Politik diskutiert Wieberbelebung der Wochenmärkte
„Wir versuchen durchzuhalten“

Steinfurt -

Was war das für ein Hype. Genau vor einem Jahr war der Borghorster Mittwochsmarkt wieder in aller Munde. Verlegt auf den Nachmittag, ausgestattet mit dem Rundum-sorglos-Paket an frischen Lebensmitteln, plus Kaffeebude und Imbissstand sowie als Sahnehäubchen obendrauf verlängerte Öffnungszeiten der Innenstadtläden bis 19 Uhr. Kein halbes Jahr hat es gedauert, da folgte dem Höhenflug der tiefe Absturz. Mittlerweile sind es noch genau zwei unentwegte lokale Marktbeschicker, die die Mittwochsveranstaltung am Leben erhalten.

Montag, 18.03.2019, 16:14 Uhr
Der Traum des Karikaturisten ging für die Märkte unter der Woche nicht in Erfüllung. Es fehlt an Kundschaft.
Der Traum des Karikaturisten ging für die Märkte unter der Woche nicht in Erfüllung. Es fehlt an Kundschaft. Foto: Heinrich Schwarze-Blanke

Auf der anderen Seite des Buchenberges sieht es nicht ganz so krass aus. Aber der Dienstagsmarkt in Burgsteinfurt hat ebenfalls die Schwindsucht. Während die Wochenendmärkte hüben wie drüben einigermaßen funktionieren. Die Wirtschaftsförderung der Stadt hat sich der Problematik angenommen und arbeitet an einem grundsätzlichen Konzept, die Freiluft-Verkäufe dauerhaft zu beleben. Erste Ergebnisse werden am morgigen Mittwoch im Wirtschaftsförderungsausschuss vorgestellt.

Eine Möglichkeit: Die Wochenmärkte könnten professionell gemanagt werden. Dafür gibt es zum Beispiel die Deutsche Marktgilde, die an 120 Standorten im Bundesgebiet 250 Markttage pro Woche betreut. Das Konzept: Die Gilde mietet den Markt von der Stadt, vermietet die Stände an die Beschicker weiter und sorgt mit einem eigenen Marktmeister vor Ort dafür, dass die Sache rund läuft. „Wir sind seit 30 Jahren im Geschäft und verfügen dementsprechend über eine große Händlerdatenbank“, erläuterte Ingo Johnson als Assistent des Marktgilde-Vorstandes. Im Münsterland ist die Genossenschaft mit Hauptsitz in Eschenburg in Hessen derzeit noch gar nicht aktiv. Mehr im Ruhrgebiet und im Ostwestfälischen. Entscheidendes Kriterium für die Gilde: „So ein Engagement muss sich natürlich rechnen.“

Damit ist jetzt schon klar, dass im Falle eines Vertrages mit der Marktgilde die Steinfurter Händler für einen Standplatz tiefer in die Tasche greifen müssten. Ingo Johnson: „Mit einem Euro pro laufenden Meter wird man nicht kostendeckend arbeiten können.“ So weit ist es aber noch nicht. Der Anbieter war Anfang des Monats in Steinfurt, hat sich die Situation vor Ort angeschaut und erarbeitet jetzt ein Angebot.

Die Marktgilde war vor einigen Jahren schon mal in Hörstel aktiv. „Nach einiger Zeit sind dann aber wieder die Händler weggebrochen und das war es dann für den Wochenmarkt“, erinnert sich Christian Ungruh aus dem Hörsteler Rathaus. An dem schwindenden Interesse konnte damals auch der Umzug in eine besser frequentierte Einkaufsstraße nichts mehr ändern. „Seitdem ist der Wochenmarkt hier tot“, bedauert Ungruh.

Daniel Knüpp, der den Mittwochsmarkt vor einem Jahr in Borghorst aus seinem Dornröschenschlaf wachgeküsst hat, sieht eine Erhöhung der Standgebühren natürlich kritisch. Und die Selbsteinschätzung der Stadt, dass die Kosten für die Händler mit einem Euro pro Standmeter relativ niedrig seien, kann er auch nicht teilen: „Emsdetten zum Beispiel nimmt genauso viel wie Steinfurt.“ Und in der Nachbarstadt laufe der Markt richtig gut.

Warum die Nachmittagsveranstaltung in Borghorst so schnell wieder den Bach heruntergegangen ist? Daniel Knüpp hat keine rationale Erklärung dafür. „Natürlich war der heiße Sommer mit Schuld daran. Aber darunter haben alle Märkte gelitten. Und bei den anderen ging es danach wieder bergauf.“ Er selbst will jetzt im Frühjahr einen weiteren Anlauf wagen und mit Imbiss und Wurstwagen wieder vor Ort sein: „Wir versuchen durchzuhalten.“

Irmgard und Christian Dieckmann aus Wilmsberg sind mit ihrem Blumen- und Gemüseangebot in Borghorst wie Burgsteinfurt durchgängig vertreten. Sie wünschen sich von der Stadtverwaltung mehr Unterstützung für die Märkte. Und sind sich genauso sicher, dass in beiden Stadtteilen ein „Einstampfen der Märkte nicht die Lösung ist“.

Ein überregionales Marktkonzept, das Synergien für mehrere Orte – in diesem Fall das ganze Steinfurter Land – entwickeln könnte, wird von einem Leader-Projekt ins Auge gefasst. Es heißt „Steinfurter Marktland“ und startet in den nächsten Wochen mit einem Workshop, bei dem die Projektinhalte erarbeitet werden soll. Da ist Christian Ungruh aus Hörstel übrigens auch mit dabei. Steinfurt hat bei diesem Leader-Engagement ein spezielles Problem: Borghorst gehört nicht zum Gebiet, das gefördert werden darf. „Die Arbeitsgemeinschaft Steinfurter Land ist aber um eine Lösung bemüht“, ist die Verwaltung verhalten optimistisch.

Flankierend soll sich die Steinfurt Marketing und Touristik (SMarT) um eine Attraktivitätssteigerung der Märkte bemühen. Das Drehbuch für einen Imagefilm ist so gut wie fertig. Die Präsenz in den sozialen Medien soll zusätzlich erhöht werden, um die Märkte stärker ins Bewusstsein zu rücken. So wie beim Hype vor einem Jahr, als der Mittwochsmarkt wiederbelebt wurde. Nur sollte er diesmal ein bisschen länger anhalten.

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