Sebastian Thomas und Marvin Alfes
Helfer beim Übergang in die Erwachsenenwelt

Burgsteinfurt -

Im Talentschuppen weht ein frischer Wind: Sebastian Thomas und Marvin Alfes leiten die Jugendeinrichtung der AWo seit kurzem gemeinsam. Und auch inhaltlich hat sich in der offenen Jugendarbeit einiges verändert. Die WN schauten sich bei einem Treffen mit den beiden Sozialarbeitern in den Räumlichkeiten am Burgsteinfurter Bahnhof um.

Mittwoch, 13.02.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 14.02.2019, 15:28 Uhr
Sehen sich als Berater der Jugendlichen: Die beiden Sozialarbeiter Sebastian Thomas (l.) und Marvin Alfes stehen im neu gestalteten Konferenzraum im Obergeschoss des Jugend- und Kulturbahnhofes „Talentschuppen“.
Sehen sich als Berater der Jugendlichen: Die beiden Sozialarbeiter Sebastian Thomas (l.) und Marvin Alfes stehen im neu gestalteten Konferenzraum im Obergeschoss des Jugend- und Kulturbahnhofes „Talentschuppen“. Foto: Ralph Schippers

Nichts ist beständiger als der Wandel – auch im „Talentschuppen“ im Burgsteinfurter Bahnhofsgebäude. Das gilt für die hauptamtlichen Kräfte, die die Jugendlichen und jungen Leute im von der Arbeiterwohlfahrt und der Stadt Steinfurt gemeinsam betriebenen Jugendeinrichtung pädagogisch begleiten. Das gilt indes ebenso für die inhaltliche Betreuungsarbeit, die im Jugend- und Kulturbahnhof geleistet wird, und deren Rahmenbedingungen.

2017 hat Sebastian Thomas die Einrichtungsleitung von Vorgängerin Lisa Gude übernommen, ihm zur Seite steht seit rund einem halben Jahr Marvin Alfes . Die Sozialarbeiter mit Bachelorabschluss, beide 27 Jahre alt, koordinieren die Angebote in der offenen Jugendarbeit und stehen als Ansprechpartner bei allen Fragen rund um das Erwachsenwerden zur Verfügung. „Für viele der Jugendlichen, die in unsere Einrichtung kommen, sind wir nach Schule und Elternhaus der wichtigste soziale Kontakt und fast schon so etwas wie eine zweite Familie“, berichtet Sebastian Thomas.

Rund 65 Jugendliche zählen zu dem Stammbesuchern im „Talentschuppen“. Die meisten sind zwischen 15 und 21 Jahre alt. Der Mädchenanteil beträgt rund ein Drittel. Im Durchschnitt sind die weiblichen Nutzer etwas jünger als die männlichen Besucher. Mehr als zwei Drittel, so schätzen die beiden AWo-Mitarbeiter, haben einen Migrationshintergrund. Neben Jugendlichen, die arabische Wurzeln haben, sind es oft auch Heranwachsende, deren Vorfahren aus Osteuropa stammen oder Russlanddeutsche sind.

Es ist eine nicht immer einfache Gemengelage, mit der sich das Betreuer-Duo konfrontiert sieht. „Uns ist besonders wichtig, dass alle Besucher unabhängig von ihrer Herkunft, ihren Vorlieben oder Abneigungen, Stärken und Schwächen wahrgenommen und wertgeschätzt werden“, macht Marvin Alfes den Kern der pädagogischen Arbeit im „Talentschuppen“ deutlich. Der Grundsatz lautet dabei stets, sich an den Wünschen und Bedürfnissen der Jugendlichen zu orientieren.

„Wir merken schon, dass sich die Familienstrukturen verändert haben“, ergänzt Sebastian Thomas. Ein-Eltern-Familien, Berufstätigkeit beider Eltern und der immer stärker werdende Einfluss der Digitalisierung auf das Alltagsleben nennt er als Stichpunkte. Die Sozialarbeiter seien dann als Berater in Stresssituationen sehr gefragt. Probleme mit Alkohol- oder Drogenkonsum seien hingegen weniger geworden. Die strengen Regeln zeigen offenbar Wirkung. „Wer von uns beim Kiffen erwischt wird, muss gehen“, sagt Alfers. „Das riskiert keiner, der unsere Gemeinschaft schätzt.“

Neben der Vermittlung sozialer Fähigkeiten steht auch ganz konkrete Projektarbeit auf der Agenda. Vor allem im Obergeschoss des „Talentschuppens“ hat sich zuletzt viel getan: Ein neuer Konferenzraum sowie eine Aufnahmekabine mit Mikrofonanlage und Mischpult sind entstanden. „Das haben die Jugendlichen zusammen mit unserer Honorarkraft Dennis weitgehend selbst gemacht“, berichtet Thomas. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Stichwort Digitalisierung: Mittlerweile Standard im Talentschuppen ist nicht nur das Vorhandensein der neuesten Spielekonsole, in diesem Fall der Playstation 4. Auch ein offenes WLAN sowie Laptops, um zum Beispiel Hausaufgaben zu erledigen, sind selbstverständlich. Für Filmvorführungen stehen Beamer und Leinwand bereit. Als besonderes Einzelprojekt heben die Jugendhausmitarbeiter das Graffiti-Projekt am Bahnhofstunnel hervor (wir berichteten bereits). Der „Talentschuppen“ sei als einer von mehreren Bündnispartnern mit im Boot.

Um das pädagogische Angebot erweitern zu können, setzt die AWo als Trägerin nicht nur auf die Intensivierung der Zusammenarbeit mit Partnern wie OT-Heim, mobile Jugendarbeit, Kinderkiste oder Dampfross, sondern auch auf zusätzliche Honorarkräfte. Insbesondere weibliche Unterstützung ist gefragt, um die Angebote in der Mädchenarbeit intensivieren zu können. Wer als Studierende zum Beispiel der Sozialarbeit oder Erziehungswissenschaften einen Praktikumsplatz sucht, kann sich beim „Talentschuppen“ melden (Telefon 02551/ 70 17 77).

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