Wohnraum-Programm für Fledermäuse
Tunnel, Türme und Kästen für 100.000 Euro

Borghorst -

Die Stadt hat bekanntlich bei den fliegenden Bewohnern des Websaal-Geländes Eigenbedarf angemeldet. Spätestens beim Abbruch der letzten Fabrikruinen müssen Langohr-, Rauhaut und Mopsfledermaus eine neue Bleibe gefunden haben. Anders als im richtigen Leben, muss sich die Stadt aber um adäquaten Wohnraum für die bedrohten Tiere kümmern. So sollen neue Fledermauskästen an Bäumen und Häusern aufgehängt, ein unterirdischer Tunnel als frostsicheres Gruppenquartier für das kollektive Winterschläfchen angelegt sowie Fledermaustürme aufgestellt werden.

Montag, 13.05.2019, 16:38 Uhr aktualisiert: 14.05.2019, 07:55 Uhr
Fledermausexperte Axel Donning kontrolliert die Fabrikruinen auf dem Websaal-Gelände regelmäßig. Die Tiere fühlen sich auf dem Areal immer noch sehr wohl.
Fledermäuse fühlen sich in den Fabrikruinen immer noch sehr wohl. Foto: Axel Roll

Als Standorte hat die Verwaltung Plätze im Buchenberg, aber auch in unmittelbarer Nachbarschaft zu den ehemaligen Websälen ins Auge gefasst – was den Umzug quer über die Straße natürlich enorm erleichtert. 100.000 Euro wird das komplette Umsiedlungsprogramm in diesem Jahr noch kosten. Geld, das die Politik außerplanmäßig bereitstellen soll.

Eigentlich hätte der Investor für das 25.000-Quadratmeter-Areal das alles bezahlen müssen. Da es einen Interessenten nach dem Absprung der List-Gruppe aber im Augenblick noch nicht gibt, Gesetze und Vorgaben den Fledermaus-Umzug aber vorschreiben, muss die Stadt wieder – wie beim Abbruch der einsturzgefährdeten Fabrikgebäude im vergangenen Jahr – in Vorleistung treten, argumentiert die Verwaltung.

Wie Stefan Albers als Fachdienstleiter für Stadtplanung und Bauordnung erläuterte, soll ein Teil der neuen Fledermaus-Unterkünfte auf privatem Grund und Boden eingerichtet werden. „Die Gespräche mit den Eigentümern können vielleicht noch in dieser Woche abgeschlossen werden“, ist Albers zuversichtlich.

Leben in den Ruinen

Die flinken Nachtjäger fühlen sich nach den Worten des Fachdienstleiters in den verbliebenen Ruinen und Kellern immer noch sehr wohl. „Die seltene Mopsfledermaus war nie weg, Rauhaut- und Langohrfledermaus sind wieder da“, weiß Stefan Albers von den Fledermausexperten, die die Populationen beobachten. Demnach sind viele der auf der Industriebrache aufgestellten Fledermauskästen bewohnt. Stefan Albers: „Da haben wir auch nachgebessert.“

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Fledermausexperte Axel Donning kontrolliert die Fabrikruinen auf dem Websaal-Gelände regelmäßig. Foto: Axel Roll

Selbst wenn jetzt im Eilverfahren ein neuer Interessent für das Weberquartier vor der Türe stünde – die restlichen Hallen dürfte er in diesem Jahr nicht mehr abreißen. Die Kündigungsfrist für dieses Jahr ist nämlich schon abgelaufen. Die wichtigen Wochenstuben für die Mini-Flieger müssen bis zum März eines jeden Jahres eingerichtet werden. Winterquartiere bis Ende September.

Fledermauswald geplant

Stefan Albers ist optimistisch, dass alle notwendigen Schritte für ein Abräumen des Areals im kommenden Jahr rechtzeitig eingeleitet werden können. Er warnt in diesem Zusammenhang: „Die Leute sollten dem Gelände fernbleiben. Um sich nicht zu gefährden und um die Fledermäuse nicht zu verscheuchen.“

Die Auslagerung der Populationen in den Buchenberg ist für die Tiere nach Expertenmeinung kein Problem. Dort soll nicht nur ein Tunnel für das Überwintern eingerichtet werden. Geplant ist außerdem ein Fledermauswald. Dafür muss ein Pachtvertrag geschlossen werden, der auch Entschädigungen vorsieht für die Bäume, die nicht gefällt werden dürfen.

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