CDU bleibt in Steinfurt über der 30-Prozent-Marke – Grüne noch stärker als auf Bundesebene
Mehr als ein Viertel wählt Grün

Steinfurt -

„Wir hatten schon mit einem Stimmenrückgang gerechnet, aber nicht mit so einem Einbruch.“ Beim SPD-Vorsitzenden Frank Müller saß die Enttäuschung über das Abschneiden der Sozialdemokraten am Abend tief. Etwas mehr als 18 Prozent in Steinfurt bedeutete zwar ein besseres Ergebnis als auf Bundesebene. Aber bei der Wahl vor fünf Jahren hatten die Genossen fast 32 Prozent erreicht, damals sogar ein sattes Plus verbucht.

Sonntag, 26.05.2019, 21:18 Uhr
3800 Briefwahlunterlagen wurden von der Stadt Steinfurt für die Europawahl verschickt. „Erfahrungsgemäß kommen ein paar davon immer noch am Montag oder Dienstag nach der Wahl an“, bedauert IT-Leiter Helmut Grönefeld, dass diese Stimmen nicht mehr ins Ergebnis einfließen können. Aber auch ohne diese hatten die Helfer im Rathaus gut zu tun, die rund 3600 Stimmzettel auszuzählen.
3800 Briefwahlunterlagen wurden von der Stadt Steinfurt für die Europawahl verschickt. „Erfahrungsgemäß kommen ein paar davon immer noch am Montag oder Dienstag nach der Wahl an“, bedauert IT-Leiter Helmut Grönefeld, dass diese Stimmen nicht mehr ins Ergebnis einfließen können. Aber auch ohne diese hatten die Helfer im Rathaus gut zu tun, die rund 3600 Stimmzettel auszuzählen. Foto: Bernd Schäfer

Es sei beim Wahlprogramm ganz offensichtlich zu einseitig auf das Thema „Sozialer Zusammenhalt“ abgestellt worden. „Ohne Frage ein wichtiges Thema“, so Müller . Die Leute, gerade die Jugendlichen und die Mittelalten, beschäftige aber momentan der Umwelt- und insbesondere der Klimaschutz viel mehr.

In diese Richtung gelte es für die SPD , sich neben ihren sozialen Kernkompetenzen weiterzuentwickeln. Dies auch vor Ort, schaute der designierte Bürgermeisterkandidat seiner Partei auch schon wieder nach vorn.

Auch Ludger Kannen stand am Abend noch ganz unter dem Eindruck des Wahlergebnisses – aber in ganz anderer Richtung. „Das ist ein unglaublicher Erfolg für uns“, sagte der Fraktionssprecher der Bündnisgrünen zu den gut 25 Prozent, den seine Partei, die neben dem Thema Welthandel auch auf den Klimaschutz gesetzt hatte, auf lokaler Ebene verbuchte.

Er könne sich nicht erinnern, dass die Grünen in Steinfurt schon einmal so ein herausragendes Ergebnis eingefahren hätten. Kannen: „Das ist ein Riesenansporn auch für unsere kommunale Arbeit.“

Auch Jonas Ewering von der GAL freute sich über das grüne Ergebnis. „Auf Europaebene ist es gut, dass grüne Inhalte wertgeschätzt werden. Ob das jüngst veröffentlichte Video, auf dem Youtube-Stars davon abraten, CDU , SPD oder AfD zu wählen, einen Einfluss auf den Ausgang der Europawahl hatte, vermag er nicht zu sagen. „Bei den Jüngeren könnte das sein.“ Aber die seien ohnehin weniger konservativ orientiert.

Die FDP konnte sich im Vergleich zur vorherigen Europawahl in Steinfurt zwar um 2,2 Prozentpunkte verbessern, richtig profitieren von den Stimmenverlusten bei SPD und CDU konnte sie aber auch nicht. „Wir haben zugelegt – aber es hätte mehr sein können“, findet auch die Ortsvorsitzende der Liberalen, Kira Jörg.

Dabei sieht sie die Themen, mit denen sich die FDP im Kern beschäftigt, durchaus als bedeutsam für nachfolgende Generationen an, etwa die Digitalisierung. Allerdings könne man auch in ihrer Partei nicht an den Zahlen vorbeigehen: „Solche Wahlergebnisse zeigen, dass man sich um dieses und jenes Gedanken machen muss.“

Mit 32,5 Prozent bleibt die CDU die stärkste Kraft in der Stadt Steinfurt. Auch sie musste jedoch herbe Verluste einstecken – fast sieben Prozentpunkte liegt sie hinter dem Ergebnis von 2014 zurück. „Letztes Mal hätten wir noch sagen können, wir sind mit einem blauen Auge davongekommen – das geht diesmal nicht mehr so einfach“, stellt Unions-Ortschef Günter Marquard selbstkritisch fest. „Das zeigt, dass die Grünen im Moment das wichtigere Thema haben.“

Welche Auswirkung das auf die Steinfurter Christdemokraten hat, konnte er kurz nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses noch nicht sagen. „Ich glaube, das ist vor allem ein Bundestrend. Aber wir müssen das eindeutig auch auf Ortsebene analysieren und sehen, welche Themen die Bürger bewegen“, kündigt er eine genaue Manöverkritik an.

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