FH-Wissenschaftler entwickeln neuartige Batteriespeichertechnologie
All you need is ... Zink!

Steinfurt -

Das Bessere ist des Guten Feind. Sagt der Volksmund. Zugleich ist es eine Devise, die den Ansporn steigert. Bestes Beispiel dafür ist eine neuartige Batteriespeichertechnik, die ein Team von Wissenschaftlern des Instituts für Energie und Prozesstechnik unter der Regie von Prof. Dr. Peter Glösekötter am Campus Steinfurt der FH Münster in den vergangenen drei Jahren entwickelt hat.

Dienstag, 14.05.2019, 20:00 Uhr
Protolauf geglückt! Darüber freuen sich (v.l.) Ludwig Horsthemke, Andre Löchte und Prof. Dr. Peter Glösekötter (alle FH Münster) ebenso wie die Projektpartner Markus Kunkel vom Investor und Know-how-Geber Energy Environment Economics GmbH Düsseldorf und Uwe Jaschke, Nicol Otterbach sowie Anno Jordan von der Firma EMG Automation aus Wenden, die die Halbleitertechnik bereitstellte.
Protolauf geglückt! Darüber freuen sich (v.l.) Ludwig Horsthemke, Andre Löchte und Prof. Dr. Peter Glösekötter (alle FH Münster) ebenso wie die Projektpartner Markus Kunkel vom Investor und Know-how-Geber Energy Environment Economics GmbH Düsseldorf und Uwe Jaschke, Nicol Otterbach sowie Anno Jordan von der Firma EMG Automation aus Wenden, die die Halbleitertechnik bereitstellte. Foto: Ralph Schippers

Die Steinfurter Akkus geben Energie zwar wie aktuelle Varianten auch aufgrund chemischer Reaktionen ab. Im Gegensatz zum derzeitigen Platzhirsch „Lithium-Ionen“ ist der Stoffeinsatz aber deutlich geringer und die Leistungsabgabe höher. Zudem kann der Rohstoff, auf dem die Neuentwicklung basiert, auch wesentlich preisgünstiger besorgt werden: „Die von uns entwickelten Batteriezellen werden mit Zink betrieben – und das ist in großen Mengen verfügbar“, betont Andre Löchte bei der Präsentation. Der wissenschaftliche Mitarbeiter im Labor von Prof. Glösekötter hat das seit Mai 2016 laufende EU-geförderte Projekt begleitet und stellte der Öffentlichkeit gemeinsam mit den Kooperationspartnern aus der Wirtschaft zum erfolgreichen Abschluss das Ergebnis von drei Jahren wissenschaftlicher Arbeit vor.

Die Projektbeteiligten hegen die Hoffnung, dass der Steinfurter Akku die für die Zukunft so wichtige Batteriespeicher-Technologie revolutionieren kann. „Wir haben eine dreifach höhere Energiedichte gegenüber Lithium-Ionen-Lösungen“, berichtete der Labormitarbeiter. Zugleich fallen für eine zu speichernde Kilowattstunde Materialkosten von nur rund 20 Euro an – rund 80 Prozent weniger als bei Li-Ion-Zellen. Neben dem Zink selbst werden noch Graphit (als Diffusionselektrode), Nickel (für die Kontakte) und Kalilauge (als Elektrolyt) eingesetzt, berichtete Löchte. Das Zink reagiert mit dem Elektrolyt und braucht überdies lediglich Sauerstoff zur Stromproduktion. Dieser kann über die normale Umgebungsluft zur Verfügung gestellt werden.

Was die Haltbarkeit des neuartigen Akkus betrifft, sind die Wissenschaftler der FH ebenfalls optimistisch. Konkret werden indes können sie noch nicht. „Dazu müssten die Zink-Luft-Zellen erst noch in Serie gebaut werden“, sagt Prof. Glösekötter. In jedem Fall sei die neue Technologie auch bei einem altersbedingten Austausch der Zellen nach 20 Jahren noch um rund die Hälfte günstiger als die Li-Ion-Technologie. Weiterer gewichtiger Pluspunkt der Zink-Lösung: die Recyclingfähigkeit. Diese sei zu fast 100 Prozent gegeben, erklärt Markus Kunkel vom Projektpartner Energy Environment Economics nicht ohne Stolz.

Bis zum aktuellen Erkenntnisstand war es für alle Beteiligten ein weiter Weg. Es galt unter anderem, die in Reihe geschalteten Zellen in ihrer Effizienz zu optimieren, EDV-Programme zu entwickeln, die die Ladevorgänge regeln und überwachen sowie die Stoffeinsätze zu verbessern. Als einer der letzten Schritte des aktuellen Projekts entwickelten die Wissenschaftler um Prof. Glösekötter einen voll funktionsfähigen Prototypen. Dieser wurde am Montag erfolgreich an die auf dem Dach des FH-Hauptgebäudes installierte Photovoltaik-Anlage angeschlossen.

Und die Steinfurter Akku-Spezialisten wollen weiter am Ball bleiben – im Rahmen eines Folgeprojekts. Mit im Boot sind dann die Stadtwerke Steinfurt. Zudem soll auch Windkraft als weiterer Lieferant erneuerbarer Energien genutzt werden. Das Ziel ist eine baldige Markteinführung. Die Zuversicht der Mitarbeiter am Institut für Energie und Prozesstechnik und ihrer Projektpartner ist groß. Denn auch sie wissen: Das Bessere ist des Guten Feind – und wird sich am Ende durchsetzen.

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