Spinne in der Bananenkiste
Krabbeltier aus der Karibik auf Borghorster Wochenmarkt

Borghorst -

Es klingt beinahe wie eine der berühmten modernen Mythen. Eine Spinne ist als Blinder Passagier in einer Bananenkiste aus Karibik auf den Borghorster Wochenmarkt gelangt. Nur, dass es in diesem Fall gar keine Erfindung ist. 

Mittwoch, 20.03.2019, 17:16 Uhr aktualisiert: 20.03.2019, 19:04 Uhr
Handtellergroß ist die Krabbenspinne, die Valerie Dieckmann in einem Einmachglas aufbewahrte. Inzwischen wartet der weit gereiste Gast im Artenschutzzentrum in Metelen auf ein neues Zuhause.
Handtellergroß ist die Krabbenspinne, die Valerie Dieckmann in einem Einmachglas aufbewahrte. Inzwischen wartet der weit gereiste Gast im Artenschutzzentrum in Metelen auf ein neues Zuhause. Foto: Valerie Dieckmann

Man hört von diesen Geschichten ja immer wieder. Spinne in der Yuccapalme, Supermarkt schließt wegen Spinne im Obstregal, Polizeieinsatz wegen exotischer Spinne, Spinne sorgt für Panik – jetzt hat auch Borghorst seine Spinnen-Schlagzeile. Spinne auf dem Wochenmarkt. Für einen Polizeieinsatz oder Panik hat sie nicht gesorgt. Christian Dieckmanns Schrecksekunde mal außen vor gelassen, als der Obst- und Gemüsehändler am Samstag ganz unten in der Bananenkiste zwei besonders gut gereifte Bunde herausfingern wollte.

„Da krabbelte ihm plötzlich eine fette Spinne entgegen“, erinnert sich Tochter Valerie . Sie blieb cool. Und stülpte einfach eines der Leergutgläser drüber. Schon saß der Gast aus den Tropen fest. Und war damit der Gag des Vormittags, wie Valerie Dieckmann erzählt. Die Spinne im Glas sorgte bei dem einen oder anderen Kunden für einen kalten Rückenschauer. Für Familie Dieckmann stellte sich beim Zusammenpacken der Samstagsware danach die Frage: Und was jetzt?

Handtellergroße Tier in Weckglas umgesiedelt

Die Methode „Schlappen drauf und gut is“, von der der Mitarbeiter der Artenschutzstelle in Metelen immer wieder hört, kam für die Dieckmanns nicht in Frage. Also setzte sich Valerie erst an den Computer und dann ans Telefon. Recherche.

„Wir wollten natürlich herausfinden, was das für eine Art ist“, erzählt die Wilmsbergerin. Was sie wusste: Der Blinde Passagier hatte wahrscheinlich in der Dominikanischen Republik eingecheckt. Von dort kommen nämlich die Bio-Bananen. Über ihren langjährigen Großhändler in Duisburg hatte der Pappkarton schließlich seinen Weg auf den Borghorster Wochenmarkt gefunden.

Valerie Dieckmann siedelte das handtellergroße Tier noch am Nachmittag in ein größeres Weckglas um, gab ein paar Wassertropfen hinein und deckte das Behältnis mit einer gelöcherten Plastikfolie ab. „Die Spinne ist am Abend richtig munter geworden. Hat ihre Beine geputzt. Das war total spannend, ihr dabei zuzusehen“, erinnert sich die Wilmsbergerin.

Spinne mit nur sieben Beinen

Sie klickte sich parallel durch diverse Spinnen-Foren, verschickte einige Bilder ihres Überraschungsgastes und war sich bald ziemlich sicher, dass es sich nicht um die gefürchtete, weil giftige Bananenspinne handelt. Ungelöst war aber immer noch das Problem mit der Dauer-Unterbringung: Wohin mit dem Vieh?

Bei ihrer Internet-Recherche kam Valerie Dieckmann schnell auf das Artenschutzzentrum in Metelen. Dort hieß es aber, eine Einweisung könne nur durch das Veterinäramt des Kreises erfolgen. „Dort wurde ich dann 20 mal hin- und herverbunden, bis ich jemanden am Telefon hatte, der mir überhaupt was dazu sagen konnte“, so die Spinnen-Pflegemutter. Aussage: Das Veterinäramt sei nicht zuständig, sie müsse sich an das städtische Ordnungsamt wenden. . .

Krabbenspinnen sind nicht giftig

Gesagt, getan. Und von dort veranlasst, landete der Fall wieder beim Artenschutzzentrum Metelen, das am Dienstag einen Mitarbeiter nach Borghorst schickte, um die Spinne in die Auffangstation zu überführen. „Wir werden sie jetzt erstmal ein bisschen aufpäppeln“, erläuterte ein Mitarbeiter auf Nachfrage das weitere Vorgehen. Spinnen bietet die Einrichtung relativ selten Unterschlupf. Siehe das Zitat vom Schlappen weiter oben. Über den weiteren Verbleib macht sich der Experte aber keine Sorgen, auch wenn die Spinne derzeit mit nur sieben Beinen nicht im Vollbesitz ihrer eigentlich acht Ex­tremitäten ist.

„Es gibt regelrechte Wartelisten, auf denen Terrarienfreunde oder Zoos stehen“, weiß der Mitarbeiter. Er kann den Lebend-Import aus der Dom Rep übrigens auch zweifelsfrei identifizieren. „Es handelt sich um eine Krabbenspinne.“ Die sei zwar nicht giftig, könne aber beißen. Was im Augenblick aber nicht zu befürchten sei. „Die hat einen ganz schönen Weg hinter sich.“

Will heißen: Sie ist wahrscheinlich froh, dass sie lebt. Was, und da sind wir wieder beim Schlappen, in diesen Gefilden durchaus keine Selbstverständlichkeit ist.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6484893?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F186%2F
Pläne seit 15 Jahren in der Schublade
Hunderte Räder werden rund um das Parkhaus Bremer Platz abgestellt. Ab Ende August soll eine Radstation im Innern des Gebäudes zur Verfügung stehen. Diesen Plan gab es auch schon vor 15 Jahren.
Nachrichten-Ticker