Pfarrer em. Karl Holthaus feiert diamantenes Priesterjubiläum
Gedanke kam im „Zwölfzylinder“

Borghorst -

Zum ersten Mal kam Karl Holthaus der Gedanke, Geistlicher zu werden, an einem dafür eher ungewöhnlichen Ort: 1944 wurde der damals 13-jährige Schüler zur Ausbildung als Wehrmachtshelfer abkommandiert.

Donnerstag, 21.02.2019, 12:00 Uhr aktualisiert: 21.02.2019, 16:18 Uhr
Auch als emeritierter Pfarrer weiß Karl Holthaus noch genau darüber Bescheid, was in St. Nikomedes vor sich geht.
Auch als emeritierter Pfarrer weiß Karl Holthaus noch genau darüber Bescheid, was in St. Nikomedes vor sich geht. Foto: Bernd Schäfer

Den wenigen praktizierenden Katholiken wurde zwar prinzipiell gestattet, am Sonntagsgottesdienst einer nahe gelegenen Kirche teilzunehmen – allerdings erst, nachdem sie ihre Sonderaufgaben erledigt hatten. Und die bestand für den jungen Karl Holthaus darin, den „Zwölfzylinder“ des Heims zu putzen, also den Toilettenraum mit seinem Dutzend stiller Örtchen. Das war in der Zeit vor dem Gottesdienst einfach nicht zu schaffen, dafür öffnete ihm diese Schikane den Blick auf den Nationalsozialismus: „Mit diesem Verein will ich nichts zu tun haben.“

Schon von seinen Eltern hatte Holthaus, der am 21. Februar vor genau 60 Jahren zum Priester geweiht wurde, eine kritische Einstellung zum Hitler-Regime mitbekommen. Als in der Pogromnacht 1939 die Synagoge auf der anderen Straßenseite seines Elternhauses in Rheine brannte, wollte eine Tante die neugierig zuschauenden Kinder ins Bett schicken. Der Vater hielt sie davon ab: „Das sollen die sehen – die werden selbst noch darunter leiden.“ Tatsächlich blieb der Eindruck nachhaltig: „Die Menschenverachtung der Nazis hat mich schon als Kind furchtbar geärgert.“

Am 6. Dezember 1970 wurde Karl Holthaus als Pfarrer in der St. Nikomedes-Kirche eingeführt. Am kommenden Sonntag feiert er an dieser Stelle sein diamantenes Priesterjubiläum.

Am 6. Dezember 1970 wurde Karl Holthaus als Pfarrer in der St. Nikomedes-Kirche eingeführt. Am kommenden Sonntag feiert er an dieser Stelle sein diamantenes Priesterjubiläum. Foto: Bernhard Hülsmann

Nach dem Kriegsende nahmen sich der heute 87-Jährige und seine Freunde und Mitschüler Vorbilder, die auch unter den Nazis als Christen standhaft geblieben waren. Und das oft mit der Haft in einem Konzentrationslager bezahlen mussten. „Wir waren von der Kriegszeit geprägt und wussten: So etwas wollen wir nicht noch einmal haben.“

Nach dem Abitur am Gymnasium Dionysianum 1953 begann Holthaus das Theologiestudium in Münster. Dort wohnte er gemeinsam mit anderen Priesterkandidaten im Borromäum. Dieses „spirituelle Zusammenleben“ in dem Seminar, das es heute noch gibt, sei eine wichtige Etappe auf dem Weg zum Priesterberuf. „Wenn Sie merken, dass Sie die Verbindung zum Herrgott nicht haben, dann können Sie gleich die Klamotten hinwerfen – dann hat das keinen Sinn.“

Bei seiner Einführung wurde das neue Oberhaupt der Pfarrgemeinde auch von den weltlichen Würdenträgern begrüßt.

