Mario Hölscher ist Hobby-Imker
Erste Hilfe für die Biene

Viele Menschen ahnen nicht mal, was passiert, wenn die Bienen einmal nicht mehr sind. Die bunten Blumen und der Honig sind nur die Spitze des Eisberges. Wenn man einmal realisiert, was uns ohne die Bienen noch alles fehlen wird, und das nicht erst in 100 Jahren: Ca. 80 Prozent aller Nutz- und Wildpflanzen sind abhängig von der westlichen Honigbiene. Gerade Obst und Gemüse würde stark zurückgehen. Man will sich gar nicht ausmalen, was wir ohne diese wichtigen Nahrungsmittel täten. „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr“, soll Albert Einstein 1949 gesagt haben.

Donnerstag, 13.06.2019, 14:44 Uhr aktualisiert: 18.06.2019, 16:30 Uhr
Mario Hölscher ist Hobby-Imker: Erste Hilfe für die Biene
Foto: Wilfried Gerharz

Mario Hölscher , 24 Jahre und aus Steinfurt, hilft aktiv, dem Bienensterben entgegenzuwirken. Er ist Hobby-Imker und hat mehrere Völker. „Jugendfrei“ hat sich mit ihm getroffen, um etwas mehr über das Thema zu erfahren.

Hallo Mario, zuerst einmal: Wie bist Du überhaupt zu dem Hobby Imkern gekommen?

Mario: Ich bin da gar nicht zwingend von selber draufgekommen. Meine Eltern haben damit vor einigen Jahren angefangen und mir gelegentlich davon erzählt. Irgendwann wurde dann mein eigenes Interesse daran geweckt, als ich immer mehr über die Bedrohung der Biene gehört hatte.

Ist es schwer, ein Imker zu werden und eigene Völker zu pflegen?

Mario: Es ist schon mit etwas Arbeit verbunden und man muss gut auf seine Völker aufpassen. Zu bestimmten Jahreszeiten benötigen die Völker, wenn sie beispielsweise in Winterruhe sind, eine besondere Pflege, um von Parasiten nicht zerfressen zu werden oder zu erfrieren. Und natürlich muss auch im Sommer alles regelmäßig überprüft werden.

Wurdest Du als Imker ausgebildet oder haben Deine Eltern dir das alles gezeigt?

Mario: Nein ich hab schon einen richtigen Kurs dazu besucht. In Greven bin ich dann in regelmäßigen Abständen über ein Jahr hinweg so vorbereitet worden, dass ich meine eigenen Völker versorgen konnte und mit diesen auch Honig gewinnen kann. Dazu kommt viel theoretisches Wissen über die Bienen und ihre Wichtigkeit sowie der Unterschied zwischen Wild- und Honigbienen.

Wie viele Völker hast du denn momentan?

Mario: Leider habe ich gerade nur noch eines, weil im Winter mein anderes an einer Krankheit gestorben ist. Meine Eltern haben insgesamt fünf Wirtschaftsvölker. Das heißt, die liefern jetzt schon Honig. Aus einem Wirtschaftsvolk kann man sich dann auch neue Völker heranzüchten, die neuen Völker liefern im ersten Jahr allerdings noch keinen Honig. Mein Volk steht am Nabu-Lehmdorf in Borghorst.

Was sind die Vor- und Nachteile deines Hobbys?

Mario: Also ganz klar macht es viel Spaß, sich damit zu beschäftigen und seine Völker zu versorgen. Ein großer Vorteil ist außerdem, dass man den frischesten Honig überhaupt bekommt und das auch nicht zu wenig. Wir haben im Keller inzwischen eine Honigschleuder, die aus den Waben den Honig rausschleudert. Und ich nutze den dann nicht nur als Aufstrich, sondern auch gerne mal, um andere Dinge damit herzustellen wie eigenen Honiglikör.

Welchen Wert würdest Du sagen, haben die Bienen für uns und unseren Planeten?

Mario: Einen sehr hohen. Die Honigbiene ist das drittwichtigste Nutztier nach Rind und Schwein, welches wir haben. Ohne die Bienen würden viele Pflanzen gar nicht mehr bestäubt werden, sodass der Mensch das selber übernehmen müsste, was fast nicht zu bewältigen ist. In China ist dies stellenweise schon soweit. Gerade bei Obst und Gemüse ist die Honigbiene wichtig, sonst könnten wir nicht mehr mit diesem Standard weiterleben. Der Honig ist im Vergleich dazu eher ein positiver Nebeneffekt. Weiterhin sind Bienen gleichzeitig auch Nahrungsmittel für andere Tiere wie zum Beispiel Vögel. Der Wert geht also durchaus über das Bestäuben hinaus. Ein Aussterben könnte im schlimmsten Fall eine Kettenreaktion für das ganze Ökosystem zur Folge haben.

Was sind Maßnahmen, die jeder in seinem Garten ergreifen kann, um dem Sterben entgegenzuwirken?

Mario: Das einfachste ist es, in seinem Garten ein buntes Sortiment von Wildblumen anzupflanzen. Das erleichtert den Bienen das Sammeln von Pollen für das Bestäuben. Hochgezüchtete Zierpflanzen sind manchmal zu hochgewachsen für die Biene, so dass diese nicht ohne weiteres an die Blüte kommt. Weiterhin sollte versucht werden, auf Insektizide, Pestizide oder Herbizide zu verzichten. Diese greifen das Immunsystem der Bienen an oder hemmen ihre Navigation oder die Fortpflanzung. Bei Blattläusen zum Beispiel könnten Marienkäfer helfen, die diese fressen. Ansonsten ist es hilfreich, den Bienen ein Insektenhotel in den Garten zu stellen. Die gibt es im Baumarkt, obwohl diese manchmal nicht perfekt geeignet sind. Am besten sind selbst gemachte Hotels. Dafür muss man nur einen Ast nehmen, diesen ein paar mal teilen und einige Löcher hineinbohren. Wenn jeder mit solchen Kleinigkeiten seinen Beitrag leistet, kann den Bienen schon gut geholfen werden.

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