Leonie Lohmann hilft Mobbingopfern
Angst, anderen ausgeliefert zu sein

Borghorst -

Leonie Lohmann weiß, wovon sie spricht. Die junge Frau hat selbst erlebt, was es heißt, Opfer von Mobbing zu sein. „Ich hatte früher oft Angst, zur Schule zu gehen.“ Besonders schlimm sei es gewesen, wenn Klassenfahrten anstanden. „Dann hatte ich die Befürchtung, den anderen ausgeliefert zu sein.“

Montag, 18.02.2019, 17:00 Uhr
Leonie Lohmann ist eine von zwei Ansprechpartnern des Vereins „Stop Bullying“, die jeden Donnerstag von 16 bis 17 Uhr in der Familienbildungsstätte für Gespräche zur Verfügung stehen.
Leonie Lohmann ist eine von zwei Ansprechpartnern des Vereins „Stop Bullying“, die jeden Donnerstag von 16 bis 17 Uhr in der Familienbildungsstätte für Gespräche zur Verfügung stehen. Foto: Bernd Schäfer

Seit etwas mehr als einem Jahr ist sie im Verein „Stop Bullying – Gemeinsam gegen Mobbing“ aktiv und lernte dort andere Menschen kennen, die ebenfalls darunter litten, immer wieder zur Zielscheibe von Spott und Anfeindungen zu werden. Und wie sie lernten, damit umzugehen und sich dagegen zu wehren. „Seitdem bin ich viel selbstbewusster geworden“, sagt Leonie Lohmann . Und nennt als Beispiel: „Früher habe ich mich geduckt, wenn ich einen Spruch gekriegt habe. Jetzt gebe ich einen zurück.“

Doch auch wenn sie sagt, dass Mobbing generell kein Thema mehr für sie sei: „Mobbing-Opfer bleiben ihr ganzes Leben lang Mobbing-Opfer“, weiß Siegfried Pleimann , der den Verein gegründet hat. Das hat auch Leonie Lohmann schon erfahren müssen: „Als ich mich für einen gemobbten Klassenkameraden eingesetzt habe, bin ich direkt selbst wieder unter Beschuss gekommen.“

Um anderen dabei zu helfen, aus der Spirale von Spott und Anfeindungen und dadurch sinkendem Selbstwertgefühl zu kommen, bietet der Verein „Stop Bullying“ immer donnerstags von 16 bis 17 Uhr in der Familienbildungsstätte an der Schulstraße offene Sprechstunden an. Bislang war Siegfried Pleimann vor Ort, um Mobbingopfer zu beraten, ab dem kommenden Donnerstag stehen Leonie Lohmann und Rainer Schooß als Ansprechpartner in Borghorst zur Verfügung.

„In der Beratung lassen wir unsere Besucher erst einmal erzählen“, beschreibt Pleimann das, was hinter der Tür im obersten Geschoss der Familienbildungsstätte vor sich geht. Schließlich habe Mobbing unzählige unterschiedliche Erscheinungsformen. „Statistisch gesehen gibt es in jeder Schulklasse drei Mobbingopfer, bei Arbeitnehmern sind manchen Untersuchungen nach sogar bis zu 80 Prozent betroffen“, sagt Pleimann. Allerdings seien die Grenzen fließend, nicht jeder dumme Spruch sei gleich eine Mobbingattacke. „Mobbing fängt da an, wo jemand von anderen ständig unter Druck gesetzt wird“, lautet seine Definition. Wenn jemand erst einmal zum Mobbing-Opfer geworden ist, seien selbst Schul- oder Arbeitsplatzwechsel oft keine Lösung mehr – da es am neuen Ort direkt weitergehe. Die neuen Mitschüler oder Kollegen wüssten in der Regel ganz schnell, warum jemand die Schule oder den Betrieb gewechselt hat. „Das Gerede ist schneller als die Bildzeitung.“

Mit ihrer Arbeit im „Stop Bullying“-Verein wollen Siegfried Pleimann, Leonie Lohmann und ihre weiteren Mitstreiter nicht nur anderen Betroffenen handfeste Hilfe leisten, sondern dem Thema auch mehr Bewusstsein in Gesellschaft und Politik verschaffen. „Mobbing ist immer noch nicht als Krankheit anerkannt, es wird wie Burnout oder Depression behandelt“, bedauert Pleimann. Dabei habe Mobbing ganz andere Ursachen und Auswirkungen. „Die Betroffenen werden oft so weit gebracht, dass sie Angst haben, zur Arbeit zu gehen, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen oder Partnerschaften einzugehen.“

Dabei sei es durchaus möglich, aus dem Teufelskreis auszubrechen – wie es auch Leonie Lohmann geschafft hat. „Ich merke das auch, wenn ich frühere Klassenkameraden treffe. Ich sehe, wie sie denken: Die ist nicht mehr so wie früher und wird sich mir gegenüber anders verhalten.“

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