Interview mit dem SPD-Bürgermeisterkandidaten Frank Müller
„Mit Sachargumenten überzeugen“

Steinfurt -

Frank Müller heißt aller Voraussicht nach der Bürgermeisterkandidat der Steinfurter SPD. Der Vorsitzende der Ortspartei ist 49 Jahre alt, Leiter der Zentralen Einrichtung des Fachbereichs Elektrotechnik und Informatik der Fachhochschule und seit zehn Jahren Mitglied des Stadtrates. Müller ist unter anderem Vorsitzender des Personalrats der FH und stellvertretender Vorsitzender des Verdi-Ortsvereins. Über seine persönlichen Beweggründe für die Kandidatur sprach Frank Müller mit WN-Redaktionsleiter Axel Roll.

Freitag, 01.03.2019, 15:50 Uhr aktualisiert: 01.03.2019, 16:38 Uhr
Der 49-jährige Frank Müller will für die SPD gegen Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer antreten. Die Wahl ist im Herbst 2020.
Der 49-jährige Frank Müller will für die SPD gegen Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer antreten. Die Wahl ist im Herbst 2020. Foto: Axel Roll

Was hat die SPD bewogen, bei der Bürgermeisterwahl in 2020 mit einem eigenen Kandidaten anzutreten?

Müller : Bürgermeister und Rat werden erstmalig seit langem wieder an einem Sonntag gewählt. Da stellt sich für Partei und Vorstand die Frage, wie transportiere ich am besten das Wahlprogramm? Mit der Bürgermeisterkandidatur kann ich mich persönlich bekannt machen und darüber hinaus auf dem Podium die Wahlaussagen der Partei begründen. Darüber hinaus haben wir aus dem letzten Wahlergebnis gelernt, dass die Bürgerschaft unter mehreren Bewerbern wählen können sollte, das wirkt auch der Parteiverdrossenheit entgegen.

Was hat Sie jetzt bewogen, Ihren Hut in den Ring zu werfen?

Müller: Ich bin ein Team-Spieler. Wir haben im Vorstand vor mehreren Monaten den einstimmigen Beschluss gefasst, dass wir mit einem eigenen Kandidaten ins Rennen gehen. In der Mitgliederversammlung Ende letzten Jahres wurden dem Vorstand einige Kriterien mit auf den Weg gegeben. Die Person soll aus Steinfurt kommen, politisch vor Ort aktiv und nicht zu alt sein. Da bat der Vorstand mich, für das Bürgermeisteramt zu kandidieren. Für mich persönlich bedeutet das eine neue Herausforderung. Beruflich und politisch habe ich alles erreicht. In der Gremienarbeit bin ich bis auf Landesebene aktiv.

Claudia Bögel-Hoyer hat ja schon gesagt, dass sie auf jeden Fall wieder antreten wird. Also geht es für Sie auch darum zu kommunizieren, was ein Frank Müller kann, was eine Claudia Bögel-Hoyer nicht kann. Das wäre?

Müller: Mir geht es darum, die soziale Komponente noch mehr in die Politik einzubringen. Was mir und der Partei an ihrer Arbeit nicht gefallen hat, ist die Aussage: Das übernimmt der Bürger dann in Eigenverantwortung. Ob es die Bepflanzung von Blümenkübeln ist oder ob der erste Investor im Weberquartier seine Vorstellungen nach seinen Wünschen umsetzen wollte, ohne die Verträglichkeit zu hinterfragen. Da sage ich deutlich: Das kann ich besser.

War es für die SPD denn keine Option, mit den anderen Parteien einen gemeinsamen Kandidaten zu suchen?

Müller: Die Option mit der CDU haben wir nicht gesehen. Der Bürger hat da beim letzten Mal klar entschieden. Eine Große Koalition gegenüber einer Bürgermeisterin zu fahren, darin sehen wir keinen Sinn. Ob es da noch Gespräche mit den kleineren Fraktionen wie den Grünen gibt, weiß ich jetzt noch nicht. Wir haben uns erst einmal auf uns besonnen und gesehen, dass der Bürger mit unserer Arbeit nicht so ganz unzufrieden zu sein scheint. Schließlich haben wir bei der letzten Wahl zwei Sitze hinzugewonnen. Wir stehen auf jeden Fall für Gespräche mit den Parteien und Wählergemeinschaften zur Verfügung.

Welche Schritte sind jetzt noch formal notwendig, um die Wahl von Frank Müller als Bürgermeisterkandidat der SPD parteiintern festzuzurren?

Müller: Die offizielle Wahl ist laut Wahlgesetz ab August möglich. Ich werde in der Jahreshauptversammlung zur Wahl stehen, die voraussichtlich im September stattfinden wird. Uns war es wichtig, ein möglichst transparentes Verfahren für die Kandidatenkür zu nutzen. Dabei war es uns wichtig, dass der Kandidat hier vor Ort wohnt, arbeitet und auch seine politische Arbeit macht. Und das nicht nur für die Wahl, sondern auch darüber hinaus.

Gibt es schon Grundpositionen, die sich in einem Wahlprogramm des SPD-Bürgermeisterkandidaten niederschlagen werden?

Müller: Das ist jetzt noch zu früh. Wir sind eineinhalb Jahre vor der Wahl, da wird sich in Steinfurt noch eine Menge bewegen. Was ich aber sagen kann: Ich habe einen gewissen Anspruch an mich selbst. Das habe ich auch bei der Versammlung klar gesagt. Mein Wahlkampf wird sich nicht polarisierend darstellen. Ich werde mit Sachargumenten in den Wahlkampf gehen. Das habe ich schon immer so gemacht und das werde ich nicht ändern. Seit acht Jahren bin ich Vorsitzender der Steinfurter SPD, die Mitglied kennen meine Art. Wäre ich plötzlich ein anderer, würde mir das keiner glauben.

Das heißt, im Rat wird jetzt nicht plötzlich eine Krawallschachtel mit Namen Frank Müller sitzen, um politisch zu punkten?

Müller: Nein, auf keinen Fall. Die konstruktive Fraktionsarbeit steht bei uns immer im Vordergrund. Wir werden keinen eineinhalbjährigen Wahlkampf vom Zaun brechen, wir wollen für Steinfurt weiterhin alles erreichen und dazu gehört, die Bürgermeisterin nicht zu blockieren. Es geht auch darum, etwas gegen die Wahlverdrossenheit zu unternehmen.

Wie waren bislang die Reaktionen auf Ihre Kandidatur?

Müller: Die Reaktionen, die ich bekommen habe, waren bislang durchweg positiv. Und viele trauen mir aufgrund meiner langjährigen Erfahrung in vielen leitenden Funktionen durchaus zu.

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