Sexuelle Gewalt
Zwei Frauen rufen Opfer auf, ihr Schweigen zu brechen: „Hey, redet darüber!“

Borghorst -

Wer Opfer sexueller Gewalt wird, redet normalerweise nicht darüber. Leidet aber oft sein Leben lang darunter. Und gerät in einen Teufelskreis.

Freitag, 15.03.2019, 15:52 Uhr aktualisiert: 15.03.2019, 16:26 Uhr
Petra Meyer und Renate Foppe wollen das Thema sexuelle Gewalt und ihre Spätfolgen aus der Tabuzone holen. Auch um andere gar nicht erst zu Opfern werden zu lassen.
Petra Meyer und Renate Foppe wollen das Thema sexuelle Gewalt und ihre Spätfolgen aus der Tabuzone holen. Auch um andere gar nicht erst zu Opfern werden zu lassen. Foto: Bernd Schäfer

Das zeigt sich aktuell an den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche , die erst nach Jahrzehnten bekannt werden. Oder an den Missbräuchen in Lügde, wo mehr als 30 Kinder zu Opfern wurden – ohne sich gegenüber Eltern oder Behörden äußern zu können.

„Viele sagen einem, man dürfe nicht darüber reden“, weiß Renate Foppe aus eigener Erfahrung. Auch sie erlebte in ihrer Jugend sexuelle Gewalt. „Irgendwann lässt man einfach alles über sich ergehen – egal ob von Männern oder Frauen“, lebte sie selbst viele Jahre in diesem Schema. Besonders schlimm sei, dass viele der Opfer sich auch noch dafür schämen.

Thema aus der Verschwiegenheit holen

Wenn sie sich dann von ihren Penigern lösen können, bleibe meist ein seelisches Trauma, das sie nie mehr loswerden, das sich in Depressionen und Ängsten äußert. Und mit dem sie sich niemandem anvertrauen können.

„Deshalb wollen wir jetzt eine Öffentlichkeit herstellen und sagen: Hey, redet darüber!“, will die Borghorsterin das Thema aus der Verschwiegenheit holen. Denn irgendwann macht auch der Körper schlapp. „Mir ist das Leben um die Ohren geballert – ich hatte Panikattacken und Herzrasen“, beschreibt Petra Meyer den Moment, als ihr endgültig klar wurde, dass sie alleine nicht mit ihrer Vergangenheit klarkommt.

Die Erlebnisse verfolgen uns immer, sie werden immer ein Teil von uns sein.

Renate Foppe

Tabu brechen

Vor zwei Jahren hat Renate Foppe eine Selbsthilfegruppe gegründet, die sich regelmäßig in Borghorst in einem geschützten Raum trifft. Und dort vor allem eins tut: reden. „Die Erlebnisse verfolgen uns immer, sie werden immer ein Teil von uns sein. Aber durchs Reden wird es einfacher, sie wegzudrücken“, drückt sie ihre Erfahrung aus.

„Man leidet immer wieder unter Flashbacks – man ist in einem Film drin und kommt da einfach nicht raus“, beschreibt Petra Meyer. Und ihre Mitstreiterin ergänzt: „Das ist ein Teufelskreis, aus dem man nur herauskommt, wenn man das Tabu bricht.“

Gegenseitige Hilfe

In der Selbsthilfegruppe erzählen die Mitglieder von ihren Leidenswegen und tanken durch die Erkenntnis, das auch andere ähnliche Erfahrungen gemacht haben, neues Selbstvertrauen. Auch wenn das oft hart für alle Beteiligten ist, legt Petra Meyer Wert auf die Feststellung: „Wir sitzen nicht die ganze Zeit im Kreis rum und weinen. Es gibt auch Tage, da reden wir einfach nur mal Unsinn und lachen viel gemeinsam.“

Demnächst will die Gruppe, die aktuell aus sechs Mitgliedern besteht, an einem Selbstverteidigungskurs teilnehmen. Dadurch, dass sie das Thema öffentlich machen, erhoffen sich Renate Foppe und Petra Meyer, dass sich mehr Menschen mit ähnlichen Erfahrungen einer Selbsthilfegruppe anschließen, „um sich gegenseitig helfen zu können“. Außerdem sollen Täter abgeschreckt werden: „Je öffentlicher wir das machen, desto weniger Opfer haben die Männer.“

Zum Thema

Kontakt zu der Selbsthilfegruppe kann über das Netzwerk Selbsthilfe und Ehrenamt, Telefon 0 25 72 / 9 60 16 84, aufgenommen werden.

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