Schindel-Tausch in vier Wochen
Bayerischer Sachverstand für Hollicher Mühle

Burgsteinfurt -

Josef Pfeffer lacht. „Ja, wir machen eure schöne Mühle gerade ganz grün.“ In seinem unüberhörbar bayerischen Akzent fügt er aber gleich beruhigend hinzu: „Aber nicht für lange.“ Grün ist nur die Folie, auf die in den nächsten Wochen erst eine Unterkonstruktion aus Latten und dann Holzschindeln in drei Schichten aufgenagelt werden. Bis die Hollicher Mühle ihr neues Kleid oben auf dem Hügel stolz präsentieren kann, müssen Pfeffer und sein Chef Daniel Ehrenthaler aber noch kräftig Gas geben. Sie sind am Dienstagabend aus dem Bayerischen Wald – der Betrieb steht im Ort Zwiesel – in Burgsteinfurt angereist und sind am Mittwoch gleich aufs Gerüst gestiegen.

Donnerstag, 16.05.2019, 16:20 Uhr aktualisiert: 17.05.2019, 09:36 Uhr
Daniel Ehrenthaler und Josef Pfeffer (r.) werden der Hollicher Mühle in den nächsten vier Wochen ein neues Schindelkleid anpassen. Dass sie zwischenzeitlich grün leuchtet, liegt an der Folie für den Unterbau.
Daniel Ehrenthaler und Josef Pfeffer (r.) werden der Hollicher Mühle in den nächsten vier Wochen ein neues Schindelkleid anpassen. Dass sie zwischenzeitlich grün leuchtet, liegt an der Folie für den Unterbau. Foto: Axel Roll

„Wir müssen natürlich erst einmal die alten Schindeln abreißen“, erläutert Daniel Ehrenthaler . Die landen jetzt im Container unten auf der Wiese. Danach wird die Mühlenhaut mit der auffälligen grünen Folie bespannt, damit das Innere vor dem Hollicher Landregen geschützt bleibt.

„Rund vier Wochen“, schätzt Josef Pfeffer , wird das Duo aus Bayern benötigen, bis die letzte neue Schindel sitzt. „Wir werden nicht mehr erleben, dass die dann wieder ausgetauscht werden müssen“, ist Holzspezialist überzeugt. Dass die alten nur 30 Jahre gehalten haben, liegt für ihn auf der Hand: „Die Konstruktion hatte keine Hinterlüftung.“ Dadurch konnte die Feuchtigkeit nicht so gut abziehen und das Holz moderte mit der Zeit. Pfeffer geht davon aus, dass seine Arbeit wenigstens 50 Jahre hält.

Schindeln für die Hollicher Mühle

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Was für den Laien wie einfache Holzbrettchen aussieht, sind tatsächlich in Handarbeit nach einem festen Prinzip fast kunstvoll aus dem Stamm gespaltene Schindeln. „Die harten Jahresringe müssen dabei außen, die weicheren innen liegen“, zeigt Josef Pfeffer an einem der in Plastikkisten mitgebrachten Exemplare. Dadurch wölbt sich die Schindel nach außen, das Wasser kann nicht so leicht nach innen gelangen.

Die Kunst an dem seltenen Handwerk ist es, das Holz richtig zu lesen, wie der Experte betont. Seit über 20 Jahren ist er hauptberuflich als Schindelmacher im deutschsprachigen Raum unterwegs.

„Das ist im Augenblick ein richtiger Trend“, weiß Daniel Ehrenthaler. Die beiden sind nicht nur mit der Renovierung alter Gebäude beschäftigt. „Auch bei modernen, neuen Häusern kommen sie immer mehr zum Einsatz“, so Ehrenthaler. Mit Mühlen kennen sich die Bayern aus. Erst gerade haben sie einer historischen Windmühle in Kleve einen neuen Anzug angepasst.

Rund 550 Kilometer sind es zurück in die Heimat. Da ist es natürlich unmöglich, nach getaner Arbeit zurück nach Hause zu fahren. „Wir bleiben hier, fahren zwischendurch vielleicht einmal zurück nach Zwiesel“, sagt Firmenchef Josef Pfeffer und lacht wieder. „Wahrscheinlich zum Vatertag.“

Mit der Erneuerung der Holzschindeln geht die Sanierung der Hollicher Mühle in die dritte und damit vorerst letzte Runde. Ende 2017 bekam das Burgsteinfurter Wahrzeichen neue Flügel. Danach folgte das Stertwerk. Das ist die Mechanik, mit der die Kappe mit den Flügeln in den Wind gedreht werden kann. Und jetzt eben die neuen Schindeln.

Dieser finanzielle Kraftakt war für den Förderkreis Hollicher Mühle nicht im Alleingang zu wuppen. Die Nordrhein-Westfalen-Stiftung hat kräftig mitgeholfen, dass die Mühle jetzt nach fast zweijähriger Renovierungszeit wieder in neuem Glanz erstrahlen kann. Auch wenn der zwischenzeitlich mal kurz grün ausfällt. . .

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