Anna Ulaieva konzertiert in der Bagno-Konzertgalerie
Atem raubender Musikgenuss

Steinfurt -

Wer am Samstagabend im ersten Vorfrühlingshauch in die Bagno-Konzertgalerie gepilgert war, erlebte mit der Pianistin Anna Ulaieva einen regelrecht atemraubenden Musikgenuss. Überzeugte die ukrainische Ausnahme-Klaviervirtuosin im ersten Programmteil mit formidablen Überraschungen, so zelebrierte sie nach der Pause mit Johannes Brahms Sonate für Klavier Nr. 3 op. 5 nachgerade Meisterliches.

Sonntag, 24.02.2019, 13:26 Uhr aktualisiert: 26.02.2019, 15:42 Uhr
Fesselte die Zuhörer bei ihrem Vortrag in der Konzertgalerie: Anna Ulaieva, Weltklassepianistin aus der Ukraine.
Fesselte die Zuhörer bei ihrem Vortrag in der Konzertgalerie: Anna Ulaieva, Weltklassepianistin aus der Ukraine. Foto: mfa

Es war sicher mehr als nur eine Reminiszenz an die Gründungs- und Blütezeit der Steinfurter „Grande Galerie pour les concerts“ die Sonate op. 26 Nr. 2 fis-moll von Muzio Clementi an den Beginn ihres Programms zu stellen, dessen Musik zu Unrecht wenig in Konzertsälen zu hören ist. Anna Ulaieva interpretierte das Stück nicht etwa verspielt, sondern zupackend, frisch, durchdacht ohne irgendwie akademisch zu gestalten. Alexander Skrjabins Sonate Nr. 2 op. 19, wenn auch bald 100 Jahre später entstanden, ist in der Tonfarbe dunkler, aber stets auch fein ziseliert und überzeugte vor allem im unsteten und kraftvollen Presto.

Wie so oft an diesem Abend ließ die junge Pianistin bei einer Suite aus dem Ballett „Der Nussknacker“ vom Peter Tschaikowsky nach einer intensiven Konzentrationsphase die ersten Töne wie aus dem Nichts heraus entstehen und sofort präsent erscheinen. In dieser von dem großen Pianisten und Dirigenten Mikhail Pletnev gesetzten Klavierfassung ist „Der Nussknacker“ viel mehr als ein Märchen mit Märschen und Tänzen. Kongenial und frappierend stellte Anna Ulaieva die mitunter wuchtige Klangsprache vor. Beim Tanz der Zuckerfee beispielsweise war nichts einfach nur süßlich, sondern man hörte geradezu die Zuckerkristalle sprühen und knistern. So wie die Pianistin den „Nussknacker“ im Bagno auftreten ließ, bekam diese Musik eine wirklich neue Facette, eine interessante und durchaus bewegende Tiefe.

Und erst recht die Art und Ernsthaftigkeit, mit der sich die Ukrainerin dann nach der Pause der Brahmssonate näherte und widmete, die Vielschichtigkeit und damit auch die Widersprüchlichkeit in Brahms Schaffen den aufmerksamen Zuhörern sozusagen vor Ohren führte, fesselte und überzeugte in gleichem Maße. Spieltechnisch sowieso über jedweden Zweifel erhaben, arbeitete Anna Ulaieva in ihrer umsichtigen Interpretation die Brüchigkeit, Expressivität und das große Suchen in der Sonate des Hamburger Meisters überzeugend heraus.

Zwei heftig erklatschte nachgerade beschwingt oder fast jazzige Zugaben mit südamerikanischen und ukrainischen Anklängen ließen ein bemerkenswertes Konzert mit einer restlos überzeugenden Pianistin ausklingen.

Martin Fahlbusch

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