Unbekannte richten regelmäßig Schäden auf dem Friedhof an
Der seelische Schaden ist schlimmer als der materielle

Burgsteinfurt -

Die bösen Überraschungen erlebte Ralf Geißler schon häufiger: Herausgerissene Blumen, umgestürzte Holzkreuze, zerschmetterte Zierfiguren. „Normalerweise räumen wir das einfach auf“, sagt der Friedhofsgärtner. Seit einiger Zeit nimmt es mit dem Vandalismus auf dem Evangelischen Friedhof an der Ochtruper Straße aber überhand.

Donnerstag, 21.02.2019, 09:50 Uhr aktualisiert: 21.02.2019, 11:21 Uhr
Auch auf dieser Grabstelle wurde eine Engelsfigur zerschmettert – gut erkennbar sind auch noch die Spuren des Verursachers, die von der Polizei gesichert wurden.
Auch auf dieser Grabstelle wurde eine Engelsfigur zerschmettert – gut erkennbar sind auch noch die Spuren des Verursachers, die von der Polizei gesichert wurden. Foto: Ralf Geißler

„Alle paar Tage liegen hier kaputte Engel herum, gerade erst wurde ein ganzes Grab verwüstet. Ich habe lange nichts gesagt, aber jetzt wurde es zu viel.“ Erstmals hat Geißler jetzt auch die Polizei verständigt, die am Tatort Spuren – unter anderem Schuhsohlenabdrücke – sicherte.

Weinend am Grab der Verstorbenen 

„Vom finanziellen Wert her ist das meist keine große Sache“, sagt Pfarrer Guido Meyer-Wirsching . Viel schlimmer sei der seelische Schaden bei den Angehörigen, wenn sie die Zerstörungen sehen und dann oft fassungslos und weinend am Grab der Verstorbenen stehen. „Das ist das wahre Ausmaß“, sagt der Pfarrer. Insofern sei der Vandalismus alles andere als ein Kavaliersdelikt.

Fehlender Respekt 

Über die Motivation können Ralf Geißler und Guido Meyer-Wirsching nur rätseln. „Vielleicht macht das jemand kaputt, weil er selbst Frust im Leben hat.“ Warum er diesen Frust ausgerechnet auf einem Friedhof ablässt, ist ein weiteres Rätsel. „Normalerweise haben die meisten Menschen einem Friedhof gegenüber Respekt“, weiß Meyer-Wirsching und meint: „Das ist auf jeden Fall der völlig falsche Ort, um seinen Aggressionen freie Bahn zu lassen.“

Die Eigentümerin eines der zuletzt verwüsteten Gräber hat Anzeige bei der Polizei erstattet, ob der oder die Täter jemals zur Rechenschaft gezogen werden können, ist unsicher. Ganz sicher ist dagegen: „Wir werden hier jedenfalls keine Kameras aufstellen.“

Sachbeschädigung und Störung der Totenruhe 

Falls der Täter erwischt wird, wird er sich nicht nur wegen Sachbeschädigung, sondern wohl auch wegen Störung der Totenruhe verantworten müssen. Wobei der Pfarrer noch einmal betont: „Ich zerstöre nicht nur einen Engel, sondern füge einem Menschen Schaden zu – nicht körperlich, aber seelisch.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6407268?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F186%2F
„Wir erleben ein Wunder“
Frühstücksgespräch: Die Stornos beim Interview in der Küche von unserem Redaktionsmitglied Stefan Werding.
Nachrichten-Ticker