Auftakt zum Jubiläumsjahr mit Ausstellung „De Stijl in den Niederlanden“
Bauhaus überall

Borghorst -

Der Wunsch von Heinrich-Neuy-Tochter Hedwig Seegers zum 100. Bauhaus-Geburtstag hat sich zu Beginn des Jubiläumsjahres bereits erfüllt. Seegers hatte sich in dieser Zeitung eine Besucherschlange vom Arnold-Kock-Brunnen bis zur Eingangstür des Heinrich-Neuy-Bauhausmuseums gewünscht. Hätten sich die Gäste der Vernissage am Sonntagmorgen vor dem Stiftshaus aufgereiht, es hätte geklappt. So mussten sie die Exponate unter der Überschrift „De Stijl in den Niederlanden“ nach der offiziellen Eröffnung im Schichtdienst bestaunen. Für viele Bauhaus-Fans garantiert Anlass, den Kirchplatz 5 in den nächsten Wochen noch einmal anzusteuern, um Bilder, Modelle und Texte in aller Ruhe anzuschauen. Zeit haben sie bis zum 19. Mai.

Sonntag, 03.02.2019, 16:06 Uhr
Ohne Moos. . . Stadt und Kreis unterstützen das Bauhaus-Jubiläum mit zusammen 35 000 Euro. Karin Grave, Maria Lindemann, Claudia Seeger, Manfred Vellmer, Dr. Klaus Effiing und Josef Schwermann präsentierten die symbolischen Schecks. Derweil gab es bei der Vernissage keinen freien Sitzplatz mehr (kl. Foto).
Ohne Moos. . . Stadt und Kreis unterstützen das Bauhaus-Jubiläum mit zusammen 35 000 Euro. Karin Grave, Maria Lindemann, Claudia Seeger, Manfred Vellmer, Dr. Klaus Effiing und Josef Schwermann präsentierten die symbolischen Schecks. Derweil gab es bei der Vernissage keinen freien Sitzplatz mehr (kl. Foto). Foto: Axel Roll

Dass das kleine, aber feine und vor allen Dingen einzige Bauhausmuseum in Deutschlands Westen im Rahmen des Jubiläums eine ganz besondere Rolle spielt, das machten am Sonntag eine Reihe von Festrednern deutlich. An der Spitze Landrat Dr. Klaus Effing , der gleich einen Scheck in Höhe von 25 000 Euro mitgebracht hatte. Geld, das von der Gesellschaft zur Förderung gemeinnütziger Zwecke zur Verfügung gestellt wird. Effing wörtlich: „Wir sind von Ihrem Vorhaben total begeistert. Wenn wir gekonnt hätten, hätten wir noch mehr gegeben.“

Es wird in den kommenden Monaten nicht nur Ausstellungen in herkömmlichem Sinne geben. Nein, unter der ordnenden Hand von Claudia Seeger haben sich vier Kooperationspartner in der Region gefunden, die das Bauhaus für jede         Altersgruppe auf unterschiedlichen Interessensebenen vorstellen möchten.

Da ist die Bagno-Konzertgalerie, deren Kulturkreis Musiker gesucht hat, die das Bauhaus auch klanglich erfahrbar machen und die Musik aus der Moderne in Kontrast setzen zu den bekannten Klassikern. Kulturkreis-Mitglied Josef Schwermann: „Das ist vielleicht nicht für jeden ein Ohrenschmaus, aber trotzdem sehr hörenswert.“ Das Kloster/Schloss Bentlage in Rheine wird sich den Studenten widmen und Kurse sowie Studientage anbieten. Claudia Seeger ist überzeugt: „Da wird ein reger Austausch stattfinden.“

Die Altenberger Kulturwerkstatt widmet sich dem Nachwuchs und lädt Kindertagesstätten und Schulen ein, sich mit den Bauhaus-Ideen künstlerisch auseinanderzusetzen.

Parallel wird es in Steinfurt weitere Events geben, die sich in die überregionale Veranstaltungsreihe „100 Jahre Bauhaus im Westen“ einordnen. Eines der Highlights wird das Düsseldorfer „Theater der Klänge“ sein, das von Bauhaus-Lehrer Oskar Schlemmer maßgeblich beeinflusst ist und im Arnoldinum auftreten wird. Claudia Seeger verspricht: „Oskar Schlemmer, mehr Bauhaus geht nicht.“

Dass den Organisatoren das Klinkenputzen für das Auftun von Sponsoren erspart blieb, ist mit der Stadt Steinfurt zu verdanken, die 10 000 Euro für den Bauhaus-Geburtstag beisteuerte. Für Erste Beigeordnete Maria Lindemann gut investiertes Geld: „Das Ganze hat nach zweijähriger Planungsphase eine unglaubliche Dynamik entwickelt.“

Das konnte Lene ter Haar, Kulturreferentin im niederländischen Generalkonsulat in Düsseldorf, nur bestätigten. Sie war am Sonntag das erste Mal im Heinrich-Neuy-Bauhausmuseum, von seiner Konzeption mehr als angetan und freut sich auf eine „grenzüberschreitende Kooperation“ zum Bauhaus-Jubiläum. Sie möchte diese kulturelle Dimension in der Politik verankert wissen.

Wie so eine Zusammenarbeit konkret aussehen kann, schilderte Dr. Dagmar Kronenberger-Hüffer als Kuratorin der am Sonntag eröffneten „ De Stijl “-Ausstellung. Viele der am Kirchplatz gezeigten Werke stammen aus Drachten, aus dem dortigen Museum „Dr8888“, das sich dem Vater der „Stijl“Bewegung, Theo van Doesburg, widmet. Im Gegenzug ist es nicht ausgeschlossen, dass die Bilder von Heinrich Neuy einmal in der niederländischen Stadt zu sehen sind.

Aber erst einmal können sich die Bauhaus-Fans auf deutscher Seite ein Bild davon machen, wie die niederländische Avantgarde mit ihren abstrakten Ansätzen Anfang des 20. Jahrhunderts Einfluss auf die Künstler- und Handwerker-Schule nahm. Nach dem Willen von Theo van Doesburg hätte es durchaus noch ein bisschen mehr sein können. Obwohl er glaubte: „In Weimar habe ich alles radikal auf den Kopf gestellt.“  

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6366894?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F186%2F
Ist in Münster Platz für Lastenräder?
Pro & Contra: Ist in Münster Platz für Lastenräder?
Nachrichten-Ticker