Christoph Leuders will Rathauschef werden
Student – und bald Bürgermeister?

Steinfurt -

Er ist 23 Jahre jung, Student des Wirtschaftsingenieurwesens auf dem Steinfurter Campus der Fachhochschule Münster – und er bewirbt sich um das Amt des Bürgermeisters. Ja, richtig gelesen: Christoph Leuders ist wohl der erste Student der FH, der solch ein Amt anstrebt.

Dienstag, 26.02.2019, 15:42 Uhr aktualisiert: 26.02.2019, 17:29 Uhr
Christoph Leuders studiert im fünften Semester Wirtschaftsingenieurwesen (Vertiefungsrichtung Chemietechnik) an der FH Münster Campus Steinfurt. Er kandidiert für das Bürgermeisteramt seiner Heimatstadt Gronau.
Christoph Leuders studiert im fünften Semester Wirtschaftsingenieurwesen (Vertiefungsrichtung Chemietechnik) an der FH Münster Campus Steinfurt. Er kandidiert für das Bürgermeisteramt seiner Heimatstadt Gronau. Foto: Ralph Schippers

Er ist 23 Jahre jung, Student des Wirtschaftsingenieurwesens auf dem Steinfurter Campus der Fachhochschule Münster – und er bewirbt sich um das Amt des Bürgermeisters. Ja, richtig gelesen: Christoph Leuders ist wohl der erste Student der FH, der solch ein Amt anstrebt. Und nein, er fordert nicht wie der ebenfalls an der FH tätige Frank Müller Claudia Bögel-Hoyer heraus. Leuders hat seinen Hut in den Ring um die Nachfolge von Sonja Jürgens (SPD) geworfen. Die ist Rathauschefin in Gronau. Und während sich die Steinfurter noch Zeit lassen können mit der Bürgermeisterwahl, steckt der parteilose Leuders schon mitten drin im Wahlkampf: Am Sonntag in einer Woche fallen die Würfel in der 50 000-Einwohner-Stadt an der niederländischen Grenze. Mit im Boot ist mit Rainer Doetkotte auch noch ein Kandidat der CDU.

Zwischen Klausuren und Wahlkampf

„Die vergangenen Wochen waren schon extrem anstrengend“, sagt der Blondschopf, der im Stadtteil Epe aufgewachsen ist. Um für die heiße Phase der Wahlkampfauftritte zeitliche Kapazitäten freizuschaufeln – unter anderem gab es jüngst eine von der Gronauer WN-Redaktion moderierte Podiumsdiskussion – legte Leuders seine Klausurtermine an der FH zusammen. Gleich fünf Prüfungen hat er im Februar absolviert. Da musste so manche Nachtschicht eingelegt werden, um den wissenschaftlichen Stoff aufzuarbeiten und zugleich mit seinem Team strategische Überlegungen für die Kandidatur festzuzurren. Am 14. März, also kurz nach dem Wahltermin, hat der Student dann noch eine letzte schriftliche Klausur vor der Brust. Danach wäre er mit dem theoretischen Teil seines Bachelorstudiengangs in Chemietechnik durch.

Gesetzt den Fall, er würde vier Tage zuvor zum Gronauer Rathauschef gewählt werden: Wie ginge es dann mit dem Studium weiter? „Ich werde es dann unterbrechen, hoffe aber, dass ich zusammen mit meinen Professoren eine Sonderregelung für den praktischen Teil meines Abschlusses finden kann“, sagt Leuders. Er baut dabei auch auf die Übergangszeit, die ihm verbleibt, bis er das Amt antreten muss.

Was ihn zur Kandidatur bewogen hat

Was hat ihn, der bislang über keinerlei politische Erfahrung verfügt, zur Kandidatur bewogen? „Kannst du dir nicht vorstellen, Bürgermeister zu werden?“, sei er im Freundeskreis gefragt worden. Das habe ihn veranlasst, „sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen“. Dabei sei das Interesse am politischen Handeln auf lokaler Ebene stetig gewachsen: „Es ist spannend, vor Ort etwas voranzutreiben“, sagt Leuders, der nach eigenen Worten schon als Jugendlicher politisch interessiert war.

Sollte er gewählt werden, will er weniger moderierender Bürgermeister sein, sondern eigene Ideen einbringen. Neben der Innenstadtentwicklung sieht er eine Hauptaufgabe in der Digitalisierung der Verwaltung. „Da kommt jede Menge auf uns zu, ich habe den Eindruck, als ob viele das noch nicht begriffen haben“, betont Leuders, der sich an der FH ein Jahr lang als Vorsitzender des Fachschaftsrats engagiert hat.

Von Epe nach Steinfurt

Zu Steinfurt hat der 23-Jährige in den bisherigen fünf Semestern seines Studiums keine allzu große Beziehung aufbauen können. Klar hat er einige Partys in der Altstadt („Die hat ein sehr schönes Ambiente“) gefeiert und auch schon bei Kommilitonen übernachtet. Zuvorderst aber ist der Eperaner, wenn er in der Kreisstadt ist, auf dem Campus anzutreffen und ansonsten wie so viele Studierende Pendler. Mit den Studienbedingungen an der FH ist er „sehr zufrieden“. Vor allem der enge Kontakt zu den Professoren gefällt ihm. „Mit ihnen kommt man gut ins Gespräch und jeder kennt einen beim Namen.“

Indes: Bis zur Wahl wird er wohl nicht mehr nach Stemmert kommen. Der Wahlkampf fordert ihn zu hundert Prozent. Anders als die Mitbewerber hat er als parteiloser Einzelkandidat keinen Politik-Apparat und auch kein großes Budget im Rücken: „Ich kann nicht auf solche Ressourcen zurückgreifen, sondern nur auf Eigeninitiative, Familie und Freunde.“

In der Gronauer Politik-Szene werden dem Newcomer nicht allzu große Chancen auf den Rathaussessel eingeräumt. Leuders selbst gibt sich pragmatisch: „Es gibt zwei Szenarien: Entweder die Wähler entscheiden, dass das, wofür ich stehe, gut ist. Oder sie wollen kein Risiko eingehen und möchten, dass alles so bleibt, wie es ist“, spricht‘s und bringt flugs ein paar Lehrbücher zurück in die Studentenbibliothek auf dem Campus Steinfurt. Leuders in ganz ähnlicher Pose als Gronauer Bürgermeister mit einer Aktentasche unter dem Arm? Man wird sehen...

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