr gemacht, entweder am eigenen Leib oder mit Bekannten.

WN: Wie gehen Sie mit der Angst der Fahrschüler um?

Alexander Leewe: Ich denke, dass man Fahrschülerinnen und Fahrschülern, die mit „Angst vorm Fahren“ zu kämpfen haben, zunächst einmal die Chance geben muss, dass sie offen mit meinen Kollegen und mir reden können, vor allem auch wollen. Diese Personen (Fahrschüler, die schon schlechte Erfahrungen im Straßenverkehr gemacht haben), haben ein deutlich höheres Bedürfnis nach Sicherheit und Kontrolle. Grundsätzlich kann man aber für alle Anwärter zusammenfassen: Jeder, aber auch wirklich jeder, braucht das Gefühl, das kontrollieren zu können, was er gerade tut. Kontrollverlust ist, wie sicherlich jeder leicht nachvollziehen kann, ein höchst unangenehmes Gefühl. Daher macht es Sinn, Dinge langsam anzugehen, Blicke zu schulen und vor allem sich frühzeitig und zum richtigen Zeitpunkt auf die verschiedenen Situationen vorzubereiten.

WN: Was halten Sie von technischen Hilfen, wie Fahrsimulatoren, für den Zugewinn von Sicherheit und Kontrolle?

Alexander Leewe: Leider wird diese Hilfe immer noch stark unterschätzt und von manchen sogar belächelt oder gar als Spielzeug abgetan. Doch damit tut man dieser wunderbaren Entwicklung definitiv Unrecht. Selbst Personen, die noch absolut gar keine Vorerfahrung haben, bekommen einen guten Einblick und haben die Möglichkeit, motorische Fähigkeiten zu erlangen und zu festigen. Wir selbst sind immer wieder überrascht, wie gut vorbereitet die Anwärter sind, wenn sie diese Art von Service in Anspruch genommen haben. Zudem spart es in der Regel noch eine Menge Geld (was ja ebenfalls ein nicht von der Hand zuweisendes Argument ist).

WN: Wie kann das Training mit dem Fahrlehrer, aus Ihrer Sicht, im öffentlichen Verkehr die Angst nehmen?

Alexander Leewe: Wir sind eigentlich immer bedacht, Fahrschülern zum richtigen Zeitpunkt das Nötigste abzunehmen und sie nicht zu überfordern. Letztendlich kann man davon ausgehen, dass gerade mit einem Fahrschulauto aus eigenem Verschulden nichts passieren kann. Dazu kommt, dass wir als Fahrlehrer daneben sitzen und alle Handlungen abnehmen können und Hilfestellungen gerne anbieten. Zudem ist es hilfreich, einen Fahrlehrer zu wählen, bei dem man sich gut aufgehoben fühlt. Fahrschulen in der heutigen Zeit sind keine „One-Man-Show“ mehr. Sprecht offen mit Eurer Fahrschule und sagt, mit wem Ihr gerne eure Fahrstunden absolvieren wollt. Jeder hat dafür Verständnis.

WN: Was würden Sie abschließend Jugendlichen raten, die alleine schon vor der Anmeldung zu große Angst haben?

Alexander Leewe: Sehr, sehr häufig hören meine Kollegen und ich, dass der Freund wegen Lappalien durchgefallen ist. Solche Aussagen haben in der Regel zur Folge, dass Anwärter sich einem enormen Leistungsdruck unterstellt fühlen. Wichtig ist, dass offen über diese Dinge mit dem Fahrlehrer gesprochen wird. Wenn ihr Fragen habt, welche Gründe es gibt, eine Prüfung nicht zu bestehen, dann sprecht uns bitte an. Ratschläge von euren Freunden sind sicherlich gut gemeint, können aber auch unbewusst Ängste verstärken.

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