Bei seiner Einführung wurde das neue Oberhaupt der Pfarrgemeinde auch von den weltlichen Würdenträgern begrüßt. Foto: Bernhard Hülsmann

Holthaus hatte die Verbindung, am 21. Februar 1959 wurde er im Dom zu Münster zum Priester geweiht – unter anderem gemeinsam mit den späteren Bischöfen Reinhard Lettmann und Franz Kamphaus. Seine Abschlussarbeit hatte er zuvor bei Joseph Höffner geschrieben, dem sozialpolitischen Berater der Regierung Konrad Adenauers und späteren Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Der bot ihm an, nach der vorgeschriebenen Zeit als Kaplan, die er in der St. Ludgerus-Gemeinde in Ahlen absolvierte, zu promovieren.

Holthaus wollte eigentlich lieber seelsorgerisch tätig bleiben. Als jedoch eine Stelle als Religionslehrer an den Kaufmännischen und Handels-Lehranstalten in Ahlen frei wurde, übernahm er 1963 auch diese Aufgabe.

1970 erhielt er die Bitte seines ehemaligen Weihekurs-Kollegen Reinhard Lettmann, der inzwischen Generalvikar des Bistums Münster war, wieder in den seelsorgerischen Dienst zurückzukehren – in die Borghorster St. Nikomedes-Gemeinde, damals eine der größten Gemeinden des Bistums. Holthaus sagte ja und trat am Nikolaustag 1970 seinen Dienst an, den er bis zur Emeritierung 2001 ausübte.

Ausgerechnet was ihm anfangs am meisten abverlangte, wurde mit der Zeit sein Spezialgebiet. „Ich merkte schnell die Schwachstelle unserer priesterlichen Ausbildung: Wir werden zwar auf die pastoralen Aufgaben vorbereitet – aber hier war ich plötzlich Chef von Schulen, Kindergärten und eines ganzen Krankenhauses.“

Nach dem ersten Schreck über die zusätzlichen Aufgaben folgte die Erkenntnis, dass wirtschaftliche Dinge ihm durchaus lagen. „Ich habe wohl ein Talent im Umgang mit Geld“, sagt Holthaus in der Rückschau. Beweise dafür gibt es einige: 30 Jahre lang war er Vorstandsvorsitzender des Dekanatscaritasverbands Steinfurt, 22 Jahre lang Mitglied im Diözesansteuerrat, zehn Jahre Sprecher aller katholischen Krankenhäuser des Bistums und 24 Jahre lang Vorstandsvorsitzender der „Bistumsbank“ DKM Darlehenskasse Münster, die rund drei Milliarden Euro verwaltet. Erst im Alter sei ihm klar geworden, dass das gute Verständnis für Finanzen wohl in seiner Familie liege: Vater Bernhard war Versicherungsagent, mehrere seiner Geschwister sind oder waren in Wirtschafts- oder juristischen Bereichen tätig.

Als Chef des Caritasverbands krempelte er dessen Struktur um, aus dem einst ehrenamtlich geleiteten Verbund wurde ein gemeinnütziges Wirtschaftsunternehmen mit Hunderten von Mitarbeitern, vielen Häusern, vom Kindergarten bis zum Seniorenheim, und Aufgabenbereichen. Bei vielen der Einrichtungen war Holthaus oberster Bauherr, etwa beim Heinrich-Roleff-Haus oder den Caritas-Werkstätten in Langenhorst und Burgsteinfurt. Für sein Engagement wurde er 2004 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Eine Ehre, die er relativiert: „Ich hatte viele Menschen, die mir geholfen haben – das hätte ich nie alleine tun können.“ Im Rückblick fasst Holthaus seine 60 Jahre als Priester so zusammen: „Ich freue mich, dass der liebe Gott mich gut geleitet hat – auch wenn er einen mal auf den Bauch fallen lässt. Auch das habe ich erlebt.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6407312?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F186%2F
WWU Baskets flambieren auch die Bayern-Talente
Wild entschlossen: Münsters Kai Hänig
Nachrichten-Ticker